Hendschiken
Die Gmeind hat entschieden: Primarschule soll souverän bleiben

Der Gemeinderat Hendschiken wollte die dorfeigene Primarschule in einen Gemeindeverband überführen. Die Vorlage erlitt vor dem Souverän Schiffbruch. Die Frau Gemeindeammann und die zuständige Gemeinderätin erklären, wie es soweit kommen konnte und wie es jetzt weiter geht.

Florian Wicki
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Die Hendschiker Frau Gemeindeammann Sabina Vögtli. (Bild vom 7. Juni 2018)

Die Hendschiker Frau Gemeindeammann Sabina Vögtli. (Bild vom 7. Juni 2018)

Claudio Thoma

Der Hendschiker Souverän hat sich an der Gmeind von letztem Mittwoch gegen die Überführung der Primarschule in den neuen Gemeindeverband «Schulen am Maiengrün» mit Dottikon und Hägglingen ausgesprochen. Von 866 Stimmberechtigten erschienen 95, davon sprachen sich gerade mal 28 für das Anliegen des Gemeinderats aus, mit 53 waren fast doppelt so viele dagegen. Der Rest enthielt sich.

Für Frau Gemeindeammann Sabina Vögtli hat das wuchtige Nein an der Gmeind viel mit Uneinigkeit zu tun, der Gemeinderat und die Schulpflege hätten bei der Vorlage nicht am selben Strick gezogen: : «Schulpflege und Gemeinderat wollen beide das Beste für die Hendschiker Schule, doch in Bezug auf die Umsetzung dieses Vorsatzes waren wir uns nicht einig. Die Schulpflege sieht im Alleingang und der Gemeinderat im Beitritt zum Verband Schulen am Maiengrün das grösste Potenzial für die Zukunft der Hendschiker Schule.» Und: «Die vermeintlichen Nachteile, die ein Beitritt allenfalls hätte haben können, wurden stärker gewichtet als die Vorteile.»

Angst um die eigene Identität führt zur Ablehnung

Laut der für die Bildung zuständigen Gemeinderätin Susanne Hofmann war es vor allem die Angst vor einem Verlust der Unabhängigkeit: «Man befürchtete, dass unsere kleine Primarschule im Verband mit grösseren Gemeinden nicht mehr denselben Stellenwert hat. Und dass schliesslich Hendschiken zu Gunsten der anderen beiden Gemeinden Projekte oder auch Teile der Identität aufgeben müssen wird. Diese Punkte sind enorm schwierig zu widerlegen, man kann ihnen nicht mit Fakten begegnen.»

Eine grosse Rolle hat laut Vögtli auch das Coronavirus gespielt: «Uns haben die Möglichkeiten gefehlt, das ganze Thema mit der Bevölkerung frühzeitig zu diskutieren, wir konnten bis zur Info-Veranstaltung nur auf schriftlichem Weg kommunizieren.» Durch die Einbahnkommunikation hätten sich in der Bevölkerung solche Ängste ausbreiten können, ohne dass man sie hätte beseitigen können.

Primarschule wird durch den Gemeinderat geführt

Und wie geht es nun weiter? Laut Vögtli ändert sich für die Oberstufe nichts, deren Überführung in den Verband sei ja beschlossen worden. Der Verband habe seine Arbeit bereits begonnen. Die Primarschule wird ab nächstem Jahr – nach Abschaffung der Schulpflege – durch den Gemeinderat geführt, wie Hofmann erklärt: «Die Gesamtverantwortung in strategischer wie auch finanzieller Hinsicht liegt ab nächstem Jahr beim Gemeinderat. Die Überführung wird in Zusammenarbeit mit der Schulpflege und der Schulleitung erfolgen.»

Noch ist der Beitritt zum Gemeindeverband nicht endgültig vom Tisch: Aufgrund der tiefen Anzahl Stimmberechtigter an der Gmeind unterliegt der Beschluss sowieso dem fakultativen Referendum. Und die Satzungen des Gemeindeverbands sehen die Möglichkeit eines späteren Beitritts von Kindergarten und Primarschule bis Ende 2025 vor, ohne dass die Gemeindeversammlungen von Hägglingen und Dottikon erneut zustimmen müssten. Somit könnte sich die Gemeinde in den nächsten Jahren auch noch umentscheiden.

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