Seengen
Heinz Waser sagt «Arrivederci» und stellt letztmals seine Kunst aus

Am Samstag lädt der Architekt und Künstler Heinz Waser zu seiner letzten Vernissage. Seine Bilder dokumentieren ein Leben voller Geschichten und zeigen die Unterschiede zwischen dem Westen und Osten auf, denn Waser ist in Japan geboren.

Janine Müller
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Heinz Waser stellt unter anderem seine Shoji-Bilder aus. jam

Heinz Waser stellt unter anderem seine Shoji-Bilder aus. jam

Janine Müller

Das Leben von Heinz Waser ist voller Geschichten. Traurige, schöne, hoffnungsvolle und enttäuschende. Es sind die Geschichten, die er auf seinen Bildern festhält. Sie zeigen, wie Heinz Waser zeitlebens zwischen der westlichen und der asiatischen Kultur hin und her gerissen war.

Aufgewachsen in Fukushima

Der bald 85-Jährige kam 1929 in Japan zur Welt. In Fukushima verbrachte er mit seinen Eltern – einem Schweizer Vater und einer japanischen Mutter aus einer Samurai-Familie – seine ersten Lebensjahre, bevor die Familie 1934 in die Schweiz nach Höngg zog. «Ich weiss, was es heisst, wenn man sich integrieren muss», sagt Heinz Waser. Es sei keine einfache Zeit gewesen. Asiaten waren damals nicht gerne gesehen. Das bekam er zu spüren. Auch das Dilemma mit den Religionen beschäftigte Heinz Waser. Sein Vater war ein Zwinglianer, seine Mutter Zen-Buddhistin. Sie wurde nie von der Familie ihres Mannes akzeptiert. Für Heinz Waser folgten schlimme Jahre. Der Vater wurde krank, verlor den Job, die Familie verarmte. Die Ehe seiner Eltern ging in die Brüche. Mit 16 Jahren musste sich Heinz Waser plötzlich um die Familie kümmern.

Zerplatzte Träume

Die Träume zerplatzten. Kinderarzt wollte er eigentlich werden. «Und daneben wollte ich mich der Schriftstellerei widmen», erinnert sich Heinz Waser. Stattdessen musste er arbeiten und sich um seine Mutter kümmern. Dann wurde er Architekt. Im Alter von 29 Jahren zog er nach Paris, lancierte dort seine Karriere. In Paris – der Stadt der Liebe – lernte er auch seine Frau kennen. Und langsam machte sich Heinz Waser einen Namen. In Paris traf er auf Ernst Baumann. Gemeinsam arbeiteten die beiden Architekten am neuen Grand Theâtre de la Ville de Luxembourg. Der Durchbruch für die beiden. 1962 gründete Heinz Waser mit Ernst Baumann das Architekturbüro Baumann & Waser in Lenzburg. Seine ständigen Begleiter: die Malerei und das Schreiben.

Shoji-Bilder sind die Spezialiät

Einem bestimmten Kunststil hat sich Waser nie verschrieben. Das Spektrum reicht von Panta-Rhei-Bildern über Tuschzeichnungen zu Linolschnitten. Wasers Spezialität sind allerdings die Shoji-Bilder. Shoji-Bilder sind auf Schiebetüren in japanischen Tempeln und Palästen zu finden. Auf einem goldenen Streifen werden Geschichten erzählt. Eine Idee, die Waser fasziniert hat und in seine Kunst aufgenommen hat. Auf einigen Bildern ist nun ein goldiger Streifen zu finden, auf dem die Geschichten Wasers handeln. Oftmals von den Gegensätzen von Ost zu West. Ein beliebtes Sujet ist auch der Baum. «Der Baum ist ein Lebenssymbol», sagt Waser. Er selber sei jetzt ein alter Baum, die Kraft schwinde langsam.

Darum sei es jetzt an der Zeit «Arrivederci» – auf Wiedersehen – zu sagen. Das tut Waser am Samstag an seiner wohl letzten Vernissage.

Vernissage, 9. November, 17 Uhr in der Alten Schmitte in Seengen. Ausstellungsdaten: 10./16. November (15 bis 18.30 Uhr)/17. November (10 bis 12 Uhr). Finissage am 17. November um 15 Uhr.