Vögel
Happy Birthday: Der Lenzburger Vogelschutzverein feiert sich selbst

Der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg feiert heuer sein 40-Jahre-Jubiläum. Bei dieser Gelegenheit verwöhnte der Verein seine Gäste mit Aktionen und Anlässen.

Heiner Halder
Merken
Drucken
Teilen
Gründervater und Ehrenpräsident Alfred Oeschger und Senioren-Obmann Peter Karlen bei der Eulenhütte. HH.

Gründervater und Ehrenpräsident Alfred Oeschger und Senioren-Obmann Peter Karlen bei der Eulenhütte. HH.

Unter dem Motto «retten, schützen, halten» setzt sich der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg seit 40 Jahren gegen die Verarmung von Fauna und Flora in der Region ein. Seine Fürsorge gilt der Natur im Allgemeinen, der Vögel und Amphibien im Speziellen. Mit einem Tag der offenen Tür bei der Eulenhütte wurde das Jubiläum gefeiert.

Wie andere Vereine auch haben die Natur- und Vogelschützer Mühe mit der Besetzung von Funktionärsposten, doch an der Basis entfaltet sich eine rege Tätigkeit. Der Mitgliederbestand von 274 zeigt Konstanz, der Nachwuchs entwickelt in der Jugendgruppe Strix vielfältige Aktivitäten unter kundiger Anleitung und nicht minder rührig ist die Seniorengruppe mit einem auf sie zugeschnittenen Programm – ganz abgesehen davon, dass diese nach wie vor eine unentbehrliche Stütze für die praktischen Einsätze und das Vereinsleben im Allgemeinen sind.

Rückgang der Bergfinken

Der Jahresrückblick 2010 im Vereinsblatt «Uhu» gibt nicht nur Einblick über die Betätigungen im Natur- und Vogelschutzverein, sondern ist auch ein Spiegelbild des aktuellen Zustandes der Natur. So meldet die Informationsstelle (Hans Brüngger) ausserordentliche Beobachtungen aus der Vogelwelt.

Da ist aufgeführt, dass Anfang Jahr noch grosse Schwärme von Bergfinken geortet wurden, letzten Winter jedoch nur vereinzelte Vögel. Auch Distelfinke, Fitis und Heckenbraunellen machen sich rar.

Das Umfeld verbessern

Ein Ereignis ist der Durchflug von elf Weissstörchen. Erstmals wurde ein Silberreiher gesichtet und eine Teichrohrsängerbrut entdeckt. «Hat es weniger Leute, die beobachten, oder nimmt der Vogelbestand in Lenzburg weiter ab?» fragt sich Ornithologe Hans Brüngger. Wo sind Nachtigall, Kuckuck und Sumpfrohrsänger, Gartenrotschwanz und Neuntöter, Turmfalke, Ringeltaube oder Eisvogel geblieben?

Die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins verbessern, in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Natur- und Heimatschutzkommission, mit praktischen Massnahmen die Rahmenbedingungen für die Vogelwelt. Dazu gehört auch die Nistkastenkontrolle, ein wichtiger Fixpunkt im Jahresprogramm.

Mauersegler mit geringer Brut

Letzten Oktober wurden 204 Meisenkästen betreut, 174 waren besetzt. Auch die Mauersegler im Angelrainschulhaus stehen unter der Obhut der Vogelschützer: 55 Kästen waren besetzt, der Bruterfolg wegen des nasskalten Wetters schlecht, von 11 beringten Tieren war das älteste vor 11 Jahren schon als Altvogel registriert, 43 aus dem Nest gefallene Findlinge (Waisenkinder) wurden neu platziert.

In Lenzburg gern gesehene Gäste sind auch die Alpensegler, welche im KV-Schulhaus, im Gemeindesaal und in der Wisa Gloria beheimatet sind. Schliesslich hat es im Schloss eine kleine Dohlenkolonie.

Amphibien mit Zaun retten

Die Erstellung eines Amphibienschutzzaunes an der Ammerswilerstrasse gehört ebenfalls ins freiwillige Pflichtenheft des Natur- und Vogelschutzvereins. Jedes Frühjahr werden Tausende von Erdkröten, Grasfröschen, Berg und Fadenmolchen sicher über die Strasse in den Fünfweiher und den Munimattweiher getragen und so gerettet. Eine weitere Oase für Amphibien ist die Kiesgrube Lütisbuech – sie wird von der Jugendgruppe Strix regelmässig gepflegt.

In früheren Jahren widmeten sich die Natur- und Vogelschützer regelmässig der Hecken- und der Weiherpflege. Diese Aufgabe wurde weitgehend von den Forstdiensten Lenzia übernommen. «Die Einflussnahme der Lenzburger Behörden zugunsten der Natur im Siedlungsraum ist lobenswert», wird im Jahresbericht festgehalten.

Friedliche Vereinstrennung

Nach wie vor werden im Verein, der Jugendgruppe und der Seniorengruppe regelmässig Exkursionen zur ornithologischen Weiterbildung organisiert. Zum Standardprogramm gehören die öffentlichen naturkundlichen Abendspaziergänge unter der Führung von Ursula und Hans Brüngger. Sozusagen der «Wald-Werkhof» des Natur- und Vogelschutzvereins ist die Eulenhütte im Lütisbuech, Fixpunkt und Ausgangspunkt und Treffpunkt auch für gesellige Familienanlässe.

Der Natur- und Vogelschutzverein wurde am 21. Mai 1971 gegründet. Er entstand aus der Abteilung «Vogelschutz» der Ornithologischen Gesellschaft (heute Kleintierzüchterverein Lenzburg und Umgebung). Es war eine friedliche Trennung wegen der unterschiedlichen Interessen der Mitglieder, erinnert sich Alfred Oeschger, der Gründer und langjährige Präsident des Vereins sowie der Seniorengruppe. Wie der nunmehrige Ehrenpräsident ist auch Peter Karlen noch immer als Seniorenobmann aktiv an der Front. Erste Vogelschützer sind allerdings schon 1928 urkundlich erwähnt, sie widmeten sich vor allem den Nistkasten.