Dass das Seetal seinen Charme weitgehend bewahrt hat und auch heute noch als Naherholungsgebiet gern besucht wird, haben die lieblichen Hügel links und rechts des Hallwilersees auch einer Organisation zu verdanken, die vor 50 Jahren gegründet wurde: Den Landschaftsschutzverband Hallwilersee (LSVH) gibts seit 1964.

«Wir möchten unsere Visitenstube schön, grün und gesund erhalten.» Mit diesem Satz über das Seetal als Vorzeigeregion des Aargaus gab der erste Präsident, der Fahrwanger Bezirksschullehrer Max Disteli, in seiner ersten Ansprache den Kurs der neuen Organisation vor.

Einsprache in der ersten Woche

Gegründet am 8. Juli 1964, wurde der LSVH schon nach weniger als einer Woche aktiv: Am 13. Juli erhob der Verband Einsprache gegen ein Baugesuch für ein erstes Ferienhaus im Aescherried auf dem Gemeindebann von Fahrwangen.

Dieses Haus und die gesamte nachfolgend geplante Siedlung oberhalb des Naturschutzgebietes Rüteren konnte verhindert werden. «Der Hang ist noch heute frei von Bauten», frohlockt der Landschaftsschutzverband in der kleinen Broschüre, die im Hinblick auf die Jubiläumsfeier vom Wochenende herausgegeben worden ist.

In der Schrift wird nicht verschwiegen, dass der LSVH vor allem in seiner Startphase heftig gegen den Strom schwimmen musste: «Damals wollten alle bauen und uneingeschränktes Wachstum.» Mit seiner aktiven Mitarbeit bei Ortsplanungsrevisionen und seinen Interventionen bei Gesuchen für aus eigener Sicht ungebührlichen oder überdimensionierten Bauten eckte der Verband oft an.

Rebhänge vor Bauten bewahrt

Bald sei man «als Fortschritt-Hemmer abgestempelt» worden, stellt man rückblickend fest. Doch mit der Zeit wuchs die Akzeptanz der Ansichten des LSVH immer mehr. Einen Durchbruch erlebte der Verband im Jahr 1986 als der Aargauer Grossrat das Hallwilersee-Schutzdekret (HSD) verabschiedete. Dieser Erlass reihte sich ein in verschiedene, bis ins Jahr 1908 zurückreichende Schutzbestimmungen, ging jedoch im Bereich Landschaftsschutz deutlich weiter.

An der Ausarbeitung des Schutzdekrets habe man jahrelang «in vielen Sitzungen und mit enormem Einsatz» mitgearbeitet, steht in der Jubiläumsbroschüre. Mit der Verklärung der zeitlichen Distanz haben sich jedoch auch Ungenauigkeiten eingeschlichen: Das HSD wurde zwar 13. Mai 1986 vom Grossen Rat, aber nie – wie der LSVH schreibt – vom Volk genehmigt.

Im gleichen Jahr des Durchbruchs wurde die Auszonung des Seenger Gebiets Ghei/Rügel erreicht. Dies verbucht der LSVH als «grösster Erfolg»: «Unvorstellbar, die Rebhänge wären heute mit Bauten verunstaltet», schreibt man in der Broschüre den Teufel an die Wand.

Aktive Arbeit für die Natur

Neben dem politischen Kampf um die Erhaltung der natürlichen Landschaft setzen sich die Mitglieder des Landschaftsschutzverbandes bis heute direkt für die Erhaltung natürlicher Lebensräume im Seetal ein. Dies geschieht auch auf eigenen Landparzellen. Aktuell gehören via den Hansjakob-Suter-Fonds über 14,5 Hektaren dem LSVH. An Pflegetagen (der nächste ist am übernächsten Samstag, 27. September) wird selbst Hand angelegt.

Mit diversen Aktionen, etwa dem 1996 mit dem Kapital aus dem gewonnen Aargauischen Heimatschutzpreis gegründeten «Sommervogelpreis», will man die Bevölkerung zu naturnahen Aufwertungen von Mikrogebieten wie Gärten und Hecken motivieren.

Zum 50-Jahr-Jubiläum wurde die Aktion «50 mal mehr Natur» lanciert. Mit je 200 Franken wurden spezielle private Naturschutzprojekte unterstützt. An der Jubiläumsfeier werden einige Beispiele gezeigt.

Neben dieser Unterstützung von Kleinprojekten ist nach einem halben Jahrhundert die politische Arbeit des Landschaftsschutzverbandes keineswegs zu Ende. Mittlerweile sei aus dem einstigen Verhinderer ein anerkanntes Vorbild geworden, halten die Verantwortlichen fest.

Dass an den Hallwilerseehängen noch keine Goldküstenzustände vorherrschen und der unmittelbare Zugang der Öffentlichkeit zum Ufer mehrheitlich gewährleistet ist, ist auch das Verdienst des jubilierenden Verbandes. Die Bilanz in der Jubiläumsbroschüre: «Der LSVH hat in den 50 Jahren seines Bestehens viel erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun.»