Eine Pioniertat mit Verzögerung vollbrachten die Seeanlieger-Gemeinden und -Kantone diesen Dienstag: Sie gründeten den Verein Hallwilersee für Mensch und Natur. Diese neue Trägerorganisation sichert die Finanzierung der Hallwilersee-Ranger für die nächsten vier Jahre.

Der Informations- und Aufsichtsdienst, der rund um den Hallwilersee die Einhaltung der Regeln überwachen soll, besteht seit 2011 und wird nun nach einer dreijährigen Pilotphase zur fixen Einrichtung.

Die Errichtung einer definitiven Trägerschaft erwies sich komplexer als ursprünglich gedacht. Ein bereits anberaumter Gründungstermin des Trägervereins im letzten Oktober musste in letzter Sekunde gestrichen und die benachrichtigten Gäste und Medien wieder ausgeladenen werden.

Nun hat es geklappt. Im Panorama-Saal des Hotels Delphin in Meisterschwanden, etwas erhöht über dem langsam in der Abenddämmerung verschwindenden malerischen See, hatten die Verantwortlichen den passenden Ort ausgewählt, um die in manchen Sitzungs- und Vernehmlassungsrunden ausgetüftelten Vereinsstatuten zu unterzeichnen und die Gründung gebührend zu feiern.

Weiter keine Bussen-Kompetenz

Hans Schärer, ehemaliger Gemeindeammann von Beinwil am See und Präsident der Ranger-Steuerungskommission, räumte ein, dass er den Aufwand unterschätzt habe. «Es gab zwischendurch ein Treten an Ort, dann intensive Überarbeitungen nach Wünschen von Gemeinden und Kantonen, aber heute wurde der formelle Akt vollzogen», blickte er auf die von teilweise heftigen Wehen begleitete Geburt der Trägerschaft zurück.

Bei den diskutierten Punkten ging es auch um die Kompetenz der Ranger: Sollen die aktuell sechs Ranger unter der bewährten Leitung von Bruno Fürst Bussen austeilen dürfen, etwa wenn sie Velofahrer auf dem Uferweg antreffen? Obwohl viele Gemeinden dies gern gesehen hätten, ist diese Ausweitung der Kompetenzen gesetzlich nicht möglich. Angedacht für die Zukunft sind hingegen gemeinsame Kontrollrunden mit Regionalpolizisten.

Geeinigt haben sich die neun Gemeinden, die an den Hallwilersee angrenzen und die beiden Kantone Aargau und Luzern auch über die Finanzierung. Den Grossteil des über 100 000 Franken betragenden Jahresbudgets bestreiten die Gemeinden gemäss einem Schlüssel, der Einwohnerzahl, Seeanteil und Anzahl sogenannter Hotspots berücksichtigt.

«Öffentlich zugängliche Perle»

Für den Meisterschwander Gemeindepräsidenten Ueli Haller, der dem Verein Hallwilersee für Mensch und Natur als erster Präsident vorsteht, ist der Hallwilersee «eine Perle, die öffentlich zugänglich ist». Die Besucher müssten sich jedoch an die Regeln halten und die Ranger seien dazu da, Fehlbare darauf aufmerksam zu machen.

«Wir müssen die Menschen dazu anhalten, mehr Sorge zur Natur um den See zu tragen.» Von diesem Satz liess sich Hans Schärer, der «Vater» der neuen Ranger-Trägerschaft, leiten. Mit dem neuen Verein habe man «etwas Nachhaltiges geschaffen»: «Wir müssen heute die Weichen für die nächsten 100 Jahre stellen.»