Meisterschwanden
Hallwilersee: Entenflöhe befallen die Badegäste

Bei der Kiesbank beim Hallwilersee unterhalb des Hotels «Delphin» in Meisterschwanden hat es zurzeit extrem viele Entenflöhe. Sie lieben Wassertemperaturen von über 23 Grad. Bei Menschen lösen die Parasiten massive Hautausschläge aus.

David Egger
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Egal, wie gut sich die Vögel putzen: Mit ihnen verbreiten sich die Entenflöhe. Die leidigen Saugwürmer befallen Menschen und können zu Infektionen führen.

Egal, wie gut sich die Vögel putzen: Mit ihnen verbreiten sich die Entenflöhe. Die leidigen Saugwürmer befallen Menschen und können zu Infektionen führen.

Mario Heller

«Das Mädchen war überall verstochen, von den Händen bis zu den Ellenbogen, von den Füssen bis zu den Knien: Überall hatte sie Blasen», erinnert sich der Hallwilersee-Ranger Jörg Hiltbrunner.

Es ist bei weitem nicht der einzige Entenfloh-Befall, den er jüngst mitbekam. Ob in Seengen, Birrwil oder Beinwil: Überall sind die bis zu 1 Millimeter grossen Saugwürmer-Larven der Gattung Trichobilharzia.

Am schlimmsten ist es beim «Zopf», der Kiesbank, die unterhalb des Meisterschwander Hotels Delphin in den See ragt. «Viele Leute jammern, es habe dort viele Entenflöhe. Das heisse Wetter ist ideal für die Tierchen», sagt Hiltbrunner.

Die Seetemperatur beträgt zurzeit 25 Grad Celsius. Das ist perfekt für die Entenflöhe: Als Larven stechen sie in See, wenn die Temperatur 23 Grad Celsius oder mehr beträgt.

Die Parasiten verlassen dann ihren Wirt, die Wasserschnecke, und suchen sich eine Ente oder einen Schwan, um sich in dessen Darm einzunisten. Dort legen sie Eier, die sich als blinde Passagiere des Vogelkots in der Natur verteilen.

«Das sieht aus wie die Pest»

Blöd ist nur, dass die Larven nicht zwischen Mensch und Tier unterscheiden können. Deshalb versuchen sie auch, die menschliche Haut zu durchdringen. Dabei sterben die Schmarotzer zwar, lösen aber einen Juckreiz aus.

«Die betroffenen Hautstellen sehen zuerst aus wie Mückenstiche, dann entstehen Blasen. Wenn man die aufkratzt, sieht es aus wie die Pest. Die Krusten und Narben sind gar nicht hübsch», so Hiltbrunner.

Dass gerade der «Zopf» besonders betroffen ist, ist kein Zufall: Die Entenflöhe mögen Stellen im Wasser, die nicht tief sind und wo es möglichst viele Wasservögel hat.

Der «Zopf» erfüllt beide Kriterien. Die Schwäne und Enten erhalten dort zu viel Brot und andere Lebensmittel von zu vielen Menschen.

Wohlgenährt vermehren sie sich rasant. «Bei den Schwänen kann man von einer Überpopulation sprechen», so Hiltbrunner. Die Schwäne verdrängen andere Vögel, die zurückhaltender sind, zum Beispiel Zwergtaucher.

Und Lebensmittel wie Brot sind nicht gesund für Schwäne. Normalerweise ernähren sich die Schwäne von Algen oder grasen auf einer ufernahen Wiese, fressen zum Beispiel Löwenzahn.

Zwar weisen Verbotsschilder rund um den See darauf hin, dass man die Wasservögel nicht füttern soll. Aber es nützt wenig.

Die Ranger kämpfen gegen das Problem an, bleiben dabei aber stets freundlich. «Der See ist nicht die richtige Altbrotentsorgungsstelle. Wir zeigen den Leuten auf, welche Folgen dieses Verhalten für die Natur hat.»

Aber es gibt auch regelmässige, oft randständige Entenfütterer, die sich renitent zeigen. «Die Wasservögel sind das Einzige, was sie noch haben, wo sie das Gefühl erhalten, dass sie gebraucht werden. Es ist schwierig, ihnen das wegzunehmen. Und für Bussen haben wir keine Kompetenzen», sagt Hiltbrunner.

Und so vermehren sich die Wasservögel weiter; und die Entenflöhe. Wer den Entenflöhen aus dem Weg gehen will, sollte sich nicht zu lange an seichten Wasserstellen aufhalten. Zudem wird empfohlen, sich nach dem Bad möglichst gleich zu duschen und abzutrocknen. Wen es trotzdem erwischt, der kann die betroffenen Hautstellen kühlen. Das lindert den Schmerz.

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