Seengen / Hallwil
Hallwiler Bezler sind in Seengen nur vorläufig aufgenommen

Mit dem Schulanfang sind auch sechs Schüler aus Hallwil in die 1. Bezirksschule in Seengen eingetreten. Ob sie bleiben können, ist aber unklar, denn die Schüler sollen nach Seon geschickt werden. Wann und ob überhaupt, entscheidet der Regierungsrat.

Pascal Meier
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Schulanlage Seengen:

Schulanlage Seengen:

Aargauer Zeitung

Am Donnerstag sind in Hallwil Tränen geflossen. «Wir freuen uns, ihre Tochter am 13. August in Seengen zu begrüssen», schrieb die Seenger Schulleitung in einem Brief. «Wir bedauern es sehr, dass die Situation zu Verunsicherungen geführt hat.»

Die Tränen, die der 12-jährigen Schülerin über die Wange rollten, waren Freudentränen. Nach Wochen der Ungewissheit war nun klar: Mit fünf weiteren Hallwiler Schulkolleginnen und Kollegen wird sie in wenigen Tagen doch die 1. Bezirksschule in Seengen besuchen - und nicht die Schulbank in Seon drücken.

Grund für die Verunsicherung: Im Frühling hatte Seengen in Absprache mit den Schulstandorten Seon und Fahrwangen entschieden, die Hallwiler Bezler nach Seon zu schicken, um dort die gesetzliche Mindestschülerzahl von 16 in den beiden Abteilungen zu erfüllen. Das Bildungsdepartement berechnet nämlich die Schülerzahlen für Fahrwangen, Seengen und Seon zusammen. «Wir haben absolut nichts gegen die Schüler aus Hallwil», sagt der Seenger Schulleiter Urs Bögli. «Wir müssen uns aber an die gesetzlichen Vorgaben halten.»
Die betroffenen Eltern wehrten sich dagegen, weil die Hallwiler Oberstufenschüler damit verschiedene Schulstandorte besuchen würden, blitzten aber mit ihrer Beschwerde vor dem Bezirksschulrat ab. Dieser kam zum Schluss, dass die Umteilung «aufgrund der nicht erreichten Mindestschülerzahl von 16 Schülern in den beiden Abteilungen in Seon notwendig ist», wie es in der Begründung heisst, die der az vorliegt.

Die sechs Eltern gelangten deshalb am Freitag mit einer Beschwerde an den Regierungsrat. Weil diese hängig ist, konnten die Hallwiler Schüler gestern doch in die Seenger Bezirksschule eintreten - jedoch nur vorläufig. Die Schulpflege Seengen hielt in ihrem Schreiben an die Eltern fest, dass dies bis zum Entscheid des Regierungsrats gelte. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass die Schüler in ein paar Wochen oder Monaten doch nach Seon wechseln müssen.

Ball liegt beim Regierungsrat

Diese Ungewissheit ist für alle Beteiligten schwierig, vor allem für die Schüler. «Wenn die Bezler nach der Kennenlern-Woche nach Seon geschickt werden, will ich das meinem Kind nicht erklären müssen», sagt eine Mutter aus Hallwil. «Es geht hier um Kinder und nicht um Zahlen.»
Dieser Meinung ist auch Urs Bögli: «Auch mich beschäftigt, wie sich die Schüler in dieser Unsicherheit fühlen.» Die Schulleitung steckt laut Bögli selbst im Dilemma, der Ball liege beim Regierungsrat. Wann dieser entscheidet, steht noch nicht fest, wie Sascha Giger, Sprecherin des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS), auf Anfrage erklärte.
Hoffnung schöpfen die Eltern daraus, dass die erste Beschwerde vom Bezirksschulrat nicht einstimmig abgelehnt worden war. «Eine Minderheit [...] hätte den sechs betroffenen Schülern aus Hallwil den Besuch der 1. Klasse an der Bezirksschule Seengen ab Schuljahr 2012/2013 bewilligt», heisst es erstaunlich offen in der Begründung. Zudem haben Seengen und Seon signalisiert, mit der aktuellen Situation leben zu können.