Alkohol am Steuer
Halbgefangenschaft für besoffenen Unfall-Lenker

Der 31-Jährige hatte sein «Billett» schon mehrmals abgeben müssen. Weil er dann mit 1,7 Promille noch einen Unfall verursacht hatte, stand er nun vor Bezirksgericht.

Michael Spillmann
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Der 31-jährige Schweizer A. musste sich zum ersten Mal verteidigen, da hatte die Verhandlung vor Bezirksgericht Lenzburg noch gar nicht angefangen. Denn: Der Schweizer tauchte eine satte Stunde zu spät im Gerichtssaal auf.

Schlecht geschlafen

Zur Frage der Gerichtspräsidentin nach den Gründen für die Verspätung meinte er, er habe wegen des anstehenden Prozesses «schlecht geschlafen» und den Termin mit einem anderen verwechselt. Immerhin: Er bejahte das Nachhaken der Präsidentin, die wissen wollte, ob ihm bewusst sei, wie wichtig der Termin vor Gericht für ihn sei.

Vor den Richtern fand sich A. wieder, da er 2009 in einer Aprilnacht einen schweren Autounfall verursacht hatte, bei dem ein unschuldiger Autofahrer verletzt worden war. Dem nicht genug: A. sass alkoholisiert und unter Drogeneinfluss hinter dem Steuer eines Autos, das er gar nicht hätte fahren dürfen. Sein «Billett» hatte er nämlich einen Monat zuvor abgeben müssen.

Mehrere Fahrausweisentzüge

Was allerdings nicht das erste Mal war, wie die Gerichtspräsidentin aus den Akten entnehmen musste. Der junge Mann steht seit fast zehn Jahren mit dem Gesetz in Konflikt: Immer wieder setzte er sich alkoholisiert hinters Steuer, immer wieder musste er seinen Führerausweis abgeben. Er habe eben einfach den «falschen Kollegenkreis» gehabt, erklärte A. den Bezirksrichtern. Und auch seine damalige Freundin habe einen schlechten Einfluss auf ihn gehabt.

Der vor Gericht verhandelte Zwischenfall hatte aber die weitaus schlimmeren Folgen. «Ich habe daheim zwei kleine Biere getrunken», erinnerte sich der Mann auf der Anklagebank. Und er zog offenbar auch an einem Joint. Dann setzte er sich – unerlaubterweise – ins Auto seines Bruders und machte sich auf ins Bordell. Wo er ordentlich weitertrank.

Auf dem Heimweg kam es bei einem Kreisel in Villmergen zur folgenschweren Kollision: A. fuhr einem unschuldigen Autofahrer ins Heck. Der Verursacher fuhr danach zwischen zwei Findlingen durch, hob mit dem Auto ab und landete auf der anderen Seite, wo der Wagen in Flammen aufging. Der gerammte Autofahrer prallte gegen einen anderen Findling. Er war nach dem Unfall ein halbes Jahr arbeitsunfähig.

12 Monate Freiheitsstrafe

Die Richter verurteilten A., der sein Leben nun im Griff habe, wie er sagte, zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, davon muss er ein halbes Jahr in Halbgefangenschaft absitzen. Die Probezeit beträgt 4 Jahre.

Übrigens: Seit einem Monat hat der 31-jährige A. seinen Führerausweis wieder zurück.