Hallwilersee
Gute Zahlen: Schifffahrtsgesellschaft trotzte 2014 dem schlechten Sommer

An seiner letzten Aktionärsgeneralversammlung konnte Verwaltungsratspräsident Erich Nussli erfreuliche Zahlen präsentieren.

Fritz Thut
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Verwaltungsratspräsident Erich Nussli liess an der GV der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee die Leinen los.

Verwaltungsratspräsident Erich Nussli liess an der GV der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee die Leinen los.

Chris Iseli/AZ

Auf dem Wasser lässt sich selbst in einem Sommer, der diesen Namen kaum je verdiente, besser geschäften als am Wasser. Im Gegensatz zu vielen Badeanstalten präsentiert sich das finanzielle Ergebnis der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH) für 2014 viel besser, als befürchtet werden musste (vgl. Box).

«Für den Erfolg sind wir unter anderem auf viele Schönwettertage angewiesen», hielt Verwaltungsratspräsident Erich Nussli (Birrwil) an seiner letzten Aktionärsgeneralversammlung auf den Schiffen «Brestenberg», «Seetal» und «Seerose» mitten auf dem See fest.

Obwohl solche Tage im letzten Jahr «in wichtigen Zeiten», sprich während den Sommerferien, gefehlt hatten, könne man dank vielfältigen Angeboten im Catering und der Flexibilität der Mitarbeiter «ein doch erfreuliches Ergebnis präsentieren».

Verkehrsertrag stieg auf 1,465 Millionen Franken

Die Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee hat 2014 «trotz schlechtem Sommerwetter» den Verkehrsertrag um 3,5 Prozent auf 1,465 Millionen Franken erhöht, konnte der scheidende Verwaltungspräsident Erich Nussli an seiner letzten GV verkünden. Obwohl eine erste Tranche der Umbaukosten der MS Brestenberg von 100 000 Franken der Erfolgsrechnung belastet wurden, lag der Betriebsgewinn bei 252 000 Franken und der Reingewinn bei 44 000 Franken. Nussli: «Die Bilanz ist nach wie vor gesund.»
Gar noch euphorischere Worte brauchte Ueli Haller: «Als Geschäftsführer bin ich mehr als zufrieden über eine hervorragende Saison 2014, konnten wir doch die Passagierzahlen gegenüber letztem Jahr wieder ein bisschen steigern auf 136 000 Personen.» (tf)

«Nie laut geworden»

Für einmal standen aber nicht Zahlen im Zentrum der GV, sondern ein personeller Schnitt. Nach drei Amtsperioden à drei Jahre stellte sich Präsident Nussli für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung.

In seiner Verabschiedung betonte sein Stellvertreter und Nachfolger Jürg Roth (Meisterschwanden) eine typische Wesensart Nusslis: «Du bist nie laut geworden, aber wenn dir etwas am Herzen lag, dann hast du es gradlinig vertreten.»

Zusammen mit Nussli trat auch Markus Müller (Aesch) aus dem Verwaltungsrat zurück. Er war während 12 Jahren der Spezialist für Baufragen. Die beiden Lücken wurden geschlossen durch Peter Haerry (Birrwil) und Urs Haller (Mosen). Neben Roth wurden auch Lotti Lüthi (Beinwil am See) und Thomas Lindenmann (Seengen) von den anwesenden 400 Aktionären, die 935 der total 3140 Aktien vertraten, im Gremium bestätigt.

Nach der Ehrung der langjährigen Mitarbeiter Peter Brunner (40 Dienstjahre), Helmut Jost und Ralph Bury (je 25 Dienstjahre) liessen sich die GV-Besucher unter düsteren Wolken über den See schippern. Turnusgemäss wurde die Naturaldividende in Form eines feinen Nachtessens am Westufer «ausbezahlt».

Erstmals wurde die Gesellschaft diesmal aufgeteilt: Neben dem traditionellen «Hallwil» in Beinwil am See kam erstmals die «Schifflände» in Birrwil zum Zug. Dank dieser Disposition konnten alle Aktionäre ihr «Fisch oder Fleisch» im Trocknen geniessen.

«Ich will nicht abtreten müssen wie Sepp Blatter»

Welche Ereignisse während Ihrer Präsidialzeit bleiben Ihnen am meisten in Erinnerung?
Erich Nussli: Das ist ganz sicher der Kauf und die Inbetriebnahme der neuen MS «Seetal» im Jahr 2010. Erwähnenswert zudem der Wechsel des Geschäftsführers von Hans Häfeli zu Ueli Haller.

Gab es auch Probleme oder Tiefschläge?
Da gibt es eigentlich nichts zu erzählen. Etwas, das ich nicht so gerne machte, war das Betteln für den Kauf der MS «Seetal».

Welche Herausforderungen warten auf Ihre Nachfolger?
Der Ersatz der MS «Fortuna» ist sicher eine grosse Aufgabe. Zudem werden die administrativen und technischen Auflagen der Behörden immer grösser; damit hatte ich schon grosse Mühe.

Man spürt bei Ihnen immer noch viel Herzblut für die Hallwilerseeflotte und ihre Mitarbeiter. Mit welchem Gefühl verlassen Sie die Kommandobrücke?
Ich gehe nicht mit Freude, eher mit Wehmut. Ich habe in dieser Funktion viel bewirken, aber auch viel lernen können, vor allem über Technik und Gastronomie. Doch jetzt bin ich 70 und irgendwann muss man aufhören. Ich will nicht abtreten müssen wie Fifa-Präsident Sepp Blatter.