Mit Vehemenz und einer gross angelegten Unterschriftensammlung hatten sich Anwohner im vergangenen Jahr gegen die Errichtung eines Erotiksalons an der Industriestrasse 32 zur Wehr gesetzt. Durch die «Rund-um-die-Uhr-Liebesdienste», so sorgte man sich im Westen Lenzburgs, könnte das gesamte Quartier in Verruf geraten.

Sukkurs im Kampf gegen das Bordell gab es dabei von politischer Seite. Doch fand das Postulat von CVP/EVP im Einwohnerrat im vergangenen März kein Gehör. Nun hat auch der Stadtrat an seiner letzten Sitzung grünes Licht für das Projekt gegeben: Die Wohnung an der Industriestrasse 32 kann in ein Erotikstudio umgenutzt werden.

Allzu überrascht über diesen Entscheid ist man bei den Petitionären nicht. Enttäuscht hingegen schon, sagt Einwohnerrat Marcel Spörri, Sprecher der Gegnerschaft. «Die Befürchtungen der Anwohner, dass sich nun an der Industriestrasse eine Halbwelt-Szene mit Strassenprostitution, Drogenhandel und so weiter einnisten kann, wurde scheinbar weniger stark gewichtet als die rein monetären Interessen des Gesuchstellers.» Doch habe sich bereits an der Einwohnerratssitzung im März abgezeichnet, dass der Salon nicht zu verhindern sein werde.

Noch früher, nämlich in der Dezember-Sitzung, hatte Stadtrat Martin Steinmann bereits erklärt, dass das Baugesuch für das Erotikstudio der aktuell gültigen Zonenkonformität entspreche. «Die Industriestrasse befindet sich in einer gemischten Wohn- und Arbeitszone.»

Keine Ausnahme für das Projekt

Jedoch wüsste man nun bei den Petitionären zu gerne, wie mit dem Baugesuch verfahren wurde. Konkret: «Uns würde brennend interessieren, ob das Baugesuch vom Stadtrat einfach durchgewinkt wurde oder ob die Bewilligung allenfalls mit Auflagen verbunden ist», sagt Marcel Spörri. Immerhin ist laut Baugesuch in der Liegenschaft ein 24-Stunden-Betrieb mit vier bis fünf Prostituierten geplant. Für jede wird mit zwei bis drei Kunden pro Tag gerechnet.

Zu den Auflagen will man sich bei der Stadt Lenzburg jedoch nicht näher äussern. «Natürlich hat es Auflagen gegeben, wie bei jedem andern Baugesuch auch», sagt Stadtschreiber Christoph Hofstetter auf Anfrage. Doch habe sich der Stadtrat entschieden, mit diesem Geschäft genau gleich zu verfahren, wie mit andern Baubewilligungsverfahren, wo die gemachten Auflagen ebenfalls nicht veröffentlich würden. Hofstetter betont jedoch, der Stadtrat habe die Bedenken der Anwohner ernst genommen und diese bei der Erteilung der Bewilligung nach Möglichkeit berücksichtigt.

Was die Bewilligungspraxis von Lenzburg anbelangt, so gibt sich der Stadtschreiber etwas sibyllinisch: «Je spezieller das Baugesuch, umso spezieller sind auch dessen Auflagen.» Deshalb ist anzunehmen, dass der Bauherrschaft tatsächlich besondere Anforderungen an das Projekt und den Betrieb auferlegt wurden.

Hoffen auf Beschwerden

Noch ist das Projekt nicht rechtskräftig: «Sowohl die Bauherrschaft, sollte sie mit den Auflagen für die Umsetzung des Projekts nicht einverstanden sein, als auch die Einwender haben nun 30 Tage Zeit, Beschwerde gegen den Entscheid einzureichen», erklärt Hofstetter.

Und genau darauf setzen nun die Petitionäre. Noch haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Einwender die Sache an die nächste Instanz weiterziehen.

Ob dem so ist, weiss Marcel Spörri im jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht. Doch würde, auch wenn das Erotikstudio letztlich nicht verhindert werden könnte, ein Weiterziehen an das kantonale Baudepartement zu einer für die Gegner des Rotlicht-Betriebs willkommenen Verzögerung des Projekts führen.