Aabach
Grösste Untersuchung soll zeigen, was das Einsetzen von Jungforellen bringt

Fangzahlen von Forellen haben im Aargau rapide abgenommen. Experten kämpfen gegen den Forellenschwund. Die bisher grösste Untersuchung im Kanton soll nun zeigen, was jahrelanges Einsetzen von Jungforellen im Aabach gefruchtet hat.

Ruth Steiner
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Forschungsleiter David Bittner, Bereich Fischerei beim Kanton, fotografiert einen Fisch und hält dessen äusserlichen Merkmale fest. Ruth Steiner

Forschungsleiter David Bittner, Bereich Fischerei beim Kanton, fotografiert einen Fisch und hält dessen äusserlichen Merkmale fest. Ruth Steiner

Ruth Steiner

Die Fischer am Aabach sind am Verzweifeln. Ihre Angel ausgelegt, harren sie stundenlang am Uferrand aus und hoffen, dass am Schluss doch noch eine dicke Forelle am Haken hängt. Mitnichten. Die Fische wollen einfach nicht mehr anbeissen.

«Die Fangzahlen haben rapide abgenommen», bestätigt Heini Haller aus Niederlenz. Seit Jahrzehnten schon ist der begeisterte Hobbyfischer Pächter des Aabach-Reviers zwischen dem Schwimmbad Walkematt und der Reviergrenze oberhalb der Gemeinde Seon. Zur Pacht gehören auch der Lenzburger Stadtbach und der Fünf- und Drittweiher.

Diesem unerfreulichen Forellenschwund habe man nicht einfach untätig zugeschaut, sagt Revierpächter Haller. Über viele Jahre hinweg hat er mit seinem Fischerteam im rund zwölf Kilometer langen Aabach-Revier jährlich rund 5000 Bachforellen-Sömmerlinge ausgesetzt, um der Entwicklung entgegenzuwirken. Doch die Resultate sind wenig ermutigend. «Die Fangzahlen der Bachforellen haben sich in den letzten 25 Jahren um rund 90 Prozent reduziert», stellt Haller fest.

Weshalb die jahrzehntelangen intensiven Bemühungen um eine Verbesserung der Fischpopulation keine Wirkung zeigen, darüber soll nun eine breit angelegte genetische Untersuchung der Forellen im Aabach-Revier durch den Kanton Klarheit schaffen.

«Es ist die bisher grösste Untersuchung im ganzen Aargau», erklärt David Bittner, Bereichsleiter Fischerei beim Kanton, und zuständig für die Erhebungen.

Die genaue Zielsetzung der Analyse erklärt Bittner so: «Wir wollen herausfinden, um was für Forellen es sich im Aabach und auch in anderen Gewässern genau handelt.

Grosse Unterschiede: Oben die Zuchtforelle, unten natürliche Fortpflanzung.

Grosse Unterschiede: Oben die Zuchtforelle, unten natürliche Fortpflanzung.

Zur Verfügung gestellt

Stammen die Tiere, welche die Angler fangen, aus den getätigten Fischeinsätzen aus der Zucht oder möglicherweise aus einer, wenn auch stark eingeschränkten, natürlichen Fortpflanzung einer lokalen Forellenpopulation?»

Die Untersuchungsergebnisse sollen Aufschluss über das zahlenmässige Verhältnis der angestammten natürlichen Forellenbevölkerung gegenüber den eingesetzten Jungfischen geben und ob sich die beiden allenfalls auch vermischen würden.

Um dies zu klären, wurden nun im Aabach-Revier Fische entnommen. Sie wurden vermessen, gewogen, beprobt und fotografiert. Anhand von Schuppenproben kann das Alter und somit auch das Wachstum der Tiere bestimmt werden. Eine kleine Gewebeprobe erlaubt hochaufgelöste Analysen des Erbguts und damit der individuellen Verwandtschaften der untersuchten Forellen.

Der Schweizer liebt Forelle auf dem Teller. Der Grund für deren Abnahme in den Gewässern ist jedoch nicht in einem übermässigen Fangverhalten der Angler zu suchen.

«Aus dem Aabach dürften wir wohl etwa drei Forellen pro Woche ziehen», sagt Heini Haller. Schuld an der Verminderung der Fangzahlen ist unter anderem eine veränderte Fischfauna. Forellen lieben ein gut strukturiertes nahrungsreiches Gewässer. Dieses ist unter anderem, bedingt durch verschiedene Massnahmen für den Schutz der Gewässer, nicht mehr überall im gleichen Masse gegeben.

Totaler Misserfolg bei den Äschen

Eine kürzlich gemachte Untersuchung zur Entwicklung der Äschenpopulation zeigte ein düsteres Bild auf. Sämtliche beprobten Äschen stammten aus lokalen Äschenpopulationen und nicht aus dem Besatz. Das bedeutet, dass jahrzehntelang vergebens durchschnittlich rund 100 000 Jungäschen ausgesetzt wurden. «Der Misserfolg ist dramatisch», zieht David Bittner, beim Kanton zuständig für den Bereich Fischerei, eine ernüchternde Bilanz. Die Bemühungen zur Förderung dieser gefährdeten Fischart sollen sich nun auf Verbesserungen des Lebensraums fokussieren, etwa die Schaffung von Laichplätzen und Jungfischhabitaten.
Bei den aktuellen Untersuchungen der Forellen dürften laut Bittner möglicherweise ähnliche Ergebnisse erwartet werden. (str)

Einen erheblichen Einfluss auf die zahlenmässige Fischpopulation hat laut David Bittner zudem die globale Erwärmung. Sind die Wassertemperaturen in den heutigen Lebensräumen also zu warm für die Forelle? Gut möglich. Forschungsleiter Bittner weiss, dass die Forellenzahl in den wärmeren Mittellandgewässern und insbesondere bei Seeausflussgewässern wie dem Aabach aus dem Hallwilersee oder der Sure aus dem Sempachersee laufend abnimmt. Auf der andern Seite nehmen die Bestände etwa von Barben oder Alet in diesen Gewässern stark zu.

Was die laufende Analyse betrifft, ist für den Bereichsleiter Fischerei jetzt schon klar: «Sollte die Untersuchung ergeben, dass die bestehenden Forellen im Aabach nichts mit den eingesetzten Besatzfischen zu tun haben, dann haben all die langjährigen Bemühungen nichts gefruchtet.» Dies wäre nicht das erste Mal. Bereits eine Untersuchung der Äschen im Kanton Aargau hat kürzlich zu genau diesem Ergebnis geführt.

In diesem Fall müsste Heini Haller also davon ausgehen, dass es Zehntausende seiner eingesetzten Jungforellen ganz einfach den Bach hinuntergespült hat und sie sich wohl in anderen Gewässern einen neuen Standplatz gesucht haben.

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen sollen bis Ende Jahr vorliegen.

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