Schule

Greift Wohlen nach dem KV auch bei der Kanti nach Lenzburg?

Ende Schuljahr 2019/20 wird die KV-Schule Lenzburg Reinach geschlossen.

Ende Schuljahr 2019/20 wird die KV-Schule Lenzburg Reinach geschlossen.

Zwei Grossräte aus Aarau und Wohlen möchten die Mittelschulstandorte in ihren Gemeinden stärken. Nun gibt es Kritik aus Brugg und Lenzburg an ihren Vorstössen im Grossen Rat.

Lenzburg und Brugg-Windisch buhlen um die geplante Kantonsschule in der Aargauer Mitte. Bis im Sommer, so hat es noch bis vor kurzem geheissen, wolle der Regierungsrat einen Vorentscheid treffen. Dieser Termin kann jedoch nicht gehalten werden, wie Simone Strub, Sprecherin beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), auf Anfrage erklärt. «Der Anhörungsstart zum Standortentscheid ist für die zweite Jahreshälfte geplant, vermutlich gegen Ende Jahr.»

Begründet wird die Verzögerung mit den Vorbereitungsarbeiten (Machbarkeitsstudien und Gespräche mit den möglichen Standortgemeinden sowie Grundstückeigentümern), die mehr Zeit in Anspruch nehmen würden, als ursprünglich angenommen.

Nun ist dieses Szenario kürzlich von zwei Grossräten gestört worden. Mit Vorstössen stellen Suzanne Marclay (FDP, Aarau) und Roland Vogt (SVP, Wohlen) das bisherige Konzept in Frage und möchten stattdessen die bestehenden Mittelschulstandorte Aarau und Wohlen weiter ausbauen.

«Der politische Vorstoss greift zu kurz»

Das ist weder in Brugg noch in Lenzburg gut angekommen. Nach der ablehnenden Reaktion des Regionalplanungsverbands Brugg Regio meldet sich auch der Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) zu Wort. Dessen Präsident, Daniel Mosimann, ist gleichzeitig Stadtammann von Lenzburg. Lenzburg bewirbt sich mit dem Areal des alten Zeughauses um die Kanti.

Auch Mosimann zeigt sich wenig erbaut über die Gelüste aus Aarau und Wohlen. «Der politische Vorstoss greift zu kurz und vernachlässigt eine umfassendere Sichtweise», beanstandet Mosimann und betont, der Planungsbericht «Aargauer Mittelschulen Entwicklungsstrategie 2045» sei ein langfristiges Planungsinstrument, das vom Grossen Rat im letzten Herbst «mit grosser Mehrheit» verabschiedet worden sei. Darin sei festgehalten, dass der Kanton Aargau grosse, aber nicht übergrosse Kantonsschulen betreiben wolle. Eine gewisse Überschaubarkeit solle an allen Schulen beibehalten werden. Diese Haltung, so Mosimann, erscheine ihm absolut richtig und vernünftig.

Gleichmass an Standorten im Kanton der Regionen

In wenigen Wochen muss das KVB in Lenzburg geschlossen werden. Die Schüler werden zum Teil Wohlen zugeteilt. Ist der Lenzburger Stadtammann verärgert darüber, dass Wohlen möglicherweise ein zweites Mal auf Kosten von Lenzburg profitieren möchte? Dazu erklärt Mosimann: «Der lokale Hintergrund ärgert mich weniger als der Zeitpunkt des Vorstosses.» Und: «Eine gewisse Ausgewogenheit an Schulstandorten scheint mir im vielgepriesenen Kanton der Regionen richtig und wichtig.»

Der Stadtammann betont, Lenzburg liege in der direkten Linie zwischen Aarau und Baden/Wettingen und entspreche genau dem Anforderungsprofil des Regierungsrats für den gesuchten Standort im Mittelland. «Die neue Mittelschule in der Region Lenzburg–Brugg soll ja auch eine Entlastungsfunktion für die grossen Mittelschulzentren Aarau und Baden/Wettingen bringen und das idealerweise auf der Achse Aarau, Lenzburg, Brugg und Baden. Lenzburg, das in der Kantonsmitte liegt, hat hier eine wichtige Brückenfunktion zwischen West- und Ostaargau.» Eine Mittelschule in Lenzburg könne zudem die grossen Pendlerströme, beispielsweise nach Aarau, entlasten, was zu einer gewissen Entspannung im öffentlichen Verkehr führe. Zudem, so Mosimann weiter, sei Lenzburg dank seiner zentralen Lage aus weiten Teilen des Kantons Aargau gut erreichbar.

Das alte Zeughaus, mit dem Lenzburg im Rennen um den Kanti-Standort ist, liegt in der Nähe des Oberstufencampus Lenzhard. Geplante Neubauten wie Bahnhof und Turnzentrum Aargau kommen ebenfalls nicht weit entfernt zu stehen. Wird bei der Wahl Lenzburgs als Standort der neuen Kanti allenfalls eine gemeinsame Nutzung der Infrastrukturen in Betracht gezogen? Dazu sagt der Stadtammann: «Synergien, vor allem mit dem Oberstufenzentrum Lenzhard, werden geprüft; insbesondere, was Aussenanlagen wie Rasenspielflächen anbelangt.» Bei einer eventuellen Verkürzung der Schulzeit bis zur Maturität könnten durch die Nähe der beiden Schulen sicher noch weitere Synergien genutzt werden.

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