Seon
Gräber aus der Bronzezeit wurden freigelegt

Der urgeschichtliche Friedhof ist wieder vom Unterholz befreit – eine Zeitreise in die Vergangenheit. Nun sind auch die jahrtausendealten Grabstätten im Niederholz wieder frei zugänglich.

Barbara Vogt
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In Seon wurden Gräber aus der Bronzezeit freigelegt
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Bronzering: als Armring getragen.
Bronzefibel: Gewandspange.
Gagatkugel: Perle aus Steinkohle.

In Seon wurden Gräber aus der Bronzezeit freigelegt

In einem Waldstück im Niederholz gibt es eine jahrtausendealte Grabstätte. Seit der Förster kürzlich die Grabhügel vom Unterholz befreit hat, sind sie wieder frei zugänglich.

Die Kantonsarchäologie Aargau liess die Grabstätte freilegen. Die Historische Vereinigung Seetal beteiligte sich an den Kosten von 10000 Franken. «Es ist uns wichtig, dass die Bevölkerung solche Stätten besuchen kann. Sie bringen einem die archäologische Geschichte näher», sagt Kantonsarchäologin Elisabeth Bleuer. Ausserdem steht die Anlage unter kantonalem Denkmalschutz und muss unterhalten werden.

Baumkronen bieten Schutz

Beim ehemaligen Friedhof herrscht eine besondere, beinahe würdevolle Stimmung. Wie zum Schutz fügen sich die Baumkronen zu einem Dach über die Gräber, und auf dem neuen, schmalen Kieswerk philosophiert der Besucher über die prähistorischen Zeugen.

Eine Tafel gibt Auskunft darüber: Die Anlage wurde in der Bronzezeit nach 1500 vor Christus angelegt. Im Laufe der Zeit geriet sie jedoch in Vergessenheit, bis gegen Ende der Hallstattzeit um 500 vor Christus wieder Tote bestattet wurden.

1932 fanden die Ausgrabung und Rekonstruktion der Gräber unter der Leitung eines deutschen Professors statt. Heute sieht man, was die Fachleute damals vorfanden: Vier Grabhügel. Zwei Grabanlagen erkennt man andeutungsweise. Ein weiterer Grabhügel jedoch ist mit einem Steinkranz mit senkrecht gestellten Steinplatten angelegt. In den steinernen Überresten ist ein Totenhäuschen auszumachen. Das vierte Grab ist viereckig, zwei hochgestellte Steine deuten den «Eingang» an.

Grabhügel waren wichtig

Die Gräber gehörten vermutlich zu kleinen, weilerartigen Siedlungen im Umland. Da das Gebiet noch unbewaldet war, sah man die Grabhügel von weitem. Das sei damals wichtig gewesen, erklärt Elisabeth Bleuer. «Gräber hatten repräsentativen Charakter. Sie zeigten, welcher Schicht die Toten angehörten.» Die Totenhäuschen boten rituelle Zugänge zu den Toten, und in gewissen Abständen gab es Totenfeiern.

Wohl kamen bei den Ausgrabungen keine grossen Überreste von Skeletten zum Vorschein, doch machte man spannende Funde: Fuss- und Armringe, eine Fibel aus Bronze, ein Stück Steinkohle. «Die Hinterbliebenen gaben den Toten Gegenstände mit auf den Weg», erklärt Elisabeth Bleuer. «Sie konnten sie über den Tod hinaus gebrauchen.» Doch sonst liegt die Geschichte der Toten im Dunkeln. Im Niederholz lässt sich ein klein wenig von diesem Rätsel erahnen.