Schafisheim
Gmeind abgesagt – wird jetzt der Schulhaus-Neubau gekippt?

Ein überparteiliches Komitee zeichnet ein düsteres Bild zur Entwicklung der Gemeindefinanzen. Es verlangt, dass bei Investitionen wie den neuen Schulräumlichkeiten abgespeckt wird

Ruth Steiner
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Das Oberstufenschulhaus in Schafisheim. Die Gemeinde braucht mehr Schulraum.

Das Oberstufenschulhaus in Schafisheim. Die Gemeinde braucht mehr Schulraum.

AZ

Ende vergangener Woche hat der Gemeinderat die für den 2. März anberaumte ausserordentliche Gemeindeversammlung abgesagt. Ursprünglich war geplant, an diesem Datum den Projektierungskredit für die Erweiterung der Schulanlage und zwei Baukredite für die Sanierung der Seetalstrasse und der Lenzburgerstrasse zu sprechen.

Der Gemeinderat begründet seinen Entschluss mit der grossen Diskussion, welche die beiden «schwergewichtigen Traktanden» an der Gmeind im November ausgelöst hatten. Man sei deshalb übereingekommen, detaillierte Abklärungen vorzunehmen, bevor man vors Volk trete.

Die Mitteilung der Behörde lässt aufhorchen: Beide Geschäfte sollten tatsächlich bereits an der Wintergmeind im November traktandiert werden, waren jedoch kurzfristig von der Liste gestrichen worden, weil man die die Genehmigung des Budgets 2015 gefährdet sah.

Die neuerliche Verzögerung der Geschäfte hat einen andern Grund. Hinter dem Schritt des Gemeinderates und dem Ausfall der ausserordentlichen Gemeindeversammlung steht ein «überparteiliches Komitee für gesunde Schafisheimer Finanzen». Die Interessensgemeinschaft, der offenbar ehemalige Finanzkommissionsmitglieder angehören, sorgt sich um die finanzielle Zukunft von Schafisheim. In einem Schreiben hat sie sich deshalb im Dezember vergangenen Jahres mit einem umfassenden Katalog mit Anträgen zur Investitions- und Finanzplanung an den Gemeinderat gewandt.

Höchstverschuldete Gemeinde

Tatsächlich steht die Gemeinde vor happigen finanziellen Brocken, die nicht einfach zu verdauen sind: So kommt der geplante Schulhausneubau nach ersten Schätzungen auf rund 11,5 Millionen zu stehen. Der Gemeindeanteil für die anstehenden Sanierungen der Seetalstrasse und Lenzburgerstrasse bewegt sich derzeit laut Gemeinderat André Kreis in einem «mittleren einstelligen Millionenbetrag».

Mario Keller, Vertreter «Überparteiliches Komitee für gesunde Schafisheimer Finanzen» «Schafisheim kann diese finanzielle Bürde nicht stemmen. Die Schulden würden in den Bereich von 25 Millionen steigen.»

Mario Keller, Vertreter «Überparteiliches Komitee für gesunde Schafisheimer Finanzen» «Schafisheim kann diese finanzielle Bürde nicht stemmen. Die Schulden würden in den Bereich von 25 Millionen steigen.»

ZVG

Er sagt: «Schafisheim kann diese finanzielle Bürde nicht stemmen. Wenn wir die bestehenden Projekte in der vorliegenden Form realisieren würden, so hätte das immense Auswirkungen auf die Schuldenentwicklung. Diese würden von derzeit etwa sechs Millionen in den Bereich von 25 Millionen steigen.» Damit einher ginge laut Keller eine Pro-Kopf-Verschuldung von derzeit 1700 Franken auf 6500 Franken. «Und damit würde Schafisheim sich noch vor die in der Aargauer Zeitung am Dienstag präsentierte schuldenstärkste Gemeinde Zuzgen an die Spitze setzen.»

Es braucht neuen Schulraum

Weil sich die Gemeinden mit den festen Ausgaben finanziell in einem sehr engen Korsett befänden, der Spielraum zum Sparen in der laufenden Rechnung sehr gering sei, verlangt das Komitee eine vorsichtigere Gangart bei der Neuverschuldung. Mit andern Worten: Die geplanten Investitionen sind noch einmal zu hinterfragen und allenfalls nach kostengünstigeren Realisationsmöglichkeiten zu suchen.

Dabei legt Keller Wert auf die Feststellung, dass das «überparteiliche Komitee für gesunde Schafisheimer Finanzen» nicht die Absicht habe, konkret Projekte wie beispielsweise den Schulhausneubau zu torpedieren. «Wenn wir uns zu den vorliegenden Plänen äussern, dann kritisieren wir nur den finanziellen Aspekt. Der geplante Bau ist unseres Erachtens ganz einfach zu teuer», sagt er. Es sei hingegen unbestritten, dass neuer Schulraum geschaffen werden müsse. Die Frage sei jedoch, in welcher Form dieser realisiert werden müsse, um finanziell tragbar zu sein.

Das sagt der Gemeinderat

Wie stellt sich der Gemeinderat zu den Fragen des überparteilichen Komitees für gesunde Schafisheimer Finanzen? «Es ist eine komplexe Sache», erklärt Gemeindeammann Dölf Egli am Telefon. Er ist diese Woche abwesend, will sich jedoch anschliessend gemeinsam mit den für die Ressorts Schule und Verkehr zuständigen Gemeinderatskollegen Esther Erismann und André Kreis zur Situation äussern.