Eigentlich heisst er Urs Bucher. Doch alle zwei Jahre zieht er eine blaue historische Franzosenuniform an und nennt sich Urso del Logistico.

Dieses Jahr ist es wieder so weit: Am 13. Juli findet das Freischarenmanöver statt. Urs Bucher ist Chef Logistik der Freischaren, sein Reich ist das Arsenal Ost – unter der Erde.

Bis Bucher den Lichtschalter im Luftschutzkeller findet, ist es einige Sekunden dunkel und es riecht. Nach Ledergurten, die schon Hunderte von Händen festgezurrt haben, nach Säbeln aus Metall, die schon an vielen Beinen geklappert haben und nach muffigen Kleidern.

Das Licht blitzt auf und der Blick fällt auf sechs Palettenrahmen. «Ein Glücksfall», sagt Urs Bucher. Sechs Paletten voll mit Utensilien aus Baden. Im Zuge der Schulraumplanung war das Material zum Vorschein gekommen und hätte eigentlich vernichtet werden sollen.

Glücklicherweise gelangte diese Nachricht über Umwege nach Lenzburg, wo die Relikte des Badener Kadettenwesens mit Freude übernommen wurden.

Urs Bucher öffnet einen schwarzen Kehrichtsack und zieht einen langen, mit Riemen versehenen Fellstreifen hervor. «Früher gab es noch Kadettenlager», sagt er. Da schnallte man für den Aufstieg über den Schnee Felle an die Ski.

Aus den Kadettenlagern liegen in den Schränken noch Tagebücher, in denen die Tage auf die Minute genau dokumentiert wurden.

Säbelriemen aus dem Emmental

Am Arsenalmorgen im April werden die Kisten genau untersucht und sortiert. Die Lenzburger durften nicht wählerisch sein. «Alles oder nichts», lautete die Botschaft aus Baden.

Neben Gewehren, Uniformen, schön verzierten Offizierssäbeln und Wolldecken sind auch Patronentaschen dabei. Urs Bucher freut sich. «Von denen haben wir zu wenig.» Denn die Freischaren werden immer mehr, vor zwei Jahren waren es knapp 700.

Lederwaren sind allgemein eine heikle Angelegenheit. Die historischen Säbel sind mit einer Vorrichtung versehen, mit der sie am Brustriemen und am Gurt befestigt werden können.

Wenn der Zugführer rennen muss, kann der Säbel mit einer Schnalle gelöst und in der Hand getragen werden. Das Leder dieser ausgeklügelten Mechanismen ist im Laufe der Jahre spröd geworden. «Es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der solche Teile noch herstellt», sagt Bucher.

Schliesslich wurde der Logistikchef fündig und fährt nun ab und zu an einem freien Tag zu einem Sattler ins Emmental, um neue Säbelbefestigungen fürs Freischarenmanöver zu besorgen.

Der in Lenzburg geborene und aufgewachsene Urs Bucher ist mit Leib und Seele Freischärler. «Ich bin hier sehr stark verwurzelt.» 2010 wurde er in den Ausschuss der Freischaren-Commission gewählt. «Das Arsenal ist ständig im Aufbau», sagt Bucher.

Sein Ziel ist es, das Lager auf Vordermann zu bringen, sodass er es dereinst in einem tadellosen Zustand übergeben kann.

Am kommenden Arsenalmorgen wird deshalb geputzt, sortiert und geflickt. Bis überall Ordnung herrscht und die Sachen aus Baden definitiv in den Bestand aufgenommen werden können.

Neue Trommeln, neues Glück?

Für den Chef Logistik ist das ganze Manöverjahr anstrengend. So richtig Manöverfieber bricht aber drei Wochen vor dem Gefecht aus, wenn die Kadetten ausgerüstet werden. Am Montag vor dem Jugendfest findet die Geländebegehung statt.

«Dieses Jahr stellt die Baustelle zum A1-Zubringer eine Herausforderung dar.» Am Donnerstag werden die wilden Horden das Arsenal stürmen, um ihre Gewänder zu fassen.


Unter den Gaben aus Baden ist auch eine Kiste voller rot-weiss-gestreifter Trommeln. Sie sehen ziemlich ramponiert aus, bei einer ist das Fell zerrissen. Der Tambourenverein will sich ihrer annehmen. Sie reparieren, bis sie wieder glänzen.

Und am 13. Juli soll ihr Klang die Stadt zum Erzittern bringen und die Freischaren auf dem Weg zum lang ersehnten Sieg begleiten.