Seit es die Zeitrechnung gibt, hat die Menschen der Wechsel vom alten ins neue Jahr beschäftigt. Von den Riten und Bräuchen, welche zum Teil schon in vorchristlicher Zeit erfunden wurden, haben im Seetal besonders viele überlebt. Ein von weit her sichtbares Zeichen des Jahreswechsels sind die Feuer, die auch an diesem Silvester wieder auf dem Staufberg und auf dem Lenzburger Goffersberg brennen werden. Zu germanischer Zeit wurden sie entfacht, um an die Rückkehr des Lichts im Frühjahr zu erinnern und das Böse abzuhalten, wenn die Seelen der Toten dem Glauben nach zur Wintersonnenwende die Lebenden heimsuchten.

Kinder mit Glimmstängel

Die Staufner deponieren am letzten Tag im Jahr in langer Vorbereitung angefertigte Stauden, Holzstapel oder verdorrte Christbäume vor dem Haus. Das Brenngut wird von Kindern eingesammelt und auf Wagen geladen, die es zum Feuerplatz unterhalb des Friedhofs transportieren. «Strauwälle – Stuude, Strauwälle – Stuude», hallt es dann durchs Dorf. Und an diesem Tag brennt nicht nur das Feuer: Nach alter Tradition dürfen die Kinder an diesem Tag rauchen. «Einem Nichtraucher muss es glattweg den Atem verschlagen, wenn er am 31. Dezember durch Staufen geht», stand 1963 in einem Artikel in der Neuen Zürich Zeitung über den Brauch. Der damalige Versuch der Schulpflege, das Rauchen zu verbieten, scheiterte, und so paffen die Staufner Kinder noch heute. Die Feuer sind der Stolz der jeweiligen Gemeinde. Die Staufner bewachen ihren Holzstapel, damit sich keine Lenzburger Buben oder Mädchen anschleichen und es zu früh entfachen. Erst wenn die Glocken das alte Jahr ausläuten, beim zwölften Schlag, entzünden die Fackeln das Feuer.

In Hallwil sind am 2. Januar spezielle Gesellen unterwegs, die mit viel Lärm das neue Jahr begrüssen. Sie sind kostümiert; besonders auffällig sind die vier Grossen, die von Kopf bis Fuss mit Stechpalmenzweigen, Tannenreisig, Stroh oder Hobelspänen verhüllt sind. Sie sind auch nach ihrem Kleid benannt und heissen Stächpaumig, Straumaa, Tannreesig und Hobuspöönig. Wer ihnen zu nahe kommt, riskiert eine stachelige Umarmung oder mit Wasser bespritzt zu werden. Berchtelen war früher ein Wort für ausgelassen feiern. Mit ihrem Lärm und Herumgetolle wollen die 15 Bärzeli, deren Rollen traditionell von ledigen jungen Männern übernommen werden, die Fruchtbarkeit wecken und den Winter vertreiben.