Hunzenschwil

Gipsabdruck aus Mutterkuchen: Aargauerin mit schweizweit einmaligem Angebot

Ein Trend aus England findet seinen Weg nun auch in die Schweiz: Eine Gipserin aus Hunzenschwil bietet spezielle Gipsabdrücke an – etwa von Schwangerschaftsbäuchen und Babyfüssen. Neu führt sie auch den Abdruck der Plazenta im Angebot – dies ist in der Schweiz bisher einmalig.

Die Plazenta ist ein wahrer Alleskönner: Der durchschnittlich rund 500 Gramm schwere und 15 bis 20 Zentimeter grosse Mutterkuchen versorgt den ungeborenen Säugling nicht nur mit Sauerstoff und Nahrung, sondern schützt ihn auch vor Keimen und Viren.

Doch auch nach der Geburt findet das von Blutgefässen durchzogene Gewebe Verwendung: Manche Eltern essen die Plazenta – im Internet lassen sich unzählige Rezepte zur Zubereitung finden. Aus dem Mutterkuchen werden aber auch Globuli, Salben oder gar Schmuckstücke gefertigt.

Auf Instagram lassen die Mütter ihrer Kreativität freien Lauf:

Nun ist auch eine Aargauer Gipserin auf den Geschmack gekommen. Ab Ende Juli will Melanie Meyer eine für manche wohl gewöhnungsbedürftige Dienstleistung anbieten: einen Gipsabdruck von der Plazenta. Die ursprünglich aus Süddeutschland stammende Mutter lebt und arbeitet seit Dezember 2016 in einem Atelier in Hunzenschwil. Zu ihrem Angebot gehören bereits jetzt Gipsabdrücke von Babyfüssen oder Schwangerschaftsbäuchen.

Plazenta als Baum des Lebens

«Der Plazenta-Gipsabdruck ist schon länger ein Trend in England und hat sich mittlerweile auch in Deutschland ausgebreitet», sagt Meyer auf Anfrage. Als sie vergangenen November erstmals von einer Kundin aus der Schweiz angefragt worden war, willigte Meyer sofort ein. «Ich wollte das schon lange einmal ausprobieren, habe mich aufgrund des heiklen Themas – viele sehen den Mutterkuchen als etwas Erschreckendes oder Abstossendes – nie zu fragen getraut.»

Nur sehr wenige Mütter entscheiden sich dazu, die Plazenta nach der Geburt zu behalten. Laut der Chefhebamme des Kantonsspitals Aarau liegt die Zahl lediglich «im Promillebereich». Auch beim Kantonsspital Baden ist der Anteil der Frauen «verschwindend klein», wie Omar Gisler, Leiter Marketing und Kommunikation, auf Anfrage sagt: «Im KSB kommt das zwei bis drei Mal pro Jahr vor.» Anders sieht dies bei ausserklinischen Geburten aus: Tanja Fögele, frei praktizierende Hebamme aus Lenzburg, ist auf Hausgeburten spezialisiert. «Etwa die Hälfte der Frauen entscheidet sich dazu, die Plazenta zu behalten», sagt sie auf Anfrage.

Nichts für schwache Mägen: So entsteht ein Plazenta-Gipsabdruck:

Den Arbeitsablauf des Plazenta-Gipsabdrucks vergleicht Meyer mit den 3D-Abdrücken der Babyfüsse. Zuerst erstellt sie eine Negativform der Plazenta, welche dann mit Kunststein aufgegossen wird. «So werden kleine Adern und die Nabelschnur lebensecht und detailgetreu dargestellt.»

Den fertigen Abdruck stellt Meyer zunächst innerhalb eines Keilrahmens als Baum des Lebens dar. Die 34-Jährige hat aber auch Ideen für weitere Designs.

Auf ihrer Website schreibt Meyer, die Plazenta solle «vorzugsweise gewaschen» ins Atelier gebracht werden.

Die Plazenta als Baum des Lebens

Die Plazenta als Baum des Lebens

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