Niederlenz
«Giesskannen»-Referendum gegen Landverkauf steht

Niederlenz entscheidet am 17. Juni an der Urne über den Verkauf des Gemeindelandes «oberer Steinler». Das mit über 1700 Unterschriftenbogen lancierte Referendum gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung ist zustande gekommen.

Pascal Meier
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Gemeindeland «oberer Steinler»:

Gemeindeland «oberer Steinler»:

Pascal Meier

Bis zum Ablauf der Sammelfrist am 2. April sind 557 gültige Unterschriften eingegangen, wie die Gemeindekanzlei auf Anfrage mitteilte. Damit wurde die für eine Referendumsabstimmung nötige Hürde von 245 Unterschriften um mehr als das Doppelte überschritten.

Die aussergewöhnliche Strategie des Referendumskomitees, die Unterschriftenbogen im Giesskannen-Prinzip in alle 1737 Briefkästen zu verschicken - inklusive frankiertes Antwortcouvert zuhanden der Gemeindekanzlei -, ist damit aufgegangen.

Kritik an Gemeinderat

Das Referendumskomitee ist vom Resultat überwältigt. «Wir waren überzeugt, das Referendum zu schaffen - mit so grosser Unterstützung haben wir aber nicht gerechnet», sagt Peter Erdin, der im Auftrag der HS Architektur AG das Referendum angestossen hat.

Das Unternehmen aus Birr hatte kurz vor der Gemeindeversammlung im Februar ein Kaufangebot für das Gemeindeland im «oberer Steinler» eingereicht, war aber nicht berücksichtigt worden. Die 87 anwesenden Stimmbürger (von 2465) entschieden stattdessen, das Bauland an die J. Realini AG aus Schinznach-Dorf zu verkaufen - ganz im Sinne des Gemeinderates, der nach zehn Jahren zäher Verkaufsverhandlungen das Thema erledigt sah. Der Verkauf würde 1,167 Millionen Franken in die Gemeindekasse spülen.

Peter Erdin wirft dem Gemeinderat vor, die HS Architektur AG und weitere interessierte Käufer benachteiligt zu haben - Käufer, die bis 160000 Franken mehr für das Gemeindeland bezahlen würden als Realini. Gemeindeammann Maurice Humard weist die Kritik zurück und argumentiert, die neuen Offerten seien zu spät eingegangen und hätten den Gemeinderat nicht überzeugt.