Hunzenschwil

Gewaltige Plexiglas-Nachfrage: Kunststoff-Produzentin ist praktisch leergekauft

Detailhandel schützt Kunden und Angestellte mit Plexiglas - die Nachfrage ist deshalb extrem gestiegen (Symbolbild)

Detailhandel schützt Kunden und Angestellte mit Plexiglas - die Nachfrage ist deshalb extrem gestiegen (Symbolbild)

Plexiglas ist jetzt wie Desinfektionsmittel oder Masken sehr gefragt und damit auch gut fürs Geschäft für Kunststoffspezialisten wie Neomat. Die Regale in der Filiale in Hunzenschwil sind fast leer.

Letzte Woche hat Mario Cavaradossi mitgezählt. Der Spitzenreiter: 34 Anfragen innert 60 Minuten. Und alle wollten sie eines: Acrylglas, geläufig unter dem Markennamen Plexiglas. Letzte Woche gab es noch welches, doch jetzt sind die Regale in der Neomat-Filiale in Hunzenschwil beinah leer. «Selbst klare Wellplatten, die sonst beispielsweise Tomatenhäuschen decken, wurden als Spuckschutz gekauft», sagt Cavaradossi.

Schulen, Gemeindeverwaltungen, Restaurants, Plattenläden, Kleidergeschäfte oder Praxen – sie alle brauchen Plexiglas als Spuckschutz oder Trennwand. Und alle auf einmal. Für die schweizweit tätige Kunststoff-Spezialistin Neomat AG und ihre rund 50 Mitarbeiter, verteilt auf die Standorte Beromünster (Hauptsitz), Hunzenschwil und Pfäffikon, bedeutet das einen Sondereffort, und das seit Wochen. «Wir haben in den letzten zwei Monaten 80 Prozent der Menge Acrylglas verkauft, die wir sonst innert eines Jahres verkaufen», sagt Florian Gloor, Leiter Verkauf/Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung.

Diese Nachfrage von Baustoffhändlern, Kunststoffverarbeitern und Handwerkern sei gewaltig, sagt Gloor. «Und so nicht vorhersehbar – selbst für die Branche nicht.» Die Folge: Acrylglas geht aus, und das europaweit. Denn es gibt nur wenige Hersteller, in der Schweiz beispielsweise produziert niemand Acrylglas, alles wird importiert. «Normalerweise haben wir Lieferfristen von ein bis zwei Wochen», so Gloor. «Aktuell liegen wir bei mindestens zehn Wochen.»

Doch Not macht erfinderisch. Die Branche weicht auf andere Materialien aus, klas­sische Bauprodukte werden umfunktioniert, ganze Firmen rüsten ihre Produktionen um. «Unser Dachfenster-Produzent Fakro beispielsweise baut nun Tischtrennwände aus Glas», sagt Gloor. Wichtig sei dabei, weiterhin kostengünstige Lösungen anbieten zu können. «Wir wollen helfen. Und uns ist klar, dass für den Wirten oder den Lädelibesitzer die Rechnung unter dem Strich irgendwie aufgehen muss.»

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