Hendschiken
Gewählte Frau Vizeammann kandidiert als Ammann: "Ich bin motiviert"

Die Historikerin Sabina Vögtli (SP) tritt gegen den Bauern Bruno Steiner (SVP) an.

Janine Gloor
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Sabina Vögtli-Fischer (SP, 55) und Bruno Steiner (SVP, 56).

Sabina Vögtli-Fischer (SP, 55) und Bruno Steiner (SVP, 56).

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Zu sagen, Hendschiken (1210 Einwohner) erlebe einen spannenden Wahlkampf, wäre eine Untertreibung. Daniel Lüem (FDP), seit 20 Jahren Gemeindeammann, wurde vom Bauern und Brunnenmeister Bruno Steiner (SVP) zu einer Kampfwahl herausgefordert. Prompt kam es am 24. September zu einer Überraschung, allerdings fiel diese grösser aus, als erwartet.
Lüem wurde als Ammann abgewählt und erreichte auch nicht die nötige Stimmenzahl, um im Gemeinderat zu verbleiben.

Mit vier Stimmen Rückstand (250) auf die neue, parteilose Kandidatin Rosmarie Mutti wurde Daniel Lüem aus der Exekutive abgewählt. Das gleiche Schicksal erlitt der bisherige Gemeinderat Wolfram Burgy. Mit dem besten Resultat (346 Stimmen) überraschte die ebenfalls neue und parteilose Susanne Hofmann.

«Ich bin motiviert»

Die einzige bisherige Kandidatin, die den Sprung in den Gemeinderat wieder schaffte, ist Sabina Vögtli-Fischer (55), SP. Sie setzte bei der Kampfwahl um den Vizeammannposten gegen den sowieso abgewählten Gemeinderat Burgy durch und wurde mit 218 Stimmen gewählt. Doch dieses Amt wird sie nicht antreten. Sabina Vögtli-Fischer demissioniert – und der Hendschiker Wahlkrimi geht in die nächste Runde.

Lüem-Herausforderer Bruno Steiner (56) hatte im ersten Wahlgang das absolute Mehr nicht erreicht, somit bleibt das Gemeindeammannamt bisher unbesetzt. Bruno Steiner, der mit 272 Stimmen in den Gemeinderat gewählt wurde, meldete erneut seine Kandidatur zum Ammann an. Wie sich nun zeigt, ist er nicht der Einzige. Sabina Vögtli-Fischer entschied sich, ebenfalls zu kandidieren. «Die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang war überraschend», sagt die 55-Jährige. «Ich habe die Situation neu beurteilen müssen.» Nach Gesprächen mit der Partei und ihrer Familie sei sie zum Schluss gekommen, die Chance einer Kandidatur als Frau Gemeindeammann wahrnehmen zu wollen. «Ich bin motiviert», sagt sie.

Zu den genaueren Beweggründen will sie sich zu diesem Zeitpunkt, kurz vor der Abreise in die Herbstferien, nicht äussern. In einer Mitteilung ihrer Partei lässt sie sich wie folgt zitieren: «Ich habe dieses Amt nicht gesucht, doch unter diesen Voraussetzungen ist es folgerichtig, wenn ich mich zur Verfügung stelle.» Es sei ihr bewusst, dass die Erfüllung der neuen Aufgabe nicht einfach werden wird – unabhängig der Zusammensetzung in den Behörden.

Welches Amt antreten?

Dass eine gewählte Frau Vizeammann sich entschliesst, im zweiten Wahlgang für das Ammannamt zu kandidieren, ist ein seltener Fall. Was passiert mit ihrem Sitz als Vizeammann, wenn sie zur Frau Ammann gewählt wird? Gemeindeschreiberin Corinne Zemp erklärt, dass die Kandidatin verschiedene Möglichkeiten hat. «Sabina Vögtli-Fischer kann vor dem zweiten Wahlgang als Frau Vizeammann demissionieren oder je nach Ausgang des zweiten Wahlgangs am 26. November entscheiden.» Falls sich die SP-Gemeinderätin für eine Demission als Frau Vizeammann entscheidet, wäre eine Ersatzwahl anzuordnen, sagt Zemp.
Sabina Vögtli-Fischer hat sich für die erste Variante entschieden – alles oder nichts. Wenn sie die Amman-Wahl verlieren würde, wäre sie immer noch Gemeinderätin.

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