Birr/Seon

Gesucht für Diplomarbeit: 60 bis 80 Singbegeisterte

Der 27-jährige Martin Kuttruff ist Organist und Chorleiter. Ho

Der 27-jährige Martin Kuttruff ist Organist und Chorleiter. Ho

Für seine Diplomarbeit gründet Martin Kuttruff den Projektchor Aargau: Geprobt wird in Birr und Seon.

Mittagszeit. Ringsum wird gegessen und diskutiert. Als Konstante nimmt man bloss das Zischen einer Kaffeemaschine wahr. Wer die riesige Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) aufsucht, taucht ein in eine vor Energie nur so sprühende Welt, in der die Musik eine wichtige Rolle spielt. Das erlebt auch Martin Kuttruff, der hier seit 2015 das Studium in den Master-Studiengängen Orgel und Chorleitung fortsetzt. «Wollen wir uns nach hinten begeben? Dort ist es ruhiger.» Der leise Akzent lässt einen rätseln. Stammt der junge Mann vielleicht aus Stuttgart? Nein. An der dortigen Musikhochschule hat er zwar sechs Jahre studiert, doch seine Wurzeln hat er in Unteralpfen bei Waldshut.

Ein ambitioniertes Ziel

Also ist das Pendeln nach Zürich, Birr oder Seon für ihn nicht allzu mühsam. Mit diesen drei Orten verbindet den 27-Jährigen nämlich einiges. In Zürich befindet sich Kuttruff derzeit im Endspurt seines Masterstudiums im Fach Chorleitung; dort ist er seit kurzem neuer Organist an der Kirche St. Franziskus; in Birr war er Organist und Kirchenmusiker sowie Gründer eines begeistert aufgenommenen Chors; in Seon leitet er den Männerchor.

All diese Funktionen erweisen sich jetzt als Trumpfkarten bei Kuttruffs Diplomprojekt, an dem auch ein Orchester der ZHdK beteiligt ist. Der Chorleiter will mit dem neuen Projektchor Aargau Felix Mendelssohn-Bartholdys Psalm 42, «Wie der Hirsch schreit», aufführen – für Kuttruff «grossartige, wunderbare Musik».

Nun sucht der Musiker 60 bis 80 Singbegeisterte jeden Alters aus dem Kanton Aargau, die gewillt sind, mit ihm zusammen Mendelssohns Kantate zu erarbeiten. Dass die Proben in Birr und in Seon stattfinden, hat – siehe oben – damit zu tun, dass Martin Kuttruff an beiden Orten viele Leute kennt. Wie viele Proben sind angesetzt? «16 bis 18», sagt der Chorleiter und fügt lächelnd hinzu: «Ich weiss, das ist sehr ambitioniert.» Aber, betont er, man dürfe auf jeden Fall Spass haben bei diesem generationenumspannenden Vorhaben. «Es wäre schön, wenn die Enkelin mit der Grossmutter im Chor singen würde.»

Martin Kuttruff ist optimistisch. «Für einen Projektchor entscheiden sich Sängerinnen und Sänger leichter, denn sie wissen: ihr Engagement ist zeitlich begrenzt. Das erlaubt eine überaus zielgerichtete Arbeit.» Das Ende der «fünfmonatigen musikalischen Heimat» besiegelt schliesslich die Aufführung im Rahmen der renommierten «Frauenfelder Abendmusiken». Weshalb kommt der Thurgau und nicht der Aargau zum Zug? Weil Kuttruff das Programm eben gemeinsam mit einem Kollegen bestreitet: Dieser hat für Frauenfeld Ralph Vaughan Williams’ selten gespieltes «Dona Nobis Pacem» ausgesucht. Wiederum mit von der Partie ist ein Orchester der ZHdK.

«Unbedingt Chorleiter werden»

Hört man Martin Kuttruff ruhig, aber bestimmt erzählen, wird man zunehmend neugieriger. Weshalb ist ihm die Chorarbeit ein derart grosses Anliegen? Ist er nicht von Haus aus Organist? Doch. Aber da sitze man am Spieltisch und habe kaum Kontakt mit Menschen. «Deshalb wollte ich unbedingt Chorleiter werden.» Überhaupt, schwärmt Martin Kuttruff, sei Kirchenmusik «extrem vielseitig, was viele gar nicht glauben. Dabei kann man alles machen: Gospel-, Jazz- oder Barockmusik». Oder solche der Romantik – wie Felix Mendelssohn-Bartholdys «Wie der Hirsch schreit».

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