Fall Santoro
Gesucht: Erfahrener Ermittler für Leasingpleite von Autokönig Santoro

Der Kollaps der SAR Premium Cars von Promi-Garagist Riccardo Santoro hält die Staatsanwaltschaft weiter auf Trab. Weil erfahrene Staatsanwälte rar sind, konnten noch nicht alle Stellen für die Untersuchung der SAR-Leasingpleite besetzt werden.

Pascal Meier und Thomas Röthlin
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Im Mai 2011 transportierte Fidis Finance den gesamten Fahrzeugpark der SAR Premium Cars in Dintikon ab.

Im Mai 2011 transportierte Fidis Finance den gesamten Fahrzeugpark der SAR Premium Cars in Dintikon ab.

HO

Mitte Dezember 2011 trat der Regierungsrat mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit: Weil die Staatsanwaltschaft in Akten ertrinkt und die Aargauer Strafverfolgung damit kurz vor dem Kollaps steht, braucht es dringend mehr Personal. Der Regierungsrat beantragte dem Grossen Rat deshalb 3,4 Millionen Franken, um zwei zusätzliche Teams von Staatsanwälten mit insgesamt acht Stellen einzusetzen, dies befristet für drei Jahre. Der Grosse Rat stimmte dieser Aufstockung am 6. März 2012 zu.

Ein erstes Team, bestehend aus einem Staatsanwalt, zwei Assistenz-Staatsanwälten und einem Sachbearbeiter, hat seither die Arbeit aufgenommen und trägt den Berg von rund 600 Verfahren ab, die von den Bezirksämtern übernommen worden waren.

Noch nicht komplett ist das zweite Team, das in der kantonalen Staatsanwaltschaft für die Aufarbeitung der Leasingpleite der SAR Premium Cars von Promi-Garagist Riccardo Santoro eingesetzt werden soll – laut Staatsanwaltschaft der grösste Fall von Wirtschaftskriminalität seit 20 Jahren. Erst ein Staatsanwalt, ein Assistenz-Staatsanwalt sowie ein Sachbearbeiter haben ihren Schreibtisch bezogen, die zweite Assistenzstelle konnte noch nicht besetzt werden. Dies teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage des «Sonntags» mit.

Dass die Suche nach erfahrenen Ermittlern schwierig sein würde, war bereits im März im Grossen Rat ein Thema. «Es wird nicht einfach, Leute mit Erfahrung – gerade im Wirtschaftsbereich – zu finden», sagte SVP-Grossrätin Brunette Lüscher als Präsidentin der Kommission für öffentliche Sicherheit (SIK) in der Debatte zur Aufstockung der Staatsanwaltschaft.

Diese Prognose bestätigt der zuständige Regierungsrat Urs Hofmann: «Weil in der Strafverfolgung seit 2011 in allen Kantonen das Staatsanwaltschaftsmodell gilt, ist es schwierig, Staatsanwälte mit genügend Erfahrung zu finden.» Der Arbeitskräftemarkt sei klein. Hofmann hält aber fest, dass im Bereich der Wirtschaftskriminalität die Rekrutierung von Untersuchungsrichtern – so die frühere Bezeichnung – schon seit vielen Jahren schwierig gewesen sei.

Wegen der noch nicht besetzten Stelle im Fall SAR Premium Cars sowie weiterer Vakanzen läuft die kantonale Staatsanwaltschaft immer noch am Limit. «Der Fall SAR beansprucht rund 20 Prozent unserer Ressourcen», sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht. Involviert seien über 30 Rechtsparteien mit gegen 200 Verfahrensbeteiligten. Auch beim Dienst für Wirtschaftskriminalität der Kantonspolizei bindet die SAR-Leasingpleite rund ein Viertel der Kräfte.

Der Autohändler Riccardo Santoro hatte mit SAR Premium Cars jahrelang Luxus-Fahrzeuge zu unschlagbaren Leasingkonditionen vermittelt – bis seine Geschäftspartnerin Fidis Finance im Mai 2011 mit Sattelschleppern alle SAR-Fahrzeuge in Dintikon abholte und Santoro vorwarf, Autos im Wert von 20 Millionen Franken veruntreut zu haben.