Möriken-Wildegg
Geschichte zur Bevölkerung gebracht

Der Erlebnis- und Geschichtstag «360° Vergangenheit» gewährte einen Rundumblick

Markus Christen
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Die Schüler zeigten mit ihrem Theater, was in Möriken-Wildegg vor Jahrhunderten gelaufen ist.

Die Schüler zeigten mit ihrem Theater, was in Möriken-Wildegg vor Jahrhunderten gelaufen ist.

Markus Christen

Dieser aufregende und informationsreiche Geschichtstag beginnt im Zeitraffer. Die 5. Klasse der Schule Möriken bewegt sich in ihrem Theaterstück auf dem Peter-Stoffel-Platz spielend durch Zeitalter, Jahrhunderte und Generationen. Vom Big Bang über die Erfindung des Rads bis zum ersten Wisch über das I-Phone wird die Welt- und Zivilisationsgeschichte in kürzester Zeit und knappen Gesten aufgerollt.

Der Rahmen für den Anlass «360° Vergangenheit», der als Teil des 725-Jahre-Jubiläums von Möriken-Wildegg am Sonntag an verschiedenen Plätzen und in verschiedenen Quartieren der Gemeinde stattfand, war damit gesetzt. Nun konnte der Fokus eingestellt werden und dieser lag insbesondere auf der Siedlungsgeschichte des Chestenbergs sowie auf der Kirchen- und Industriegeschichte der beiden Dorfteile.

Bronzezeitliche Funde

Auf dem Peter-Stoffel-Platz, zwischen Schloss und dem Bergacker gelegen, konnten sich die insgesamt rund 500 Besucher mit derjenigen Vergangenheit in Berührung setzen, die über die 725-jährige Dorfgeschichte herausreicht. Die Kantonsarchäologie Aargau, die neben der kantonalen Denkmalpflege, Bibliothek und Archiv Aargau sowie dem Museum Burghalde an der Veranstaltung mitwirkte, präsentierte hier zahlreiche bronzezeitliche Funde, die vor allem in den 1950er Jahren auf dem Chestenberg gemacht wurden. Die jüngeren Besucher durften derweil ihr Geschick beim Lösen eines Keramikschalen-Puzzles versuchen und erhielten dabei gleich auch einen Eindruck von der Arbeit der Restauratoren, die in der Kantonsarchäologie tätig sind.

«Mit unserem Geschichtstag übernehmen wir eine Aufgabe, die früher noch vermehrt vom Dorflehrer ausgeführt wurde, der seinen Schülern die Dorfgeschichte vermittelte», erklärte Kantonsarchäologe Georg Matter. «Wir haben bereits im letzten Jahr in Sarmenstorf gemerkt, dass diese Form der Geschichtsvermittlung, bei der Geschichte zur Bevölkerung ins Dorf gebracht wird, auf grosses Interesse stösst.» Ein wichtiges Stichwort sei dabei das der Teilhabe. «Die Besucher sollen sich mit ihren Fragen gerne auch an die zahlreichen Fachleute wenden, die am Geschichtstag mit vielen Informationen bereitstehen.»

Wer am Sonntag einen rund 30-minütigen Fussmarsch in Angriff nahm, machte sich auf zur bronzezeitlichen Höhensiedlung auf dem Grat des Chestenbergs. Nach einem Zwischenhalt, bei dem der Pfeilbogen geschossen, Brot gebacken und die Kunst des Bronzegiessens bestaunt werden konnten, erreichte man den sowohl geografischen als auch technischen Höhepunkt dieses geschichtsträchtigen Sonntagnachmittags.

Für die bronzezeitliche Siedlung entwickelten die Wissenschaftsillustratoren der Firma ikonaut ein virtuelles Lebensbild von der rund 3000 Jahre alten Siedlung in 360°, das sowohl mit einer Virtual Reality-Brille als auch über einen QR-Code mit dem Smartphone betrachtet werden konnte.

Das Programm wurde abgerundet durch Führung unter anderem in der katholischen Kirche und zu den Industrie-Denkmälern von Alt-Wildegg. Bei der Führung in der reformierten Kirche, die zurzeit renoviert wird, erfuhren die Teilnehmer ausführlich von der Kontroverse um den Abbruch der ehemaligen Kirche in den 1940er-Jahren.

Gemeindeschreiber Pascal Chioru zog ein durchweg positives Fazit zum Geschichtsanlass in Möriken-Wildegg. «Es sind mehr Leute erschienen als ich erwartet habe. Ein insgesamt toller Tag mit vielen interessierten Besuchern.»

Sollten am Ende des Tages noch Fragen zur Vergangenheit der Gemeinde offen geblieben sein, so wurden die Veranstaltungsbesucher zu guter Letzt in der Schulhaus-Bibliothek von Andrea Voellmin, Leiterin Bibliothek und Archiv Aargau, in die Kunst der Online-Geschichtsrecherche eingeführt.