Ferrum AG
Gerade wegen der Probleme: Schafisheimer Dosen-König beeindruckt Regierungsrat Hofmann

Die Maschinen der Ferrum AG aus Schafisheim verschliessen in über 100 Ländern Konservendosen. Darüber staunt der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann.

Janine Gloor
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Regierungsrat Urs Hofmann (links) im Gespräch mit Ferrum-CEO Ernst Werthmüller.

Regierungsrat Urs Hofmann (links) im Gespräch mit Ferrum-CEO Ernst Werthmüller.

Mario Heller

«Eigentlich sollten hier auf dem Tisch Dosen stehen und keine Getränke in PET-Flaschen», sagt CEO Ernst Werthmüller im Sitzungszimmer der Ferrum AG in Schafisheim. Denn damit ist die Firma gross geworden, genauer gesagt mit dem Verschliessen von Konserven.

1917 wurde die Ferrum gegründet, eine kleine Werkstatt mit einer Eisengiesserei, die Maschinen zum Füllen und Schliessen von Konserven herstellte. 1923 wurde sie von der Aargauer Familie Werder übernommen. Die operative Führung hat die Familie abgegeben, sie besitzt jedoch immer noch die Mehrheit der Aktien.

Hauptsächlich wird exportiert

Dieses Jahr wird die Ferrum 100 Jahre alt. Im Mai feiert sie mit einem Tag der offenen Tür. Schon gestern wurden Regierungsrat Urs Hofmann und Vertreter des Amts für Wirtschaft, des Amts für Migration und Integration sowie Services Aargau Standortförderung zu einem Rundgang eingeladen. Aus der kleinen Werkstatt ist eine globale Firma mit 130 Millionen US-Dollar Umsatz geworden. Weltweit sind 500 Mitarbeiter angestellt, davon 416 in der Schweiz. «Wir sind zu 90 Prozent im Export tätig», sagt Ernst Werthmüller, der unter anderem auch Verwaltungsratspräsident bei der AEW Energie AG ist.

Wenn in Argentinien eine Bierdose oder in Bangladesh ein Energydrink beim Öffnen zischt, ist die Chance sehr hoch, dass die Dose mit einer Maschine der Ferrum verschlossen wurde. «Wir sind weltweit die Nummer 1 im Canning», sagt Werthmüller. Can ist Englisch für Dose.

In über 100 Ländern stehen 2000 Ferrum-Maschinen, die Dosen verschliessen. 2500 Stück pro Maschine pro Minute. 70 vielreisende Servicetechniker kümmern sich um den Unterhalt. Eindrückliche Zahlen, die Urs Hofmann erstaunen: «Ich habe überlegt, wann ich abgesehen von Pelati und Getränken zum letzten Mal eine Büchse geöffnet habe.» Werthmüller verweist auf den internationalen Markt. «Viele Länder haben nicht die gleichen Kühlmöglichkeiten wie wir.» Pulvermilch in China, Chili in Mexiko. «In Amerika gibt es sogar Chicken Wings aus Dosen», sagt Werthmüller und muss ob dieser Vorstellung lachen.

Starker Franken gemeistert

Neben den Maschinen zur Dosenverschliessung stellt die Ferrum auch Zentrifugen her. Diese können feste von flüssigen Stoffen trennen, das einfachste Beispiel für eine Zentrifuge ist die Salatschleuder. Die Zentrifugen der Ferrum können zum Beispiel Salz oder Tabletten trocknen. Auch diese Maschinen werden weltweit verkauft und gewartet.

In der Giesserei wird auf Auftrag gegossen, zum Beispiel für die Rollstar in Egliswil oder die ABB. Im Gegensatz zu den Konserven ist dies aber wenig lukrativ. «In der Schweiz gibt es noch sechs Giessereien in diesem Stil», sagt Leiter Manfred Ladurner. Der Konkurrenzkampf sei gross, viele Auftraggeber wählen das kostengünstigere Ausland. «Wir sind den Wellenbewegungen der Industrie unterworfen», sagt Ladurner.

Kurzarbeit sei immer wieder ein Thema. «Der starke Franken ist ein täglicher Kampf.» Es habe viel Einsatz gebraucht. Die Produktivität wurde gesteigert, Händler wurden ersetzt, Mitarbeiter arbeiteten länger bei gleichem Lohn. «So konnten die Deckungsbeiträge gleich bleiben wie vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015», sagt Ferrum-CEO Ernst Werthmüller. Die Bauteile für die eigene Produktion stellt die Ferrum alle in Rupperswil her.