Forstbetrieb Rupperswil
Generationenwechsel nach 37 Jahren: Max Senn übergibt das Amt an Andreas Wirth

Max Senn war 37 Jahre lang Förster von Rupperswil, Hunzenschwil, Auenstein und Veltheim. Am 1. Januar übergab er das Amt an den 26-jährigen Andreas Wirth.

Cynthia Mira
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«Früher war der Wald vor allem ein Holzlieferant»: Max Senn (l.) und sein Nachfolger, der 26-jährige Andreas Wirth.

«Früher war der Wald vor allem ein Holzlieferant»: Max Senn (l.) und sein Nachfolger, der 26-jährige Andreas Wirth.

Chris Iseli

Generationenwechsel im Forstbetrieb Rupperswil, zu dem auch die Wälder der Gemeinden Hunzenschwil, Auenstein und Veltheim sowie etwas Staatsforst gehören. 37 Jahre arbeitete Max Senn als Förster. Am 1. Januar übergab er an Andreas Wirth (26), der während der dreimonatigen Einarbeitungsphase vom Erfahrungsschatz seines Vorgängers profitieren konnte.

Max Senn erreicht diesen Monat das Rentenalter. Er hat bereits seine Lehre in Veltheim und Auenstein absolviert. «Ich bin damals allein mit meinem Mofa und der Motorsäge auf dem Gepäckträger losgezogen», sagt er. Er erinnere sich noch, wie es bei einem Holzschlag nicht einmal Absperrungen brauchte, weil man wusste, dass sowieso niemand vorbeikommen werde. Das sei heute anders: «Früher war der Wald in erster Linie ein Holzlieferant», sagt er. Heute werde er als Naherholungsgebiet genutzt, teilweise sogar übernutzt.

«Wie, wenn man in die Wohnstube der Natur geht»

Es freue ihn besonders, dass es in all den Jahren nie zu einem schwerwiegenden Unfall im Forstbetrieb gekommen sei, sagt Senn. Dazu habe auch die Mechanisierung im Beruf beigetragen. «Die Arbeit ist heute wesentlich sicherer.»

Eine neue Herausforderung im Beruf sieht Senn darin, allen Waldfunktionen gerecht zu werden. Die Menschen wollen den Wald nutzen. Es fehle aber oft an Verständnis und Wissen, sagt er. Das zeige sich etwa dann, wenn auf Waldgrundstücken mit der Motorsäge illegal Routen für Biketouren erstellt würden. Oder, wenn auf einem Gebiet mit seltenen Orchideen achtlos Velo gefahren werde. «Man müsste sich vorstellen, dass man beim Betreten des Waldes in die Wohnstube der Natur geht», sagt er.

«Es gibt heute viel mehr Anspruchsgruppen als früher», betont auch der junge Andreas Wirth. Ihm sei es ein Anliegen, auf die verschiedenen Bedürfnisse einzugehen. Eine Balance zu finden, sei nicht immer einfach. «Der Wald wird für die Gewinnung von Holz benötigt, gleichzeitig will man Naturschutzgebiete erhalten und die Wälder als Naherholungsgebiet nutzen.»

Senn berichtet, wie manchmal unvorhersehbare Ereignisse den Förstern einen Strich durch die Rechnung machen. So etwa, als sich im letzten Jahrzehnt die Eschenwelke rasant ausbreitete. Die Idee, im Gebiet den Mischwald mit jungen Eschen zu fördern, fiel dem Pilz zum Opfer. Die Eschenwelke wurde aus Asien eingeschleppt und greift die Eschen aller Altersklassen an.

Momentan sei aber der einheimische Borkenkäfer, der die Fichten angreife, die grössere Plage, findet Senn. Die ausserordentliche Trockenheit der vergangenen Sommer hat die Fichten geschwächt, während diese trockenen Witterungsverhältnisse die Verbreitung der Borkenkäfer begünstigten. Der Klimawandel sei für den Wald problematisch. «Den Takt der Veränderung, der vom Klimawandel vorgegeben wird, ist für den Wald zu schnell, obwohl dieser anpassungsfähig wäre», sagt Senn. Um dem entgegenzuwirken, versuchen Förster beispielsweise Bäume zu fördern, die widerstandsfähiger gegen lange trockene Phasen sind. Etwa solche mit tiefen Wurzeln.

Holzverkauf finanziert Reit- und Wanderwege

Ihm komme immer wieder zu Ohren, dass Förster Steuergelder für die Abholzung der Wälder verwenden würden. Das stimme nicht. «Es ist vielen gar nicht bewusst, dass der Forstbetrieb eigenständig wirtschaftet und gerade mit dem Verkauf von Holz beispielsweise auch neue Reit- und Wanderwege unterhalten.» Ihm sei auch öfters vorgehalten worden, dass er keine dicken Baumstämme stehen lassen würde, sagt Senn. Das schnell gefällte Urteil bei einem Holzschlag sei unbegründet, ergänzt Wirth. Man werde heutzutage allzu schnell an den Pranger gestellt: «Gerade auf den sozialen Netzwerken erleben wir oft einen Ansturm, wenn ein Baum gefällt wird.» Ihm wäre es manchmal lieber, man würde kurz nachfragen. Denn: «Hinter jedem Holzschlag steht eine langfristige forstliche Planung.»

Ein geborener Freiämter mit klassischer Waldkarriere

Andreas Wirth arbeitete nach seiner Ausbildung unter anderem im Forstbetrieb Region Muri und im Wallis. Die Höhere Fachschule schloss er 2019 ab. Danach war er im Kanton Luzern tätig. Nun wird er in seinen Heimatort Villmergen eine Wohnung suchen. Die Ausbildung zum Förster sei vielseitig. Auch Module zur Personalführung und Kommunikation gehören dazu. «Wir müssen die Entscheidungswege kennen und wo unsere Anliegen in der Politik am besten vorzubringen sind», sagt er.

Wegen Corona konnte Senn nur im kleinen Rahmen mit einem Glas Wein verabschiedet werden. Etwas erfüllte ihn bei der Übergabe besonders mit Stolz: «Ich konnte vor meiner Pensionierung erreichen, dass die einzelnen Betriebsteile als eine Einheit behandelt werden können.» Es wird künftig nur noch ein Budget und einen Jahresabschluss geben. Das spare Kosten. Dass ihm dieser Rationalisierungsschritt vor seiner Pensionierung gelungen sei, freue ihn. «Auch mir erleichtert es die Arbeit», sagt Wirth. Er freue sich auf die interessanten und vielfältigen Aufgaben.

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