Der Neubau des Pflegeheims der Alterszentrum Obere Mühle AG ist wie ein Puzzle. Es braucht verschiedene Teile, damit überhaupt ein Bild zustande kommt. Eines davon ist die Planung, ein weiteres das Provisorium, in welchem die Pflegeheimbewohner während des Wiederaufbaus leben.

Das dritte Puzzle ist die Finanzierung: 49,3 Millionen Franken soll der Ersatzbau inklusive Zwischenlösung kosten. Die Finanzierung ist sichergestellt: Das Alterszentrum sowie die Anschlussgemeinden Lenzburg, Staufen und Othmarsingen beteiligen sich am Vorhaben. Und natürlich die Bank. In diesem Fall ist die Hypothekarbank Lenzburg Kreditgeberin.

«Teuer, aber gutes Projekt»

An der gestrigen Medienkonferenz traten alle Partner erstmals gemeinsam auf. Dabei sagte Verwaltungsratsmitglied der Alterszentrum Obere Mühle AG, Marcello Baumann: «Ein aussergewöhnlich teures, aber aussergewöhnlich gutes Projekt.» Die Investition pro Zimmer betrage 393000 Franken. Darin sind allerdings sämtliche Kosten für den Neubau wie Cafeteria, Mehrzwecksaal, Küche oder Technik enthalten.

Die Beteiligten stellten das Finanzierungsmodell detailliert vor: Nach Abzug der bereits investierten Eigenmittel der Alterszentrum Obere Mühle AG von 1,65 Millionen Franken resultiert ein Finanzierungsbedarf von 47,75 Millionen Franken. Sind Hypotheken, weitere Mittel der Trägerschaft sowie die bereits bestehende Beteiligung der Stadt Lenzburg als Mitaktionärin des Altersheims ausgeschöpft, braucht es immer noch 8,5 Millionen Franken Eigenkapital.

Jetzt treten die drei Anschlussgemeinden in Aktion. Sie leisten einerseits Solidaritätsbürgschaften, anderseits werden Staufen und Othmarsingen – analog zu Lenzburg – Aktionäre der Alterszentrum Obere Mühle AG. Letzteres setzt Eigenmittel von zirka 1 Million Franken frei. Ausserdem erhalten die zwei Gemeinden Anrecht auf je einen Sitz im Verwaltungsrat.

Finanzierungskonzept kommt vors Volk

Für die verbleibenden 7,5 Millionen Franken leisten die Partnergemeinden Solidarbürgschaften. Staufen zieht als Alternative ein verzinsliches Darlehen in Betracht. Der Verteilschlüssel berechnet sich auf die Bettenbelegung in den Jahren 2008-10: Lenzburg 5,65 Millionen Franken, Staufen 1,13 Millionen Franken, Othmarsingen etwas mehr als eine halbe Million Franken.

Letztendlich entscheiden die Stimmbürger über das Finanzierungskonzept: Ende März gelangt die Vorlage der Solidaritätsbürgschaft an den Einwohnerrat Lenzburg. Darin ist auch die Verlängerung des Baurechts enthalten, da der bestehende Vertrag 2044 ausläuft. Sowohl für Bürgschaft als auch für Bauchrechtsverlängerung braucht es am 17. Juni eine Volksabstimmung.

Staufen legt dem Souverän das Geschäft, Solidaritätsbürgschaft (oder Darlehen) sowie Aktionärsbeteiligung, Anfang Juni vor. Die Othmarsinger entscheiden Mitte Juni. Sagen die Stimmbürger ja, ist Staufen mit 11 Prozent, Othmarsingen mit 2 Prozent an der Alterszentrum Obere Mühle AG beteiligt. Der Aktienanteil für Lenzburg macht 20 Prozent aus. Mit 67 Prozent ist der Verein für Alterswohnheime nach wie vor Hauptaktionär.

Für die Finanzierung suchte der Verwaltungsrat Hilfe bei den traditionellen Anschlussgemeinden. Schliesslich verstehe sich das Alterszentrum als regionale Institution, betonte Heidi Berner, Verwaltungsratspräsidentin und Stadträtin. Ausserdem müssten Gemeinden dem Pflegegesetz, das heisst der «Verpflichtung zur Sicherstellung eines bedarfsgerechten Angebots in der Langzeitpflege nachkommen». Staufen und Othmarsingen traten in die Verhandlungen ein, Hendschiken und Ammerswil hingegen nicht.