Kreisel-Debatte
Gemeinden sind gegen Kreisel-Sanierung

Dem geplanten Um- und Ausbau des Knotens Langelen erwächst massive Opposition. Dintikon erhebt Einsprache - und wird von den Nachbargemeinden dabei unterstützt.

Toni Widmer
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Kreisel-Sanierung in Dintikon

Kreisel-Sanierung in Dintikon

Toni Widmer

«Nein, das wollen wir nicht», sagt die Gemeinde Dintikon und wird bei ihrer Einsprache von den Nachbargemeinden Dottikon und Villmergen unterstützt. Sie alle erachten das vorliegende Projekt für die Sanierung des Kreisels Langelen (az vom 21. Juni) als überrissen und fern jeder vernünftigen Kosten/Nutzen-Rechnung. «Wir sind davon überzeugt», sagt der Dintiker Gemeindeammann Ruedi Würgler, «die Kapazität des Kreisels wird mit der vorliegenden Sanierungsvariante kaum grösser und fragen uns deshalb ernsthaft, wieso der Kanton trotzdem rund eine Million Franken investieren will.»
Diese Überlegungen der Dintiker Behörde decken sich mit den Erläuterungen zum Projekt. Kreisingenieur Emanuel Baldi erklärte gegenüber der az Aargauer Zeitung: «Wir erhoffen uns von der Sanierung eine leichte Kapazitätssteigerung, aber keine Wunder.»
Lösungsansätze nicht geprüft

Die Kreisel-Anstössergemeinden befürchten, wenn die jetzt geplante Sanierung ausgeführt werde, sei der Knoten Langelen für den Kanton längere Zeit kein Thema mehr. Das möchten sie verhindern: «Ein bisschen Kosmetik nützt niemanden, da kann der Lippenstift noch so teuer sein», sagt Ruedi Würgler.
Was Dintikon zusammen mit den Nachbargemeinden fordere, sei eine langfristige Lösung. «Varianten», sagt der Gemeindeammann, «haben wir vorgeschlagen. Doch unsere Lösungsansätze sind nicht überprüft worden, sondern wohl im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) in einer Schublade verschwunden.»
«Wir fordern vom BVU mit Nachdruck, unsere Ideen seriös auf Effizienz und Machbarkeit zu prüfen, anstatt eine Million in eine Sanierung zu stecken, die wenig bis gar nichts bringt», erklärt der Villmerger Verkehrsminister Clemens Hegglin. Und auch der Dottiker Gemeindeammann Roland Polentarutti spricht Klartext: «Wir können die Überlegungen des BVU nicht nachvollziehen. Wir wollen keinen Kreisel, der vielleicht eine minimale Verbesserung des Verkehrsflusses bringt. Wir wollen, dass unsere Verkehrsprobleme, die sich seit Jahren immer stärker zuspitzen, dauerhaft gelöst werden.»
Verkehrsverlagerung prüfen
Konkret fordern die Gemeinden vom Kanton, dass er eine zusätzliche Erschliessung des Wohn- und Industriegebietes Hendschikerfeld prüft. «Rasch und kostengünstig machbar», erklärt Ruedi Würgler, «wäre eine Ausfahrt von der Parallelstrasse (Erschliessungsstrasse des Industriegebietes neben der Bünztalachse) auf die Bünztalstrasse in Richtung Lenzburg. Damit würde der Kreisel entlastet. Auch, weil eine solche Verbindung für den Verkehr aus Richtung Dottikon als Spange dienen könnte.»
Weitere Lösungsansätze sehen die Gemeinden in der Blockierung der Ausweichroute Unterzelg-/Langelenstrasse. Ist die Bünztalstrasse verstopft, weichen die Pendler auf die Ortsverbindung Villmergen-Dintikon aus und kommen so über die westliche Querspange auf den Kreisel Langelen. Nach Ansicht der Gemeinden ist exakt dieser erhöhte «Querdruck» mitverantwortlich für die Kapazitätsengpässe im Stossverkehr.
Die grosszügigste und beste Lösung erachten die Behörden von Dintikon, Dottikon und Villmergen in einem neuen dreiarmigen Erschliessungskreisel für das Hendschikerfeld. Ein paar Hundert Meter nördlich in Richtung Lenzburg gelegen, könnte dieser den Knoten Langelen ihrer Ansicht nach spürbar entlasten.
Kurz und trocken kommentiert Hanspeter Setz das Vorhaben. Seine Oskar Setz AG erhebt ebenfalls Einsprache gegen die Sanierung: «Als vor Jahren der Kreisel Langelen provisorisch eingerichtet war, lief er hervorragend. Das, weil er pflaumenförmig angelegt war. Dann wurde das definitive Projekt realisiert und das hat ausser hohen Kosten für Bau und Unterhalt wenig gebracht.» Er finde es verantwortungslos in diesen Kreisel noch mehr (Steuer-)Geld zu investieren. «Da», sagt Setz, «muss jetzt eine durchdachte und gute Lösung her.