Seon
Gemeindeinformatiker Roger Peier: «Nah bei den Leuten gehts schneller»

Als erste vergleichbare Gemeinde im Aargau hat Seon einen eigenen Informatiker. Roger Peier ist seit rund 100 Tagen als Gemeinde-Informatik-Pionier im Einsatz. Mit der az Aargauer Zeitung blickt er auf die ersten drei Monate zurück und zieht eine durchwegs positive Bilanz.

Fritz Thut
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Roger Peier ist seit gut 100 Tagen Informatiker bei der Gemeinde Seon und schätzt vor allem die Vielseitigkeit der Aufgaben. Sandra Ardizzone

Roger Peier ist seit gut 100 Tagen Informatiker bei der Gemeinde Seon und schätzt vor allem die Vielseitigkeit der Aufgaben. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Er ist ein Pionier. Keine andere Gemeinde dieser Grössenordnung hat einen eigenen System Engineer. Nach gut 100 Tagen im Amt zieht Roger Peier ein positives erstes Fazit seiner Tätigkeit als Seoner Gemeindeinformatiker.

Nicht zuletzt weil man mit der externen Lösung mit einem Anbieter im Kanton Bern unzufrieden war, wählte man bei der Gemeinde Seon einen gänzlich neuen Weg: Man wollte nicht nur die technischen Anlagen in die eigenen Gemarkungen zurückholen, sondern auch das entsprechende Wissen.

Mit dem Betreten dieses Neulands verspricht man sich zudem eine Senkung der Kosten für den gesamten Bereich der Informationstechnologie (IT). Jährliche Einsparungen von 12 000 Franken versprach die Vorlage an der letzten Sommergemeindeversammlung. Die Stimmbürger stimmten für die innovative Lösung.

«Interesse am Ganzen»

Seit November besetzt der 33-jährige Roger Peier die neuartige Stelle. Sein Büro im zweiten Stock des Gemeindehauses ist klein und wirkt wie ein typisches Kämmerchen eines Computerfreaks. Doch Peier fühlt sich an seinem neuen Wirkungsfeld sehr wohl: «Am Arbeitsplatz bin ich eh nicht immer; ich bin viel unterwegs.»

Nach zwölf Jahren in verschiedensten Funktionen bei einem Distributor in Mägenwil reizte Peier die Aufgabe bei einer Gemeinde. «Ich bin immer in die Richtung gezogen, wo ich grosses Verbesserungspotenzial sah.» Bevor er sich für die Stelle in Seon bewarb, hat er sich intensiv informiert und wusste deshalb, worauf er sich einliess.

Die Funktion eines Gemeindeinformatikers interessierte Roger Peier auch, weil er hier als Allrounder wirken kann. An seinem früheren Wirkungsort hätte er sich wohl früher oder später auf einen Bereich spezialisieren müssen. «Mich hat immer das grosse Ganze an der Informatik interessiert», so Peier.

Das lange Warten auf Outlook

Abwechslung hat der Seoner Gemeindeinformatiker nun sowohl beim Betätigungsfeld als auch beim Arbeitsablauf: «Für mich gibt es hier keinen standardisierten Tag.» Er versteht sich vor allem als Dienstleister, um allen Gemeindemitarbeitern die Arbeit am omnipräsenten Computer zu erleichtern: «Schon in der Primarschule habe ich meine Kollegen supportet.»

In Seon geht es nun aber nicht nur um Tipps für kleine Probleme. Hier geht es um die grundsätzlich neue Ausrichtung der Gemeindeinformatik. Mit der Installation von Server und Speicher im Dorf sollen die Wege der digitalen Informationen und die damit verbundenen Wartezeiten verkürzt werden. «Wenn das tägliche Handwerkszeug, der Computer, nicht zuverlässig funktioniert, führt das zu einer Unzufriedenheit», lieferte Gemeindeschreiber Marco Hunziker im letzten Sommer ein triftiges Argument für die Lösung mit dem In-House-System-Engineer.

Roger Peier hat nun eine Situation angetroffen, «in der ich nur gewinnen kann»: Wenn Verwaltungsangestellte am Morgen extrem lange warten müssen, bis das E-Mail-Programm Outlook hochgestartet ist, oder wenn es Minuten dauert, bis ein Dokument ausgedruckt wird oder Daten heruntergeladen sind, stimmt etwas grundsätzlich nicht.

Zur Behebung dieser Missstände werden die Seoner Gemeinde-Computer ab diesem Frühjahr sukzessive vom externen auf einen internen Provider umgestellt. «Mein Ziel ist es, dass die Umstellung Mitte Jahr abgeschlossen ist», sagt Informatiker Peier, «im September läuft der Vertrag mit dem alten Anbieter aus.»

«Es macht Spass hier»

Neben diesem zentralen Projekt kümmert sich Peier um viele andere IT-Aspekte der Gemeinde, wobei er erkennen musste, dass der Bereich Schule viel grösser ist, als zuerst angenommen. Total stehen hier etwa 150 Arbeitsstationen und 20 virtuelle Server.

Dies ist deutlich mehr als die 35 Stationen in Verwaltung, Bauamt und Technischen Betrieben. Immerhin kann er bei der Installation der IT-Infrastruktur beim neuen Schulhaus Hertimatt 3 gleich mitreden: «Das ist schön, da kann ich mit der Systemlandschaft auf einer grünen Wiese operieren.»

Dies ist ein Gegensatz zu vielen andern Bereichen, etwa im alten, bald verlassenen Seetalschulhaus: «Hier habe ich Geräte angetroffen, die schon während meiner Ausbildung alt waren.»

Mittelfristig sollen alle Gemeinde-Computer einheitlich daherkommen. Peier ist auch zuständig für Langfristplanung und Gerätebeschaffung. «Auch hier ist es von Vorteil, wenn man einen Fachmann im Hause hat», so der System-Engineer.

Roger Peier wohnt in Ehrendingen, hat aber keine Mühe mit dem Arbeitsweg: «Die halbe Stunde ist für mich kein Problem.» Dies vielleicht auch, weil er sich in der 5000-Seelen-Gemeinde im Seetal bestens aufgenommen fühlt: «Es macht richtig Spass hier.»

Den engen Kontakt zu den restlichen Mitarbeitenden der Gemeinde schätzt er. Und umgekehrt soll es ähnlich laufen. Ein Grundsatz des Gemeindeinformatikers lautet nämlich: «Wenn man nah bei den Leuten ist, kann man Probleme viel schneller lösen.»

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