Vierfachmord Rupperswil
Gemeindeammann Ruedi Hediger: «Das Mitgefühl ist nach wie vor sehr gross»

Der Gemeindeammann von Rupperswil ist seit 11 Jahren im Amt. Im Kurzinterview spricht er über das Jahr nach dem Vierfachmord und ob der Alltag in Rupperswil wieder eingekehrt ist.

Mario Fuchs
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Chris Iseli

Inwiefern beschäftigt Sie das Tötungsdelikt heute?

Ruedi Hediger: Es beschäftigt einen, weil es jetzt wieder ein Thema ist in den Medien. Man denkt auch daran, wenn man in der Gegend um den Tatort spazieren geht. Wenn man die Angehörigen wieder sieht.

Haben Sie Kontakt zu Ihnen?

Nicht gezielt. Wir hatten früh Kontakt aufgenommen und gefragt, wie wir helfen können. Sie wünschten aber Ruhe. Ab und zu treffe ich im Dorf auf die Eltern oder Grosseltern der Opfer, dann reden wir miteinander. Gerade jetzt kommt natürlich alles wieder hoch. Wichtig ist, dass man die Betroffenen schützt. Sie brauchen Ruhe, wollen für sich sein.

Werden Sie im Dorf oft auf den Vierfachmord angesprochen?

Kaum mehr. Eher, wenn ich beruflich in der Schweiz unterwegs bin. In Rupperswil wartet man auf den Prozess.

Wie war es für Sie, als Sie von der Verhaftung erfuhren?

Eine grosse Erleichterung. Einerseits, weil man den Täter festnehmen konnte. Andererseits, weil ein grosser Erwartungsdruck auf der Polizei gelastet hatte und diese ihre Ermittlungen erfolgreich abschliessen konnte.

Sie gehörten zu jenen, die immer an eine Aufklärung glaubten.

Ich war von Anfang an überzeugt, dass unsere Polizei den Fall aufklären wird. Weil ich sah, wie akribisch sie in allen Bereichen untersuchte. Ich habe auch gegenüber den Bürgern immer mein Vertrauen in die Polizei gezeigt.

Ist die Gemeinde in die laufende Strafuntersuchung involviert?

Nein. Seitdem der Täter gefasst wurde, hatten wir keinen Kontakt mehr zu Staatsanwaltschaft oder Polizei.

Ist der Alltag wieder eingekehrt?

Ich würde schon sagen. Es gibt natürlich spezielle Situationen. An der Gemeindeversammlung etwa, als ich wie jedes Jahr die Namen aller Verstorbenen verlas, spürte man eine besondere Anteilnahme. Aber im Gemeinderat hatten wir so viel Arbeit, dass man die Tragödie etwas verdrängen konnte.

Verdrängung als Bewältigung?

Vielen Dorfbewohnern ging es wohl ähnlich. In Rupperswil wird nicht mehr gross darüber geredet. Das soll auf keinen Fall die Tragik negieren oder das Mitgefühl mit den Angehörigen schmälern. Im Gegenteil: Das Mitgefühl ist nach wie vor sehr gross.