Fahrwangen

Gemeindeammann Patrick Fischer: «Bei uns tut jede zusätzliche Ausgabe weh»

So nah und doch so fern: Fahrwangen (Bild) und Meisterschwanden sind räumlich miteinander verwachsen. Doch die Steuerfüsse liegen weit auseinander.

So nah und doch so fern: Fahrwangen (Bild) und Meisterschwanden sind räumlich miteinander verwachsen. Doch die Steuerfüsse liegen weit auseinander.

Wird das Volk die notwendige Steuerfusserhöhung auf 118 Prozent bewilligen?

Verglichen mit der Nachbargemeinde Meisterschwanden, geht es Fahrwangen finanziell nicht besonders gut. Die Pro-Kopf-Verschuldung per Ende 2016 betrug 4170 Franken — mehr als das Achtfache des Kantonsdurchschnitts. Um in Zukunft nicht Jahr für Jahr noch grössere Defizite zu generieren, wird der Gemeinderat an der Gmeind vom 21. November beantragen, beim bisherigen Steuerfuss vom 118 Prozent zu bleiben. Dies bedeutet aufgrund der neuen kantonalen Aufgaben- und Lastenverschiebung (ALV) faktisch eine Erhöhung um 3 Prozent. Aber selbst das ist, gemessen an der finanziellen Lage Fahrwangens, noch moderat.

Ideal wären 126 Prozent

«Um ein ausgeglichenes Budget zu erreichen, bräuchten wir eigentlich einen Steuerfuss von 126 Prozent», erklärt Gemeindeammann Patrick Fischer. «Angesichts dieser Situation tut uns natürlich jede zusätzliche Ausgabe weh. Doch es bleibt uns nichts anderes übrig, als Jahr für Jahr alles neu zu analysieren, entsprechend umsichtig zu planen und zu hoffen, dass nichts Aussergewöhnliches hinzukommt.» Die Herausforderung liege dabei vor allem darin, die nötigen Projekte auch mit minimalen Budgets möglichst effizient und in guter Qualität zu realisieren. Ist mit Widerstand gegen die geplante Steuerfusserhöhung zu rechnen? «Eher ja», vermutet Patrick Fischer, «eine Steuerfusserhöhung gibt eigentlich immer zu reden. Wir haben aber gute Argumente für unseren Antrag, die nicht so leicht wegdiskutiert werden können.»

«Das Erschliessungsprojekt Oberes Zelgli/Ebnet ist eine wichtige Investition in die Zukunft»

Patrick Fischer, Gemeindeammann Fahrwangen

«Das Erschliessungsprojekt Oberes Zelgli/Ebnet ist eine wichtige Investition in die Zukunft»

Das Problem sei, dass der Steuerfuss-Abtausch mit dem Kanton – obwohl ursprünglich sicher gut gemeint – der Gemeinde Fahrwangen mehr schade als nütze. Fischer: «Die neue ALV bringt für Fahrwangen im Vergleich von Rechnung 2016 und Budget 2018 einen Mehraufwand von 335'000 Franken bei Mehreinnahmen von 217'000 Franken, was unter dem Strich eine Mehrbelastung von 118'000 Franken ausmacht. Und das wiederum entspricht ziemlich genau den drei Steuerprozent.»

Unausweichliche Ausgaben

Auf der Ausgabenseite muss Fahrwangen gleich mit mehreren kostspieligen Projekten fertig werden. Da ist einmal die Sanierung der im Kataster der belasteten Standorte eingetragenen Deponie Wangenhölzli. Hier wurde bis in die 1970er-Jahre Kehricht entsorgt, später kamen Grünabfälle hinzu. Das Problem: Unter der ehemaligen Deponie fliessen zwei eingedolte Bäche, der Dubelbach und der Altholzbach. Nun haben Untersuchungen gezeigt, dass die Röhren stark beschädigt sind, wodurch Sickerwasser in die Leitungen eindringt. Eine Verschmutzung der beiden Bäche kann nicht ausgeschlossen werden. Die Kosten für die geplante Sanierungsvariante werden mit total 616'000 Franken veranschlagt. Jedoch wird sich der Bund mit 40 Prozent und der Kanton mit 30 Prozent daran beteiligen, weshalb die Kosten für Fahrwangen im Endeffekt bei 185'000 Franken liegen dürften. Eine nicht zu unterschätzende Investition bedeutet auch Fahrwangens Beitrag an die Sanierung der ARA Hallwilersee in Höhe von 124'000 Franken. «Das ist ein typisches Infrastrukturprojekt, hier müssen wir uns gemäss dem geltenden Verteilschlüssel beteiligen, wir haben gar keine andere Wahl», so Fischer.

Investition in die Zukunft

In eine etwas andere Kategorie fällt das Erschliessungsprojekt Oberes Zelgli/Ebnetweg. Der Kreditantrag von über 1,2 Millionen Franken bedeutet für Fahrwangens Budget eine hohe Belastung – doch für Patrick Fischer ist es eine wichtige Investition in die Zukunft: «Mit diesem Projekt werden attraktive Wohnlagen erschlossen, auf diese Weise holen wir neue Steuerzahler ins Dorf. Das bedeutet im Endeffekt einen gewissen ‹Return on Investment› und ist eine der wenigen Möglichkeiten, die finanzielle Lage der Gemeinde langfristig zu verbessern.»

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