Schnell wird klar: Der neue Othmissinger Gemeindeammann spricht lieber über die Gemeinde, die anstehenden Projekte, über seine neue Rolle als Vorsteher des Gremiums, dem er bereits seit zehn Jahren angehört, als über sich selber. «Hmmm», meint er im ersten Moment, vielleicht etwas überrascht vom persönlichen Einstieg ins Gespräch und der Frage: Wer ist die Person hinter dem Namen Markus Briner? Einen kurzen Moment zögert er, verschränkt seine Hände ineinander und legt sie auf den Tisch. Seine Antwort passt: Er sei ein sachlicher Mensch, loyal, interessiert und engagiert. Attribute, die dem 55-Jährigen seinen Job sicher angenehmer gestalten dürften.

Im November letzten Jahres wurde Markus Briner als Nachfolger von Fritz Wirz komfortabel ins Amt gewählt. Obwohl: «Auch nach 28 Jahren gelte ich bei den Othmissingern immer noch als Zugezogener.» Markus Briner schmunzelt. Im Jahr 1989 ist er ins Dorf gezogen. Seit zehn Jahren sitzt er im Gemeinderat. Mit der Person Briner ging die politische Führung der Behörde von Othmarsingen vom Freisinn zu einem Parteilosen. Auf die Frage, wo er ohne Parteibüchlein den politischen Rückhalt habe in der Dorfbevölkerung, erklärt der neue Ammann, er fühle sich von links nach rechts gut aufgehoben.

Persönliche Geschichte

Markus Briner besitzt eine KMU für Informatik-Dienstleistungen und beschäftigt drei Mitarbeitende. Seine vier Kinder sind flügge geworden. Mit dem jüngsten Sohn führt er einen Männerhaushalt, eine Tochter lebt bei ihrer Mutter. Für Briner waren die Voraussetzungen gegeben, sich um den Posten des Gemeindeammanns zu bewerben.

Am Amt gereizt hat Markus Briner die Möglichkeit zum Gestalten, die Pflege eines noch grösseren Netzwerkes und nicht zuletzt das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl. Dieser Charakterzug hat ihn vor Jahren auf die politische Bühne gebracht. Eine persönliche Geschichte. «Das ist lange her», sagt er. Schwamm drüber. Doch von diesem Moment an hat Markus Briner das Geschehen in der Gemeinde genau verfolgt, ist an der Gemeindeversammlung wenn nötig aufgestanden und hat das Wort ergriffen. Nicht zur Freude aller. «Am Anfang war ich eher ein Oppositionspolitiker», gesteht er und lacht. Seine politische Umtriebigkeit hat ihn rasch einmal auf den Radar der Behörden und in den Gemeinderat gebracht.

Halbe Million für Asylbereich

Die politische Agenda des neuen Gemeindeammanns ist gut bestückt. Doch Briner betont, sein Vorgänger habe «das Pult gut aufgeräumt.» Zu den wichtigsten aktuellen Geschäften gehört der Bau eines Doppelkindergartens beim Schulhaus Zelgli. Der Baukredit ist im Moment für die Sommergmeind traktandiert. Das Dorf Othmarsingen ist in den letzten zehn Jahren um 24 Prozent gewachsen auf 2700 Personen. Moderates Wachstum ist auch für den neuen Gemeindeammann ein Thema. «Es hat noch ein paar Baufelder.» «Geerbt» hat Briner auch die geplante Zentrums-Überbauung mit neuem Gebäude für die Gemeindeverwaltung in den Matten auf dem ehemaligen Marti-Areal. Das Bauvorhaben kam bisher mangels Investor nicht vom Fleck.

Sorgenfalten bekommt Markus Briner, wenn er über die Entwicklung der Finanzen von Othmarsingen spricht. Die Sozialkosten steigen. Allein für den Asylbereich habe man im vergangenen Jahr gegen eine halbe Million aufgewendet, welche vorläufig vom Kanton noch vergütet werden. Wie sich dieser Posten in Zukunft entwickeln wird, hängt im Wesentlichen von der neuen Aufgabenverteilung zwischen Kanton und Gemeinde ab. Doch klagen will Markus Briner nicht: «Die Gemeinde Othmarsingen ist im Moment gut aufgestellt. Der Steuerfuss liegt bei 110 Prozent.» Gleichwohl ist sich der neue Gemeindeammann nicht sicher, ob dieser künftig beibehalten werden kann. «Die Ungewissheit über die Kostenentwicklung hindert uns, überschwänglich zu werden», folgert er.

Zeit für Hobby muss sein

25 bis 35 Prozent schätzt er, wird er für die Gemeindearbeit aufwenden müssen. Durchschnittlich. Nicht zu kurz kommen soll auch in Zukunft sein Hobby. Markus Briner ist seit Jahren ein begeisterter Fussballtennisspieler. Eine Randsportart, bei welcher Fussball über das Tennisnetz gespielt wird. Der übers Netz gespielte Fussball darf auf einer Seite nur einmal den Boden berühren und muss dann wieder in die gegnerische Hälfte spediert werden. Und zudem sagt Briner von sich, sei er ein Genussmensch und habe gerne «etwas Gutes auf dem Teller», am liebsten aus der mediterranen Küche. Dazu sitzt er am liebsten am schönsten Ort in Othmarsingen. Das ist für den Gemeindeammann auf dem Sitzplatz seines Hauses, wo er einen freien Blick ins Grüne geniesst.