Ammerswil

Gemeindeammann bringt an seiner letzten Versammlung Steuererhöhung durch

Hanspeter Gehrig tritt als Ammann von Ammerswil ab.

Hanspeter Gehrig tritt als Ammann von Ammerswil ab.

Für Hanspeter Gehrig war die letzte Gemeindeversammlung ein Erfolg. Der abtretende Ammann brachte eine Steuererhöhung um zehn Prozentpunkte durch.

«Wir haben ein Problem.» Gemeindeammann Hanspeter Gehrig nahm an der Gemeindeversammlung vom Freitagabend kein Blatt vor den Mund und beschönigte nichts. Er musste den 63 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern eine satte Steuerfusserhöhung schmackhaft machen. Von bisher 98 Prozent soll der Steuerfuss 2018 auf 105 Prozent steigen. Rechnet man den Steuerfussabtausch mit dem Kanton von drei Prozent hinzu, beantragte der Gemeinderat gar eine Erhöhung von zehn Prozentpunkten.

«Die Leute begreifen das, wenn man gute Argumente bringt», erklärte Gehrig nach der Versammlung und er hatte mit dieser Taktik Erfolg: Mit nur gerade 5 Gegenstimmen nahmen die anwesenden Stimmbürger den Voranschlag 2018 mit einem Gemeindesteuerfuss von 105 Prozent an.

Was sind die Gründe für diesen Antrag? Einerseits sind die Einnahmen der Gemeinde eingebrochen. «Seit drei Jahren bin ich am Jammern wegen des Steuerertrags», meinte Gehrig. Um 15 Prozent ist dieser seit 2012 zurückgegangen. Als Grund nannte er Wegzüge, aber auch Mindererträge, die wohl auf Lohneinbussen oder abzugsfähige Investitionen in Liegenschaften zurückzuführen sind.

Ausgaben wachsen

Die Ausgaben andererseits werden immer mehr: Der Steuerfussabtausch mit dem Kanton entlastet nicht, sondern bringt sogar Mehrkosten von einem Prozent. Unter anderem müssen die Gemeinden neu für die nicht bezahlten Krankenkassenprämien aufkommen. Ausserdem hat Ammerswil ungewöhnlich teure Sozialfälle und neu muss der Zugang zur familienergänzenden Kinderbetreuung finanziert werden.

Selbstverständlich wurden auch Einsparungen geprüft. «Wir haben alles angeschaut, aber über 90 Prozent der Ausgaben sind Fixkosten», so Gehrig. Sparen könnte man bei der Bibliothek, dem Seniorenausflug oder der Jungbürgerfeier. «Aber wir wollen doch nicht alles abstellen, die Gemeinde soll auch noch leben», erklärte der Ammann.

Zwar wäre auch eine weniger drastische Steigerung des Steuerfusses möglich, aber das wäre nicht nachhaltig. «Eine weitere Erhöhung in ein bis drei Jahren wäre unumgänglich», verkündete Gehrig. Der Souverän liess sich überzeugen und stimmte der Steuerfusserhöhung diskussionslos und mit grossem Mehr zu.

Ausserdem stand ein zusätzlicher Ausgabeposten, der die Gemeinderechnung zukünftig belastet wird, auf der Traktandenliste: die familienergänzende Kinderbetreuung. Auch der Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgabe wurde mit grossem Mehr zugestimmt.

18 Jahre im Gemeinderat

Hanspeter Gehrig leitete am Freitag seine letzte Gemeindeversammlung. Nach 18 Jahren im Gemeinderat, davon 12 Jahre als Gemeindeammann, tritt er auf Ende Jahr zurück. Seine Nachfolgerin Marianne Horner eröffnete ihm, dass er seine neugewonnene Freizeit auf einer Sitzbank, die aus einer Eiche aus dem Ammerswiler Wald gefertigt wurde, verbringen könne.

«Ich hätte lieber mit einem angenehmeren Traktandum als einer Steuerfusserhöhung abgeschlossen», meinte Gehrig. «Aber das wollte ich nicht meiner Nachfolgerin aufbürden.» Die grosse Zustimmung sei nicht selbstverständlich. «Aber in Ammerswil reden wir auch unter dem Jahr viel miteinander», erklärte er das Vertrauen der Bevölkerung in den Gemeinderat und fügte hinzu: «Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt zum Aufhören, aber ich würde den Job jederzeit wieder machen, ich habe viele interessante Sachen erlebt.»

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