Seengen

Gemeinde verkauft «Spittel» an Aprikosen-Bauer – Pächterfamilie bekommt langfristige Perspektive

Das Bürgerheim (vorne links) mit seinen Kulturen. Im Hintergrund der Hallwilersee.

Das Bürgerheim (vorne links) mit seinen Kulturen. Im Hintergrund der Hallwilersee.

Das Spittelguet zwischen Boniswil und Seengen soll von der Gemeinde verkauft werden. Der Käufer ist einer der Seetaler Aprikosen-Bauern und bekommt dadurch eine langfristige Perspektive.

Es ist ein grosser Schritt für die Pächterfamilie Siegrist und ein Befreiungsschlag für die Gemeinde Seengen, die mit dem sanierungsbedürftigen «Spittel» ein Sorgenkind loswird, aber gleichzeitig wertvolles Land behalten kann – immer vor­ausgesetzt, dass die Stimmbürger am 5. Juni an der Gemeindeversammlung den Tausch- und Kaufvertrag absegnen. Der ohnehin schon sehr gut situierten Gemeinde (Steuerfuss 77%, Tendenz sinkend) würden 1,37 Millionen Franken überwiesen.

Letzter «Spittel»-Bewohner ist seit 22 Jahren da

Seengen gehört zu den wenigen Gemeinden, die noch über ein eigenes Bürgerheim verfügen. Der «Spittel» ist 1850 zuerst von der Ortsbürgergemeinde, 1937 dann von der Einwohnergemeinde erworben worden. Der Landwirtschaftsbetrieb war stets auch eine Art Altersheim mit sechs Plätzen. Aktuell wohnt noch eine Person da. Sie lebt seit 22 Jahren im «Spittel» und kann bleiben. Das Gebäude ist nicht nur sanierungsbedürftig, sondern es ist ihm auch die Heim­anerkennung abgesprochen worden. Das heisst, es hat als Altersinstitution keine Zukunft mehr.

Eine Zukunft hat aber der Landwirtschaftsbetrieb der «Spittel»-Pächter-Dynastie Siegrist. Aktuell wird der Betrieb von der zweiten Generation, Robert und Ursula Siegrist, geführt. Deren 30-jährige Tochter, eine gelernte Bäuerin, und ihr Partner arbeiten auch schon auf dem Hof mit.

Der Käufer ist einer der «Aprikosen-Bauern»

Die Siegrists bewirtschaften 50,2 Hektaren Land. Sie haben 80 Kühe, bauen auf 3 Hektaren Obst und auf 2 Hektaren Erdbeeren an. Zudem haben sie 20 Aren Himbeeren, eine sehr arbeitsintensive Kultur. Robert Siegrist ist einer der beiden Seetaler Aprikosen-Bauern, die nach einer Intervention von Pro Natura möglicherweise ihre fälschlicherweise bewilligten Folientunnel rückbauen müssen (das Verfahren läuft noch).

Das Spittelguet liegt zwischen Boniswil und Seengen, nördlich der Kantonsstrasse – nicht im Bereich des Hallwilerseeschutzdekretes, aber in einer anderen Landschaftsschutzzone. Das Gebäude, das eigentliche Bürgerheim, liegt raumplanerisch in einem «Siedlungsei». Eine Gebäudesanierung sollte darum relativ einfach möglich sein.

Die Familie Siegrist übernimmt den Hof und das Land darum herum. Sie tritt im Gegenzug nahezu gleich viel eigenes Land an die Gemeinde ab und leistet eine Zahlung (primär für das Gebäude) von 1,372 Millionen Franken.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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