Am 1. Juni wird Ammerswil seine Gemeindeversammlung abhalten. Dem dort zu verabschiedenden Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, dass der Gemeinderat bei einem Immobiliengeschäft einen Rückzieher gemacht hat: Die Milchgenossenschaft Ammerswil hatte der Gemeinde schon vor einigen Jahren angeboten, ihr die ehemalige Käserei vis-à-vis des Gemeindehauses zu verkaufen.

Nachdem sich der Gemeinderat lange Zeit interessiert gezeigt hatte, ist er nun im vergangenen Sommer zum Schluss gekommen, dass ein Kauf nicht infrage kommt. Grund dafür seien grössere anstehende Investitionen und die gesunkenen Steuereinnahmen. Ammerswil hat letztes Jahr zum ersten Mal seit 1995 den Steuerfuss erhöht, und zwar gleich von 98 auf 105 Prozent. Der Milchgenossenschaft teilte die Gemeinde mit, dass ihre Offerte über den Schätzwert von 350 000 Franken zwar fair sei, die Gemeinde zur Zeit aber andere Prioritäten habe. Der Besitzerwechsel zwischen Milchgenossenschaft und Gemeinde wäre der Idealfall gewesen, denn Letztere besitzt bereits eine Nachbarparzelle.

«Mit den beiden zusammen könnte man bestimmt etwas Gutes machen», sagt Oskar Gehrig. Er betreut für die Milchgenossenschaft den Hausverkauf. Seit der Absage der Gemeinde im letzten Sommer hätten sich zwei Interessenten gemeldet. Doch der erste wollte umfassend umbauen, und war nicht bereit, den Schätzwert zu bezahlen. Der zweite brach irgendwann den Kontakt ab. Nun plant die Milchgenossenschaft, sich an einen Immobilienmakler zu wenden. Denn bis heute war die Liegenschaft noch nirgends zum Verkauf ausgeschrieben.

«Im Estrich haben wir für ordentlich Geld eine gute Wohnung eingebaut», sagt Gehrig. Sie wird derzeit an einen Gastarbeiter einer Gärtnerei vermietet. Und im Erdgeschoss stehen drei Räume. Einer dient einem begeisterten Modellflieger als Hobbyraum, die beiden anderen stehen aktuell leer. «Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ein Käufer da etwas anderes machen will», sagt Gehrig. Nur abreissen, das kommt zum Glück kaum infrage: Weil das Gebäude auf seiner relativ kleinen Parzelle direkt an der Kantonsstrasse steht, wäre ein kompletter Neubau zu den heutigen Regeln kaum noch realisierbar.

Gutes Jahr für Ammerswil

Ammerswil darf an der kommenden Gemeindeversammlung ein gutes 2017 abhaken. Die Rechnung fiel dank einiger Sondereffekte besser aus als erwartet und schloss mit einem Überschuss von fast 290 000 Franken ab. Allerdings wurden der Aufwertungsreserve 137 000 Franken entnommen. Dazu kommt ein Mehrertrag aus dem Finanzausgleich über 320 000 Franken. Ausserdem wird gut gebaut, 20 Baubewilligungen spülten weitere 60 000 Franken in die Kassen. Doch trotz einmaliger Effekte, die Gemeinde dürfte auch für dieses Jahr gerüstet sein, hat sie doch ihren Steuerfuss von 98 auf 105 Prozent erhöht. Ammerswil dürfte es verkraften, denn es war die erste Erhöhung seit 1995.

Dafür konnten lang erwartete Geschäfte in Angriff genommen werden: Die Sanierung des Buswendeplatzes beim Gemeindehaus Ammerswil sowie die Sanierung der Hauptstrasse und des Strübi-/Krebsbaches sind im Gang. Dazu kommen rund 1,8 Millionen Franken teure Wasser- und Abwasserprojekte.