Für den Beinwiler Bootsbauer und Segellehrer Ursus Merz ist der Fall klar: «Das Eis hält und ist so dick wie seit Jahrzehnten nicht mehr», sagte der Hallwilersee-Kenner, als er am Mittwoch für die az Aargauer Zeitung das Eisfeld beim Seenger Zopf testete.

Ursus Merz, testet die Eisfläche beim Seenger Zopf.

«Das Eis ist super, aber trotzdem aufgepasst!»

Ursus Merz, testet die Eisfläche beim Seenger Zopf.

Dieses ist seit Anfang Monat dank klirrender Kälte auf eine stattliche Grösse von mehreren Fussballfeldern gewachsen und erstreckt sich nun von der Schiffstation bis zum Aabach. Für Ursus Merz ist das Eis in einem guten Zustand: «Hier müssten jetzt ganze Familien und Vereine auf den Schlittschuhen stehen.»

Gemeinde fehlt das Fachwissen

Die Gemeinde Seengen jedoch ist wegen dem Eisfeld alarmiert. «Wir empfehlen, dieses nicht zu betreten», sagt Gemeindeschreiber Hans Schlatter. «Wir wissen nicht, ob das Spazieren oder Schlittschuhlaufen auf dem Eis gefährlich ist.» Eine offizielle Freigabe könne die Gemeinde nicht erteilen. «Wir haben weder das nötige Fachwissen noch das Personal für Kontrollen», sagt Schlatter.

Doch wer hat die Kompetenz, das Seenger Eisfeld seriös zu prüfen und allenfalls für die Öffentlichkeit freizugeben? Im Gemeindehaus verweist man auf die Seepolizei. Gleich tönt es beim Kanton: «Für den Hallwilersee ist die Seepolizei zuständig», sagt Urs Egloff, Hochwasserbeauftragter bei der Abteilung Landschaft und Gewässer.

Nur: Die sechs Angehörigen der Seepolizei - oder neu Gewässerpolizei - sind zwar im Nebenamt für die Sicherheit auf dem See zuständig, jedoch nicht für die Freigabe von Eisflächen. «Dies ist Aufgabe der Gemeinde», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau.

Fazit: Die Verantwortung für das Eislaufen auf dem Hallwilersee ist nicht klar geregelt und weder Gemeinde, Kanton noch die Polizei wollen sich deshalb in dieser Frage aufs Glatteis begeben.

«Ich kenne die Risiken»
Freigabe hin oder her: Nachdem die az Aargauer Zeitung am Freitag über das Eisfeld in Seengen berichtet hat, tummelten sich gestern Nachmittag bereits ein Dutzend Kinder und Erwachsene auf dem leicht zugeschneiten Eis.

«Es ist herrlich», sagte ein Mann aus Seengen. «Das Eis ist sicher 10 Zentimeter dick und hält.» Dennoch sei eine offizielle Freigabe des Feldes der falsche Weg. «Derjenige, der das Eis freigibt, ist sofort verantwortlich.» Die defensive Haltung der Gemeinde halte er deshalb für richtig. «Ich bin hier aufgewachsen und kenne die Risiken. Diese Verantwortung sollte jeder selber tragen.»

Ähnlich sieht dies Claudia Reichert aus Seon, die sich nach anfänglicher Skepsis mit ihrem Sohn Janosch und dessen Kollegen aufs Eis gewagt hat. «Ich gehe nur so weit raus, wie ich mich sicher fühle», sagte Reichert. Mehr als pudelwohl auf dem Eis fühlt sich trotz der bitteren Kälte Janosch: «Wir haben das Eis ausprobiert - und es ist voll cool.»