Attraktion
Gemeinde gewährt exklusive Einblicke in verbotene Räume

Die Gemeinde Staufen öffnet für einmal Türen, auf deren Eingang das Warnschild «Kein Zutritt» prangt.

Sibylle Haltiner
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Der Rundgang bot einen seltenen Blick in den Felsenkeller.Sibylle Haltiner

Der Rundgang bot einen seltenen Blick in den Felsenkeller.Sibylle Haltiner

Sibylle Haltiner

Ins alte Reservoir hinunterzuklettern war für die Kinder die grosse Attraktion, aber auch Nervenkitzel. Durch eine enge Öffnung durften sie über eine Eisenleiter in die kühlen Becken steigen, die leicht bedrückende Atmosphäre des ehemaligen Wasserspeichers spüren und das Echo ausprobieren. «Es ist etwas gruselig», meinte ein Mädchen beim Hinaussteigen.

Ab 1908 floss Wasser in Häuser

Neben Informationen über Altholzinseln, Holzschlagvolumen und Neophyten durch Mitarbeiter des Forstbetriebs Lenzia und Gemeinderat bot der Waldumgang als besondere Attraktion Zugang zu sonst verschlossenen Räumlichkeiten am und im Staufberg. Das alte Reservoir war eine davon: Die beiden je 150 Kubikmeter fassenden Becken wurden 1908 eingeweiht und bescherten den Haushalten in Staufen erstmals fliessendes Wasser. Zuvor musste dieses an den Dorfbrunnen geholt werden. «Auch heute noch speisen Quellen die öffentlichen Brunnen im Dorf», erklärte Alfred Sandmeier, der sich zusammen mit weiteren Freiwilligen des sogenannten Sodbrunnenteams um die Instandhaltung des alten Reservoirs kümmert. «Wir sollten Sorge tragen zu ihnen, denn wenn der Strom ausfällt, fällt auch die Wasserversorgung via Reservoir aus.»

Im Jahr 1979 wurde der alte Wasserspeicher durch ein neues Reservoir ersetzt. Auch zu diesem stand die Türe am Wochenende offen. Die zwei Becken, die je 850 Kubikmeter Wasser fassen, konnten nur durch eine Glasscheibe betrachtet werden, denn sie waren selbstverständlich gefüllt. «Die Besucher interessieren sich vor allem für den Verbrauch, aber auch für die Löschwasserklappe», sagte Gemeindeammann Otto Moser, der gerne darüber sprach und auch über die Bedeutung dieser Klappe informierte. «Sie wird nur in einem Brandfall geöffnet, dann kann auch die 300 Kubikmeter umfassende Löschwasserreserve, die für solche Notfälle zurückgehalten wird, abfliessen.»

Nutzungsideen sind gefragt

Am Fuss des Staufberges stand ein weiteres Tor offen. Es gab den Weg frei in den Felsenkeller, der 1850 von Oberst Hühnerwadl, einem Bierbrauer, gebaut wurde, um Eis zu lagern. Später wurde der in den Berg hinein gehauene Raum für die Aufbewahrung von Obst und Gemüse verwendet. «Bis im letzten Jahr lagerten hier Kartoffeln», erzählte Gemeinderat Pascal Furer. Nun sucht die Ortsbürgergemeinde als Besitzerin des 5,5 auf 10,5 Meter grossen Raumes nach anderen Verwendungsmöglichkeiten. «Wir haben einen Aufruf gemacht, es kamen jedoch keine Vorschläge», sagte Furer. Eine sinnvolle Nutzung sei schwierig wegen der Feuchtigkeit. «Käse könnte man gut einlagern», meinte ein Besucher. «Auch Champignons könnte man züchten, die Zufahrt ist für eine kommerzielle Nutzung jedoch nicht ideal», fügte Furer hinzu. «Wer eine gute Idee hat, soll sich bei mir melden.»