Beinwil am See
Gemeinde bricht Wettbewerb ab – Architekten wollen Schadenersatz

Was selten vorkommt, ist beim Hotel Löwen in Beinwil am See passiert: Ein Architektur-Wettbewerb für ein Bauprojekt muss abgebrochen werden. Zwei Architekten akzeptieren das nicht und wollen von der Gemeinde Schadenersatz.

Pascal Meier
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Das leerstehende und baufällige Hotel/Restaurant Löwen soll zur Gemeindeverwaltung umgebaut werden.Chris Iseli

Das leerstehende und baufällige Hotel/Restaurant Löwen soll zur Gemeindeverwaltung umgebaut werden.Chris Iseli

Chris Iseli

Das repräsentative Hotel/Restaurant Löwen in Beinwil soll zur Gemeindeverwaltung umgebaut werden. Weil laut einer Mitteilung des Gemeinderats aber keines der fünf Projekte genügt und diese das Kostendach von 4,9 Millionen überschreiten, musste die Jury die Notbremse ziehen und den Wettbewerb abbrechen.

Zwei Architekturbüros haben nun gegen diesen Entscheid beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingereicht. «Die Mitteilung des Gemeinderats wirkt, als hätten wir versagt», kritisiert einer der beschwerdeführenden Architekten. «Doch es ist umgekehrt.» Jury und Gemeinderat hätten den Abbruch selbst verursacht, wenn auch nicht mutwillig. Dies aus zwei Gründen:

Gegenüber einer Metron-Studie, die für den Umbau des «Löwen» zur Verwaltung mit 4,9 Millionen rechnet, habe der Gemeinderat die Fläche für die Verwaltung nachträglich vergrössert und einen zusätzlichen Vereins-/Mehrzweckraum eingeplant – ohne aber das Kostendach anzupassen. «Deshalb haben einige Projekte die 4,9-Millionen-Grenze überschritten», sagt der Architekt. Andere Projekte hätten den Kostenrahmen trotz Erweiterung einhalten können. «Dass die Jury jetzt kritisiert, die Projekte seien zu teuer, ist ein Affront.»

Sechs Wochen nach Start des Wettbewerbs fand eine Zwischenbesprechung statt, an der die Architekten ihre Ansätze präsentierten. Danach änderte die Jury überraschend den Perimeter, das heisst die Grenzen des bebaubaren Grundstücks. «Das war ein verheerender Entscheid», kritisiert ein weiterer Architekt. «Einige Büros mussten ihr Projekt ändern, andere blieben auf dem alten Perimeter. So waren die Projekte nicht mehr vergleichbar.»

Spricht man mit den Architekten, ist noch immer Enttäuschung und Unverständnis über den Abbruch des Wettbewerbs zu spüren. Was besonders ärgert: Wenn schon ein Abbruch, dann hätte dieser viel früher erfolgen müssen. Denn die Jury habe bereits beim Start des Wettbewerbs am 14. Januar 2014 angedeutet, dass das Projekt schwierig umzusetzen sei und man eventuell die Notbremse ziehen müsse. Das bestätigen mehrere Beteiligte. Deshalb wurde am 26. Februar eine Zwischenbesprechung angesetzt, was unüblich ist.

Danach waren die Architekten jedoch guter Dinge: «Wir hatten selten eine so gute Kritik», so ein Teilnehmer. Ein zweiter Architekt bestätigt: «Ein Abbruch des Wettbewerbs war nun kein Thema mehr.» Auch nach der Vorprüfung der Pläne durch die Jury im Mai sowie nach der Abgabe der Modelle zwei Wochen später gab es laut den Architekten keine negativen Rückmeldungen.

Vertrauensverhältnis zerstört

Der Hammer folgte wenige Tage später: Am 12. Juni teilte die Jury mit, dass der Wettbewerb abgebrochen wird. Obwohl sorgfältig ausgearbeitet, sei kein Projekt zielführend. Die Architekten waren schockiert. «Das merken sie erst, nachdem die Projekte mehrfach geprüft wurden und wir hunderte Stunden Arbeit investiert haben!», ärgert sich ein Teilnehmer. «Das war eine Enttäuschung, auch menschlich.»

Die Architekten wollten eine Aussprache, auf die der Gemeinderat laut den Betroffenen nicht einging. Stattdessen habe dieser viel später vorgeschlagen, die Projekte unter neuen Rahmenbedingungen zu überarbeiten. Alle Büros lehnten ab. «Das erschien uns hilflos und fragwürdig. Zudem war das Vertrauensverhältnis zerstört», sagt einer der Architekten, der mit einem Mitbewerber einen Anwalt einschaltete. Dieser reichte dann beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Projektabbruch ein.

Kosten von 70 000 Franken

Mit ihrer Beschwerde wollen die Architekten den Abbruch des Projektwettbewerbs nicht rückgängig machen. Es geht ihnen viel mehr ums Prinzip. «Man gibt uns die Schuld am ganzen Schlamassel, was wir nicht akzeptieren. Die Gemeinde muss die Verantwortung dafür übernehmen.» Für den Abbruch des Wettbewerbs hätten die Architekten, die anonym bleiben möchten, grundsätzlich Verständnis. «Wir wussten, dass das ‹Löwen›-Projekt eine Knacknuss ist. Der sehr späte Abbruch hat uns aber unnötig hohe Kosten von rund 70 000 Franken pro Büro verursacht – dies für ein Honorar von 8000 Franken.»

Zwar wussten die Büros um die vergleichsweise kleine Entschädigung, erhofften sich aber den lukrativen Folgeauftrag. Weil nun kein Sieger feststeht, ist der Ärger doppelt gross. «Keine Jurierung ist schlimmer als ein schlechter Rang», sagt ein Architekt. «Es sieht so aus, als wären wir der Aufgabe nicht gewachsen gewesen.» Dies zeigten Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Gemeinderat in der Zwickmühle

Die Architekten prüfen deshalb Schadenersatz-Forderungen. «Die Änderungen der Rahmenbedingungen während des Verfahrens waren nicht rechtens», sind die Beschwerdeführer überzeugt. Die Büros haben ihre Beschwerde jedoch mit einem Sistierungsantrag verbunden, der eine aussergerichtliche Einigung möglich macht.

Trotz Kritik unterstellen die Architekten den Behörden keinen bösen Willen: «Jury und Gemeinderat sind in einer Zwickmühle: Sie können den Volkswillen für eine Gemeindeverwaltung im ‹Löwen› fast nicht umsetzen – und wenn, dann nicht zu diesem Preis», so ein Architekt. Eine moderne Gemeindeverwaltung und die Ansprüche der Denkmalpflege seien schwierig miteinander zu vereinbaren. Ein anderer Architekt hält fest: «Es ist zu viel schiefgelaufen. Jetzt liegen fünf ausgearbeitete Projekte auf dem Tisch, die niemand will.»

Gemeinderat: «Wir halten am Abbruch fest» Der Gemeinderat möchte sich derzeit wegen des laufenden Verfahrens nicht zu den Vorwürfen äussern. Ammann Peter Lenzin hält jedoch grundsätzlich fest: «Natürlich steht es jedem Büro frei, Beschwerde gegen unseren Entscheid einzureichen. Wir sind aber der Meinung, dass wir uns an das öffentliche Vergaberecht gehalten haben.» Laut diesem könne ein Wettbewerb aus gewichtigen Gründen abgebrochen werden. «Wir haben dies von einem Anwalt prüfen lassen und werden am Entscheid, den Wettbewerb abzubrechen, festhalten.»

Gemeinderat: «Wir halten am Abbruch fest» Der Gemeinderat möchte sich derzeit wegen des laufenden Verfahrens nicht zu den Vorwürfen äussern. Ammann Peter Lenzin hält jedoch grundsätzlich fest: «Natürlich steht es jedem Büro frei, Beschwerde gegen unseren Entscheid einzureichen. Wir sind aber der Meinung, dass wir uns an das öffentliche Vergaberecht gehalten haben.» Laut diesem könne ein Wettbewerb aus gewichtigen Gründen abgebrochen werden. «Wir haben dies von einem Anwalt prüfen lassen und werden am Entscheid, den Wettbewerb abzubrechen, festhalten.»

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