Sammlungszentrum
Gemälde, Rüstungen, Waffen, Mumien – und jetzt zieht auch Papa Moll ins Museum

In Egliswil hütet der Kanton 55'000 Schätze in einer unscheinbaren Lagerhalle am Dorfrand – und nun wird auch eine Papa-Moll-Puppe im Sammlungszentrum von Museum Aargau gelagert. Die Kinder der Erfinderin Edith Oppenheim haben die Entstehungsgeschichte der Puppe erzählt.

Michael Küng
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Rudolf Velhagen nahm das Telefon irgendwann gar nicht mehr ab. Es klingelte einfach zu oft. Mehrere hundert Personen wollten sich bei ihm anmelden, um vergangenen Dienstag nach Egliswil kommen zu dürfen.

Denn dort, in einer unscheinbaren Lagerhalle am Dorfrand, ist Rudolf Velhagen Herr über einige der grössten Schätze des Kantons: 55 000 sollen es sein, gelagert im Sammlungszentrum von Museum Aargau.

Sammlungsleiter Rudolf Velhagen nimmt von Roy Oppenheim und Joan Fuchs-Oppenheim den Papa Moll entgegen.

Sammlungsleiter Rudolf Velhagen nimmt von Roy Oppenheim und Joan Fuchs-Oppenheim den Papa Moll entgegen.

Michael Küng

Gemälde, Rüstungen, Waffen und Mumien, schmucke Puderdosen und geheimnisvolle Truhen gehören genau so dazu wie ein von Ingenieuren vollgekritzelter Prototyp für eine neue WC-Schüssel: «Diese Partie schieben, dann wäre auch das Abflussrohr in Ordnung!!!», meinte 1980 ein Ingenieur der Laufenburger Firma Kera. Mehr und weniger bedeutende Schenkungen und Fundstücke aus allen erdenklichen Epochen kulminieren hier im Sammlungszentrum in einer kleinen Aargauer Zeitreise. Nun ist auch Papa Moll ein Teil von ihr.

Die Kinder von Papa-Moll-Erfinderin Edith Oppenheim-Jonas waren vorgestern im Sammlungszentrum zu Gast – und der Grund dafür, dass sich der Leiter des Sammlungszentrums, Rudolf Velhagen, kaum noch retten konnte vor Anrufen.

Etwa 60 Gäste erhielten schliesslich Einlass in das Lagerhaus in Egliswil. Dort überreichten zwei der drei Kinder von Edith Oppenheim ein Exemplar der ersten Papa-Moll-Puppe überhaupt. Ihre Entstehungsgeschichte haben sie gleich miterzählt.

Wie entstand Papa Moll?

Sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg habe es kaum noch Importe von Kinderspielzeug gegeben, erzählt Roy Oppenheim. Da habe sich seine Mutter gesagt: «Wenn es kein Kinderspielzeug mehr gibt, dann machen wir welches». So seien Ausschnittbögen entstanden, deren schneller Erfolg Pro Juventute auf die junge Mutter aufmerksam gemacht hat. Die Stiftung wollte eine Alternative zu den Mickey-Mouse-Comics und ihren Sprechblasen schaffen.

Deshalb werden die Abenteuer von Papa Moll bis heute von vergleichsweise langen Versen begleitet. Das war 1951, kurz darauf war Papa Moll erschaffen. «Wir Kinder fanden, dass man Papa Moll anfassen können muss», sagt Roy Oppenheim. Deshalb machte sich die Familie noch im selben Jahr an die Handfertigung der Puppe, die sie nun 67 Jahre später dem Sammelzentrum von Museum Aargau übergeben hat.

Heute ist Papa Moll auf der halben Welt unterwegs. Ein chinesischer Verlag liess kürzlich sämtliche Bücher auf Mandarin übersetzen. Und in Ägypten würden noch heute vereinzelte Kinder Schweizern «Papa Moll!» nachrufen, weil sie hie und dort offenbar von Touristen mit Papa-Moll-Geschichten beschenkt würden.

Standort war geheim

Herumgekommen ist auch das Sammlungszentrum. Ursprünglich im Schloss Lenzburg untergebracht, befand es sich in den Neunziger-Jahren in Muhen. Nach einem Wasserschaden machte sich der Kanton erneut auf die Suche und wurde kurz vor der Jahrtausendwende in Egliswil fündig.

«Wieso wird das alles überhaupt gesammelt?», fragt Rudolf Velhagen und gibt sich die Antwort gleich selbst: «Weil wir verstehen wollen, wie wir früher gelebt haben, wie wir heute leben und wie wir morgen leben werden. Es macht keinen Sinn, dass wir barocke Nachttischchen aus Süditalien sammeln.» Doch sei jetzt zum Beispiel die letzte Gelegenheit, um bei Haushaltsauflösungen nach interessanten Möbeln mit Bezug zum Aargau Ausschau zu halten. «Denn in zwanzig Jahren stehen überall Ikea-Möbel, das sammeln wir nicht», sagt Velhagen.

Dabei landet hier und dort auch Wertvolles im Sammlungszentrum. «Früher war der Standort deshalb streng geheim», sagt Velhagen, die Sicherheitsvorkehrungen in der Lagerhalle entsprächen «internationalen Standards.» Und das ist gut genug, um ein Umdenken möglich zu machen: Nicht mehr geheim soll das Sammlungszentrum sein, sondern ein Ort der Begegnung.

Das ganze Jahr hindurch wird es deshalb jeweils am ersten Dienstag des Monats eine Gratis-Führung anbieten. «Die Idee ist, dass wir dieses Programm über dieses Jahr hinaus anbieten können. Ob das Sinn macht, werden nun die Erfahrungen in diesem Jahr zeigen». Der Start war schon mal ein Erfolg. Die nächste Führung ist am 6. März ab 18.30 Uhr.

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