Vor knapp neun Monaten ist die Seoner Robotec Solutions in ihren 4,5 Mio. Franken teuren Neubau in der Industrie Birren gezogen. «Und schon jetzt ist der Platz knapp», sagt CEO Nick Koch (48). Der Roboterspezialist hat deshalb das angrenzende Bauland gekauft. «Wir könnten im Prinzip die Produktionsfläche verdoppeln.» Konkrete Pläne gäbe es zwar noch nicht. Robotec ist aber in den Startlöchern.

Das Geschäft mit der Robotik boomt weltweit. Davon profitiert auch das High-Tech-Unternehmen aus Seon: Robotec hat ihre Aufträge in den vergangenen fünf Jahren verdoppeln können. 2011 eröffnete das Unternehmen eine Niederlassung in Deutschland, 2012 eine in China.

Roboter füllen Konfi-Gläser

Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 10 Millionen Franken. Das Unternehmen beliefert die Uhren- und Maschinen-Industrie, ebenso die Autobranche, die Medizinaltechnik und die Lebensmittelindustrie. Hauptabsatzmarkt ist mit 6,5 Millionen Franken Umsatz nach wie vor die Schweiz. «Zwar wird die Massenproduktion zunehmend ins Ausland verlagert, doch die Spezialproduktion bleibt im Inland», sagt Koch.

Will heissen: Ein Roboter füllt automatisch kleine Hero-Konfi-Gläser für ein bestimmtes Hotel ab. Zwei Stunden später stellt ein Mitarbeiter in wenigen Minuten die Anlage so um, dass derselbe Roboter ein komplett anderes Glas befüllt. «In der maschinellen Massenproduktion wäre das nicht möglich.» Flexible Automation wird das genannt. Die zunehmenden Möglichkeiten und die Komplexität der Roboteranlagen geht ins Geld: «Früher kostete eine solche Roboterlösung bis zu 150 000 Franken. Heute zahlt man bis zu einer Million.»

Die «nackten Roboter», wie Koch sie nennt, produziert das Seoner Unternehmen nicht selbst, sondern bestellt sie beispielsweise bei der japanischen Firma Fanuc. Die Robotec fertigt und montiert die komplette Greiftechnik und Peripherie wie beispielsweise das Laufband, entwickelt die Software und verkabelt den Roboter, bis ein ganzes Produktionssystem entsteht, das alle Schritte vom leeren Konfi-Glas bis zur fixfertig gestapelten Euro-Palette einschliesst.

Dass das Geschäft mit Robotersystemen gut läuft, lässt sich auch an der Anzahl Mitarbeiter ablesen. Koch, der Maschinenbau studierte und anschliessend den Executive MBA erwarb, kaufte 2002 das damals wenig erfolgreiche Schaffhauser Zwei-Mann-Unternehmen und zog 2003 nach Seon.

Unterdessen beschäftigt das Unternehmen am Hauptsitz 24 Mitarbeiter, in China 18 und in Deutschland 10. «Jedes Jahr stellen wir am Standort Seon zwei neue Mitarbeiter ein», sagt Koch. Doch Fachkräfte zu finden, fällt auch dem Roboterspezialisten schwer. «Deshalb bilden wir unsere Mannschaft laufend weiter und seit einem Jahr unseren ersten Lehrling aus.»

Nächste Woche öffnet Robotec die Tore für das Fachpublikum und die interessierte Öffentlichkeit. 24 Roboter zeigen an drei Tagen 400 erwarteten Gästen den aktuellsten Stand der Technik.