Seit gut einer Woche ist das zentrale Verbindungsbauwerk der Coop-Verteilzentrale weiss eingepackt. Gemäss Aussagen von Angestellten sollen sich in der Nacht zwei Scheiben der Passerelle gelöst haben und in die Tiefe gefallen sein. Gegenüber der az bestätigte Coop-Pressestelle den Zwischenfall.

Die Verpackung ist eine «vorsorgliche Sicherheitsmassnahme». Die zweistöckige, 162 Meter lange Passerelle verbindet die beiden Hauptkomplexe des am 22. Juni im Beisein von Bundesrätin Doris Leuthard eingeweihten Neubaus: Die nationale Tiefkühlverteilzentrale und die Grossbäckerei auf der einen, und die regionale Verteilzentrale, die rund 40 Prozent aller Coop-Supermärkte beliefert, auf der andern Seite.

500 Tonnen fliegen durch die Luft: Grösste Bagger der Schweiz montieren 160-Meter-Passarelle auf grösster privater Baustelle der Schweiz.

500 Tonnen fliegen durch die Luft: Grösste Bagger der Schweiz montieren 160-Meter-Passarelle auf grösster privater Baustelle der Schweiz.

(Mai 2015)

Das 880 Tonnen schwere Bauwerk dient auf der oberen Ebene dem voll automatisierten Warenfluss und unten der Personenzirkulation. Hier ist auch ein kleines Museum über die Coop-Geschichte eingerichtet.

Ein Drohnenflug über das neue Verteilzentrum (Mai 2016).

Ein Drohnenflug über das neue Verteilzentrum (Mai 2016).

Unbekannte Ursache

«In der zweiten Augusthälfte sind kurz nacheinander zwei Scheiben geborsten und dann (nicht als Ganzes) heruntergefallen», bestätigt Coop-Mediensprecher Urs Meier den Auslöser für die kurzfristige Wieder-Einkleidung der Passerelle. Noch unklar ist, weshalb die Teilstücke der beiden Scheiben in die Tiefe sausten. «Zurzeit wird abgeklärt, weshalb es zu diesem Vorfall kam», so die Coop-Medienstelle weiter. Die nachgereichten Varianten öffnen den Spekulationen alle Tore: «Technische Mängel oder Dritteinwirkung.»

Erst im Juni war das Verteilzentrum mit grossem Pomp eingeweiht worden:

Ein Unfall oder Schüsse?

Wurde bei der Montage gepfuscht oder wurde die Spannung der Konstruktion oder der grossen Glasscheiben unterschätzt? Unter «Dritteinwirkung» könnten interne oder externe Einflüsse infrage kommen: Hat jemand mit einem Wagen innen die Passerellen-Wand gerammt oder hat jemand von aussen gar auf den Übergang geschossen? Die zweitere Möglichkeit wäre wahrscheinlicher, wenn die Zwischenfälle tatsächlich mitten in der Nacht stattgefunden hätten.

Zu solchen Details machte Coop gestern keine Angaben. Bis zum Ende der Abklärungen wurde die Passerelle «als vorsorgliche Sicherheitsmassnahme mit einem Auffangnetz aus feinem, hochreissfestem Vlies eingepackt». Die Dauer dieser Vorkehrung ist offen.