Das Gedränge auf den Perrons, die Angst vor Unfällen: Der Wunsch nach einer Verbesserung ist gross – und ebenso die Ungeduld. So sagte vor einem Monat Stadtrat Martin Steinmann (FDP): «Mich nervt die Verzögerung beim Bahnhof Lenzburg.» Ende Juni ist wieder einmal ein Termin verstrichen, ohne dass «Bern», das Bundesamt für Verkehr (BAV), geliefert hätte. Und auch jetzt noch, ist der Entscheid nicht gefallen.

Es geht darum, ob der neue Bahnhof eine oder zwei Personenunterführungen haben wird. «Wir sind dezidiert der Meinung, dass es zwei braucht», erklärte Stadtammann Daniel Mosimann (SP) am 26.8. in der Schweiz am Wochenende. Die Stadt geniesst in dieser Frage die Unterstützung des Kantons. Und es besteht Einigkeit darin, dass die vollständige Finanzierung durch den Bund (Bahninfrastrukturfonds) erfolgen soll. Eine zusätzliche Unterführung ist teuer. Die Mehrkosten einer Lösung mit zwei Unterführungen lägen bei rund acht Millionen Franken.

«Nicht bis 2030/35 warten»

Vor einer Woche hat der Bundesrat zwei Varianten für den Ausbau des Bahnnetzes in die Vernehmlassung geschickt. Er schlägt vor, bis 2035 insgesamt 11,5 Milliarden Franken zu investieren (Schweiz am Wochenende vom 30. September). Eine abgespeckte Vorlage mit Ausgaben von 7 Milliarden lehnt der Bundesrat ab. Was heisst das für Lenzburg? Die erste gute Nachricht: Die Sanierung von Lenzburg ist in beiden Varianten enthalten. So im Ausbauschritt 2035 als Massnahme 35. Konkret heisst es: «In Lenzburg werden Perrons erhöht, verbreitert und verlängert, weiter werden Personenunterführung und Perronzugänge verbreitert.»

Was bedeutet das jetzt für den Zeitplan? Kommt es wegen «2035» zu einer weiteren Verzögerung? Simone Rangosch, Leiterin Abteilung Verkehr im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, gibt Entwarnung: Der Kanton begrüsse es sehr, dass der Ausbau des Bahnhofes Lenzburg Bestandteil des «STEP Ausbauschrittes 2030/35» sei. Nach der Vernehmlassung werde das eidgenössische Parlament voraussichtlich im Jahr 2019 über die Vorlage befinden. «Anschliessend sind die Gelder für die Projekte verfügbar. Es muss also nicht bis 2030/35 gewartet werden», betont Simone Rangosch. Sie spricht von «einem starken Signal für Lenzburg».

Inbetriebnahme Ende 2028

Warum geht angesichts der Sicherheits- und Kapazitätsprobleme alles nicht viel schneller? Eine wichtige Rolle spielen dabei die anderen SBB-Baustellen. Die Bahn kann, wenn sie den Betrieb auf der stark befahrenen Ost-West-Achse nicht übermässig gefährden will, nicht gleichzeitig überall bauen. Konkret: Bis Ende 2020 werden die Kapazitäten zwischen Aarau und Olten (Eppenbergtunnel) vergrössert. Dann kommt das Projekt «Leistungssteigerung «Rupperswil-Mägenwil», das dem Aargau den lang ersehnten Halbstundentakt auf der S3 (Aarau-Zürich, neu S11) bringen wird. Erst ab 2023 kann in Lenzburg gebaut werden. Die Totalsanierung des Bahnhofes wird in der Grössenordnung 200 Millionen Franken kosten. Eine auch für Bahnprojekte grosse Summe.

«Die Bauzeit wird rund sechs Jahre betragen», erklärt Simone Rangosch. Das sei die übliche Dauer solcher Grossprojekte. Der neue Bahnhof wird also frühestens gegen Ende 2028 in Betrieb genommen.

«Zeitdruck ist gross»

Damit 2023 überhaupt Baumaschinen auffahren können, muss der Planungs- und Baubewilligungsprozess im Expresstempo vorangetrieben werden. «Der Zeitdruck ist gross», erklärt Simone Rangosch. Darum läuft die Planung auch jetzt weiter – obwohl die Eidgenössichen Räte das Geld noch gar nicht gesprochen haben.

Konkret: Es liegt jetzt eine Objektstudie vor. Sobald der Unterführungsentscheid gefallen ist, beginnt die Ausarbeitung des Vorprojektes, das Ende 2019 vorliegen soll. Für das Bau- und Auflageprojekt sind zwei weitere Jahre nötig. 2022 soll dann das Plangenehmigungsverfahren, das Baubewilligungsverfahren nach Eisenbahnrecht, durchgezogen werden.

Es wird also für die Pendler und die anderen Bahnbenutzer in Lenzburg noch jahrelang eng bleiben. Der Bahnhof wurde ursprünglich, beim Bau der Heitersberglinie (Eröffnung 1975), für täglich 16'000 Ein- und Aussteiger konzipiert. Heute sind es 25'000, und im Jahr 2030 sollen es 40'000 sein.