Lenzburg
Gedenkausstellung von Bildhauer Jean-Louis Ruffieux

Ein Jahr nach seinem Tod wird das von Bildhauer Jean-Louis Ruffieux hinterlassene Werk im Atelier La Chapelle nochmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Heiner Halder
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Das Bildhaueratelier J.-L. Ruffieux wird von Jeanine Ruffieux und Mitarbeitern weitergeführt. Heiner Halder

Das Bildhaueratelier J.-L. Ruffieux wird von Jeanine Ruffieux und Mitarbeitern weitergeführt. Heiner Halder

«Kunst ist eine Äusserung von Menschen, die über ihre eigene Lebenszeit hinausführt.» Unter diesem Motto hat die Familie Ruffieux am Wirkungsort des mit 66 Jahren im April 2013 verstorbenen Sculpteurs eine Gedenkausstellung arrangiert.

Die Vernissage brachte den zahlreichen Freunden, Kunstinteressierten und vor allem den Mitgliedern der von Ruffieux 1983 gegründeten und bis zuletzt inspirierend begleiteten Kunstgesellschaft Lenzburg ein Wiedersehen unter sich und mit dem Werk. Nahtlos anknüpfend an die lange Reihe von regelmässigen Präsentationen an diesem speziellen Kraftort in dem ehemaligen Kirchlein, wo der Künstler subtil sein Refugium eingerichtet hatte.

Die Hauptperson fehlte, aber die einfühlsamen einführenden Worte von Roy Oppenheim sowie die berührende musikalische Begleitung liessen Wesen und Wirken des Abwesenden noch einmal plastisch wach werden. Und da ist natürlich noch die Hinterlassenschaft, das in Stein gemeisselte Vermächtnis des Künstlers. Schon das umfangreiche Verzeichnis der Rohstoffe ist reine Poesie: Azul da Bahia, Verona rosso, Nero assoluto, Peperino rosso, Rosa Portogallo, Cielo Blu, Türkischer Travertin, Carrara Marmor, Alabaster.

Aber unter seinen Händen wurden auch die einheimischen Produkte mit nüchterneren Bezeichnungen wie Lenzburger Sandstein, Mägenwiler Muschelkalk oder Solothurner Kalkstein zum Leben erweckt.

Den Werkstoff Holz entdeckt

Ruffieux verstand es meisterhaft, mit knappen Eingriffen Akzente zu setzen, Strukturen herauszuschälen, harte Einschlüsse hervorzuheben, weiche herauszuschlagen, Bewegungen aufzunehmen und zu verstärken, Rippen, Adern, Flüsse zu applizieren und dem harten Stein damit eine verblüffende Weichheit und Leichtigkeit zu vermitteln. Er schaffte und schuf parallel mit der Natur. Seine sinnlichen Torsi, welche durchaus gewollt zum Berühren verführen, waren sein eigentliches Markenzeichen.

Die geometrischen Formen aus schwarzem Granit, die schlanken weissen Stelen im Kontrast zu den kantigen und doch schwungvollen Schaustücken, die Formensprache, die Eleganz, die Poesie der Steine und auch der von Ruffieux «entdeckte» Werkstoff Holz mit den 350-jährigen portugiesischen Olivenbäumen und deren knorrigen Knörzen mit Kröpfen, Schrunden und Wunden, wie auch die Bilder mit Landschaften aus aller Welt belegen, was Vernissageredner Roy Oppenheim bilanzierend hervorhob: Dass in der ungegenständlichen Kunst die Schönheit wieder mehr Ansehen geniesst als auch schon. Aus der Erkenntnis, dass die Gesetze der Natur dem selben Ziel dienen. Kunst ist neben der Religion der Versuch, uns eine andere Dimension zu öffnen.

Gedenkausstellung im Atelier La Chapelle, Kapellenweg 4: Donnerstag, 3. und 10. April, 18–20 Uhr; Samstag, 5. und 12. April, 18–20 Uhr; Sonntag, 6. April, 15–17 Uhr; Finissage Sonntag, 13. April, 15–18 Uhr.