Um gut und richtig zu wachsen, schön auszusehen und möglichst viele Früchte zu tragen, müssen Obstbäume, aber auch Sträucher regelmässig geschnitten werden. Wer schon einmal selbst versucht hat, mit einer Gartenschere einen Busch oder ein Bäumchen in Form zu trimmen, weiss, dass das gar nicht so einfach ist.

Hilfe sucht man deshalb am besten bei Fachleuten. Der Gartenbauverein Lenzburg und Umgebung veranstaltet regelmässig Kurse, in welchen das Schneiden von Obstbäumen und Sträuchern erlernt werden kann. So trafen sich am Samstag rund 20 Hobbygärtnerinnen und -gärtner zu einem Schnitt- und Pflegekurs. Nach einer theoretischen Einführung am Morgen durften sie am Nachmittag an 30- bis 80-jährigen Obstbäumen in einem Garten in Staufen ihr neu erworbenes Wissen gleich praktisch anwenden.

«Beim Schneiden kann viel falsch gemacht werden», erklärte der Kursleiter Andres Schmocker. Als Paradebeispiel nannte er den Haselstrauch. «Wenn die Gemeinde verlangt, dass die Büsche auf einen Meter achtzig zurückgeschnitten werden, fahren viele Leute einfach mit der Motorsäge auf dieser Höhe durch.» Dabei sei der Hasel ein Strauch, der sich von der Basis her erneuere. «Die dicken, langen Äste sollte man rausschneiden, die jungen Triebe drin lassen, dann entsteht ein schöner Strauch.»

Auch bei den Obstbäumen könne viel schiefgehen, meinte Schmocker. Zum Beispiel, wenn der natürliche Wuchs verunstaltet oder alles fein säuberlich herausgeputzt werde. Wird der Schnittzeitpunkt falsch gewählt, etwa während der Blüte, ist dem Baum ebenso wenig gedient, wie wenn man unter statt über einer Knospe schneidet. Als bestes Mittel, um diese Fehler zu vermeiden, empfiehlt Andres Schmocker den Besuch eines Kurses. «Damit man nicht mit dem Anleitungsbüchlein in der einen und der Schere in der anderen Hand auf den Baum steigen muss.» Die Teilnehmer lernten, wie eine sogenannte Oeschbergkrone geschnitten wird. Diese bringt Obstbäume in eine Pyramidenform, die sich schon seit beinahe 100 Jahren bewährt.

Am Samstag wurde an mehreren alten Obstbäumen geübt. Andres Schmocker und Markus Steimer, Präsident des Gartenbauvereins, standen den Kursteilnehmern zur Seite. Mit langen Stangen zeigten sie die angestrebte Pyramidenform an und wiesen auf Äste hin, die abgeschnitten werden sollten. Die Kursteilnehmer, die mit der Baumschere auf der Leiter standen, waren froh um die Unterstützung, denn ist der Ast einmal abgeschnitten, ist er unwiderruflich weg. Chantal Scossa aus Untersiggenthal besuchte den Kurs zum dritten Mal. «Ich lerne jedes Mal etwas dazu und mit der Zeit bekommt man immer mehr Erfahrung.» Auch die Rupperswilerin Susanne Bopp bestätigte: «Früher brauchte ich noch eine Vorlage, aber es geht jedes Jahr besser.»

Der Gartenbauverein Lenzburg und Umgebung, der im Jahr 1874 gegründet wurde, bietet jedes Jahr im Frühling und im Herbst Kurse an, in welchen theoretische Informationen und praktische Tipps über Schnitt und Pflege von Bäumen und Sträuchern weitergegeben werden.