Hoch über dem Hallwilersee hat sich Finanzchefin Fabienne Matheja gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Kindern einen Ort der Entspannung geschaffen. «Wir waren für 2½ Jahre in Südafrika, und als wir dann mit unseren kleinen Kindern nach Zürich zurückkehrten, mussten wir einsehen: Das ist nichts mehr für uns», erzählt Franziska – bei Airbnb duzt man sich.

So haben sie sich umgesehen und 2012 in Beinwil am See ein fast hundertjähriges Haus gekauft. Hinten wird es von einem Türmchen ergänzt, das in einem desolaten Zustand war. Wieder hergerichtet, bezog es Franziskas Bruder. Als er auszog, stellte sich die Frage, was mit der zweistöckigen Mini-Wohnung geschehen soll. So entstand das Airbnb «La Tourelle». Am dankbarsten seien die Gäste aus Indien. «Sie geniessen die Natur, das Haus, das Baden im sauberen See.»

Franziska Matheja vor ihrer selbst gebauten Bar im Garten.

Airbnb in Beinwil am See

Franziska Matheja vor ihrer selbst gebauten Bar im Garten.

Ihre jetzigen Gäste wollen aus dem Tal auswandern

Eine Gastfamilie, die Franziska in besonderer Erinnerung geblieben ist, war die eines saudi-arabischen Generals. Der Mann im typischen weissen Gewand, die Frau verschleiert, begleitet von ihren fünf Kindern. «Obwohl wir die Gastgeber sein sollten, wurden wir schnell zu den Bewirteten», erinnert sich Franziska. Am zweiten Abend begrüsste sie der General im Garten mit den Worten: «Setzt euch, wir werden für euch Fleisch zubereiten.» Damit sich die Frau des Generals in die gesellige Runde setzen konnte, hat sich Franziskas Mann hier und da zurückgezogen.

«Dank unseren Gästen haben wir viel mehr Abwechslung. Und man schätzt das eigene Land mehr», sagt Franziska. Ihre Gäste haben alle möglichen Hintergründe: Touristen aus der ganzen Welt kommen zu ihr, aber auch Arbeitnehmer, die für ein paar Wochen hier arbeiten müssen, Menschen, die nach einer Trennung eine Notunterkunft suchen. Nur eine einzige schlechte Erfahrung hat sie gemacht: Eine psychisch angeschlagene Frau wollte nicht mehr weg aus dem Paradies – die Polizei musste nachhelfen.

Das Haus ist fast hundertjährig.

Das Haus ist fast hundertjährig. 

Aktuell haben sie zum ersten Mal eine längere Vereinbarung: Ein pensioniertes Ehepaar aus dem Seetal wird im September nach einem Jahr bei Franziska nach Uruguay auswandern. Ein Land, in das sich beide schon vor vielen Jahren verliebt haben. Zu Franziska gekommen sind sie, nachdem sie eine gute Gelegenheit hatten, um ihr Haus im Tal zu verkaufen. Nun geht es noch um ein paar Modalitäten und dann ins Land des Rio Negro.

Das fast hundertjährige Haus bietet einen grandiosen Ausblick und viel Umschwung.

Das fast hundertjährige Haus bietet einen grandiosen Ausblick und viel Umschwung.