Noch drucksen sich die angehenden Zierpflanzengärtner im BBZ etwas herum. Znünibrot und Schoggistängel in der einen, das iPhone in der andern Hand, wissen sie nicht so recht, was die Fragerei zu ihrem Lehrmeister Peter Stadelmann soll. Was sollen sie sagen, das dann auch noch in der Zeitung steht?

«Stadi», wie er im Betrieb gerufen wird, geht in den Ruhestand. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Und damit hat sichs. Oder doch nicht ganz?

«Mängisch isch er chli schträng.» Langsam tauen die jungen Frauen und Männer auf. Zustimmende Blicke von jenen, die lieber doch nichts sagen wollen. «Ui, und wenn du bei den Primeli etwas falsch gemacht hast, dann konnte er schon emotional werden», sagt eine.

Ja, die Lernenden und die Primeli. «Stadi» hat sie gleichermassen gemocht. Mit der Primeli-Zucht hat er sich und dem BBZ einen Namen in ganz Nordeuropa gemacht. Was im Modebusiness der Designer, ist für die Primelizucht Peter Stadelmann. Er hat den Wunsch nach einem länger blühenden Primeli mit einer Neukreation beantwortet. An einer Pflanze hat es heute zwar kleinere, jedoch mehr Blüten als früher. Im Primeli-Labor im BBZ-Keller pröbelt «Stadi» laufend an neuen Farben herum. Ein schöner, harmonischer Apricot-Ton, der nicht allzu sehr ins Orangefarbene falle, das sei extrem schwierig, sagt er.

Die Passion für seine Arbeit schwingt in den Worten mit. Und die Empathie für die Menschen, mit denen er zu tun hat. Das spüren auch die Lernenden. Bei all der klaren Linie beim Schaffen und der Strenge in seinen Worten, wenn er mit dem Ergebnis nicht zufrieden sei, stets schwinge da ein leises Lächeln um die Mundwinkel, sagen sie. «Man spürt einfach, dass er uns Junge versteht, auch wenn er manchmal hässig ist, wenn etwas falsch gelaufen ist.»

Bildungsangebot erweitert

Peter Stadelmann ist in einer Grossfamilie im Kanton Luzern aufgewachsen. Mit 15 Geschwistern. Er machte eine Ausbildung zum Zierpflanzengärtner. Später das eidgenössische Gärtnermeisterdiplom. Schon in jungen Jahren hat er in Niederlenz in der damaligen Gartenbauschule seine Lebensstelle gefunden. Er war verantwortlich für den praktischen Bereich im Berufsbildungszentrum und hat fast tausend junge Berufsleute aus der ganzen Schweiz ausgebildet.

Stadelmann hat auf schweizerischer und europäischer Ebene in verschiedenen Bildungsgremien der grünen Branche mitgewirkt und sich für die Ausbildung der Zierpflanzengärtner eingesetzt. Und für grenzüberschreitende Kontakte zu Branchenkollegen. Bei den BBZ-Lernenden gehörten bisher Studienreisen durch ganz Europa im Rahmen des EU-Studentenaustauschprogramms zur Ausbildung.

«Stadis» Anliegen: «Die Jungen sollen lernen, über die Nase hinauszudenken.» Offen sein für Neues, Sprachen beherrschen. So sei es ihm selber im Elternhaus beigebracht worden. Das wollte er auch seinen Lernenden weitergeben. Obwohl: Sprachen zu lernen, habe er selber etwas vernachlässigt, was er heute noch bedauere. Aber auch mit dem Netzwerken könne man nicht früh genug beginnen. «Stadi» selber hat das quer durch Europa ausgiebig gemacht.

BBZ-Zukunft ungewiss

Peter Stadelmanns persönliche Zukunft sieht vielversprechend aus. «Ich freue mich, mehr Zeit für meine Enkel zu haben. Und für die Bienen, wo ich mich speziell der Aufzucht der Königinnen zuwenden will.»

Weniger rosig sieht es momentan fürs BBZ aus, über dessen Zukunft derzeit Fragezeichen hängen. Ende August werden die Schweizerischen Gemeinnützigen Frauen als Trägerorganisation darüber entscheiden, ob sie die Trägerschaft auf Ende Schuljahr 2018 aufgeben wollen. Auch der Kanton hat die Absicht, im Rahmen der Schulraumplanung den Schulbetrieb im BBZ einzustellen, im Frühling vorerst auf die lange Bank geschoben.

Das Thema treibt Sorgenfalten auf Stadelmanns Stirn. «Eine schwierige Situation», sagt er und schweigt einen kurzen Moment. Dann sucht er die optimistische Warte. Er erinnert sich: «Vor 36 Jahren, als ich hier Betriebsleiter wurde, war es ebenfalls nicht einfach für die Gartenbauschule.» Die Qualität der Produkte vermochte den Ansprüchen nicht standzuhalten. Auch denen des Chefs nicht. Das hat er geändert und vieles andere mehr. «Wir haben in der Vergangenheit einige kritische Momente erlebt, sie jedoch immer gut gemeistert.»

Auch jetzt hofft Peter Stadelmann, dass die Zukunft des BBZ schlussendlich doch nicht so düster wird, wie es im Moment aussieht. «Ich hoffe das sehr für die jungen Leute, die hier einen ‹Unterschlupf› finden und eine anerkannte Ausbildung machen können.»

Apropos Ruhestand: Am 1. August schiebt Rentner «Stadi» bereits wieder Sonntagsdienst im Betrieb. «Wenn niemand anders kann, dann ist es Chefsache.» «Stadis» Verantwortungsbewusstsein kennt keinen Ruhestand.