«Wir sind uns gruusiges Wetter in Wildegg durchaus sehr gewöhnt. Aber so kalt hatten wir noch nie.» – Das schrieb die Organisation Pro Specie Rara am Samstagabend auf Facebook. Tatsächlich: Es gab wettermässig kaum ein ungünstigeres Wochenende für einen zweitägigen Setzlings-Markt – viele der frisch gekauften Pflänzchen dürfen bei diesen Temperaturen noch nicht ungeschützt in den Garten. In der Nacht auf Sonntag mussten denn auch die Aussteller auf Schloss Wildegg ihre Ware mit mehreren Schichten Vlies abdecken.

Und doch war der 20. Pro-Specie-Rara-Markt Wildegg ein Erfolg. Gut, dass (Hobby-)Gärtner generell nicht zimperlich sind und sich von Regenschauern nicht abhalten liessen; und gut, blitzte die Sonne immer wieder mal durch. Laut Mediensprecherin Nicole Egloff kamen über beide Tage 10 600 Besucherinnen und Besucher, was ungefähr im Bereich der Vorjahre liegt. «In Anbetracht des Wetters sind wir sehr positiv überrascht», sagt Egloff. Besonders der Sonntag sei überdurchschnittlich gut besucht gewesen.

ProSpecieRara-Markt bietet über 500 rare Setzlinge

ProSpecieRara-Markt bietet über 500 rare Setzlinge

Wer im Garten etwas anderes will als Karotten, herkömmliche Blumen und Co., wurde heute auf dem ProSpecieRara-Setzlingsmarkt auf dem Schloss Wildegg fündig.

Seltenes auch in gebrannter Form

Mehr als ein Dutzend Biogärtnereien boten auf dem Schloss ihre Waren an. Ganz kuriose Gemüse, etwa die «Stangenbohne Blauhilde» (aussen blau, innen leuchtendgrün), waren an einem Stand schon nach wenigen Stunden ausverkauft. Aber es blieb ja genug anderes Rares: Die Aubergine «Applegreen», die «Bolivianische Obsttomate» oder der Kürbis «Sweet Mama» zum Beispiel. Kartoffeln, Zierpflanzen und Sträucher waren ebenfalls zu haben – und neben Setzlingen auch Samen. Wer gar keinen grünen Daumen hat, kaufte sich bereits Gebranntes aus dem Rebbergpfirsich oder dem Speierling, ebenfalls alte, selten gewordene Sorten.

Pro Specie Rara führt beim Schloss Wildegg einen Schaugarten. Und unterhalb des Schlosses, im Wildegger Gebiet Hellmatt, entsteht in der alten Gärtnerei der Stiftung Schlossdomäne Wildegg über die nächsten Monate die erste Samenproduktionsanlage von Pro Specie Rara. Sie umfasst auch einen Selbstbedienungskiosk.

Die Leiterin der Samengärtnerei hat ihren Job bereits aufgenommen, erste Pflanzen zur Saatgutgewinnung wurden gesetzt und blühen teilweise schon. Die Hauptinfrastruktur (Treibhaus, Folientunnel, Pflanzterrasse) muss aber noch erstellt werden. Die Baubewilligung ist erteilt. Laut Philipp Holzherr, Projektleiter Samenbibliothek, sollen die Bauarbeiten «baldmöglichst», also noch im Mai, starten.

Zuerst wird mit den Abbrucharbeiten bei den alten Frühbeetkästen angefangen, dann die Mauer für die Pflanzterrasse erstellt. «Per Pflanztermin Anfang Juni sollte die Pflanzterrasse parat sein», schreibt er auf Anfrage.

Im Juni sollen die Abbrucharbeiten fertig sein. Dann werden die Fundamente für Gewächshaus und Regenwassersilo gesetzt und diverse Leitungen gezogen. Das Gewächshaus soll ab Juli auf- und eingerichtet werden. Es folgen weitere Sanierungs- und Abbrucharbeiten, auch ein Büroarbeitsplatz wird im bestehenden Gebäude eingerichtet. Der Pflanzenkiosk wir am Schluss eingerichtet. «Der Verkauf startet wohl erst 2020», so Holzherr.