Es sind illustre Namen, die zum 100-Jahr-Jubiläum des FC Lenzburg auflaufen: Stéphane Chapuisat, Andy Egli, Marc Hottiger, Georges Bregy – und natürlich Roger Wehrli, die Aargauer Fussballlegende schlechthin.

Sie alle stehen beim Prominentenspiel für die «Suisse Legends» (so heisst der Verein ehemaliger Schweizer Nati-Spieler) auf dem Platz. 22 von über 120 «Legends» kommen nach Lenzburg – unter der Ägide von Coach Gilbert Gress.

Nur noch eine halbe Stunde

Doch keiner hat einen so kurzen Weg wie Roger Wehrli. Bloss fünf Kilometer von seiner Haustüre entfernt, freut er sich auf das Spiel. Zwar ist seine Stammposition, die des Liberos, auch bei den «Swiss Legends» längst abgeschafft.

Dafür kann er sich in der Innenverteidigung die Arbeit teilen: «Ich spiele nur noch während einer halben Stunde, mehr geht nicht mehr. Ich bin jetzt sechzig Jahre alt, irgendwann muss man auch einsichtig werden.»

War Wehrli früher als veritabler Haudegen bekannt, nimmt er es heute etwas weniger streng: «Ich gehe nicht mehr gleich hart in die Zweikämpfe, einerseits sind es ja immer Freundschaftsspiele, und anderseits sind mir die Stürmer manchmal etwas zu flink.»

Sind Spieler im Alter von Alex Frei oder Benjamin Huggel oft in Seniorenteams aktiv, steht Wehrli nur noch bei Spielen der «Suisse Legends» auf dem Rasen. Das macht fünf bis zehn Spiele jährlich.

GC ist der Klub seines Herzens

Bei jeder Gelegenheit freut sich Wehrli darauf, seine alten Kollegen zu treffen: «Der Zusammenhalt ist riesig. Unter den vielen Spielern hat es etwa zehn, die fast immer dabei sind.» Den Grossteil des harten Kerns bilden die «GC-Buben», die mit Wehrli um 1980 bei den Grasshoppers spielten.

In acht Jahren bei GC wurde Wehrli viermal Meister, von 1982 bis 1984 gar dreimal in Serie. «GC war damals, was der FC Basel heute ist», sagt Wehrli nicht ohne Stolz. GC war und ist der Klub seines Herzens: Schon im zarten Alter von drei Jahren nahm ihn sein Vater an GC-Spiele mit.

1985 entschied sich Wehrli dennoch zu einem Wechsel nach Luzern, blieb fünf Jahre und wurde noch einmal Meister. Aus dieser Zeit stammt auch sein Spitzname «Jimbo»: «Einmal schauten wir im Trainingslager ein Tennisturnier, wo Jimmy ‹Jimbo› Connors im Einsatz stand. Er und ich, wir sind beide Kämpfertypen, und ich war immer ein Fan von ihm. Da wir drei Rogers in der Mannschaft hatten, wurde ich von da an ‹Jimbo› gerufen.»

«Grösster Fehler meiner Karriere»

Nach Luzern wagte Wehrli einen neuen Schritt: 1990 wurde er in Aarau Spielertrainer. «Rückblickend war das der grösste Fehler meiner Karriere», sagt Wehrli. «Der Druck war unglaublich gross: Du musst als Spieler immer bei den Besten sein und zugleich als Trainer ein Vorbild.»

Doch Wehrli blieb dem Fussball treu. Auch aus existenziellen Gründen wurde er Trainer, wollte damals nicht auf den Bau zurück. Heute sieht das anders aus. Nachdem Wehrli den FC Entfelden im Jahre 2011 zum Aufsteiger und Aargauer Cupsieger gecoacht hatte, trat er zurück, «als es am schönsten war». Er wollte sich nun mit voller Kraft auf sein Geschäft als Plattenleger konzentrieren.

Das habe sich in der Zwischenzeit nicht geändert, versichert Wehrli. «Mit dem Job ist ein Comeback als Trainer gar nicht möglich. Ich gehe nicht mehr zurück.»

Im Stadion ist der selbst ernannte Teleclub-Fanatiker nicht mehr anzutreffen. Nicht einmal beim FC Aarau, obwohl ihn Trainer Schällibaum auch schon eingeladen hat. Als Zuschauer auf dem Platz sieht man ihn nur noch in Gränichen, «wenn mein Sohn spielt».