Meitlitage
Für Männer schlägt das letzte Stündlein – das Obere Seetal ist wieder unter Weiberherrschaft

In Fahrwangen und Meisterschwanden haben am Donnerstagabend die Meitlitage begonnen – mit einer schönen Geste: Die Fahrwanger Meitli bedankten sich beim Wirtepaar der Pizzeria Da Luigi für die jahrezehntelange Treue.

Pascal Meier (Text und Fotos)
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Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Die Meitli ziehen mit Tambouren ins Dorf ein
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Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Die Meitli ziehen mit Tambouren ins Dorf ein
Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Die Meitli ziehen mit Tambouren ins Dorf ein
Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen In der Pizzeria Da Luigi wird getanzt. Da lässt sich auch Gemeinderat Silvan Zülle nicht lange bitten.
Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Gute Stimmung in der Pizzeria Da Luigi
Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Die Meitli bedanken sich bei Pizzeria-Wirtin Francesca Picone für die jahrelange Treue
Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Pizzeria-Wirtin Francesca Picone mit Sohn Giulio, flankiert von den Co-Präsidentinnen der Meitlisonntagsvereinigung, Claudia Giapa und Priska Lauber (rechts).
Meitlidonnerstag 2017 in Fahrwangen
Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Gute Stimmung in der Pizzeria Da Luigi

Meitlidonnerstag 2017 Fahrwangen Die Meitli ziehen mit Tambouren ins Dorf ein

Pascal Meier

Kurz nach 20:30 Uhr ertönen Trommeln auf dem Fahrwanger Bärenplatz. Schwarz gekleidete Frauen huschen über die Strasse. Das gleiche Bild in Meisterschwanden.

Für die Männer hat damit das letzte Stündlein geschlagen: Es ist Meitlidonnerstag, jetzt herrschen die Frauen über das Obere Seetal. Die beiden Meitlisonntagsvereinigungen machen mit ihren Grasbögen wieder Jagd auf Männer. Wer im Korb mit dem Netz aus Hanf und Flachs landet, wird von einem Dutzend Meitli in die Luft geworfen und danach auf die Backe geküsst.

Diese Ehre ist nicht gratis: Der Auserwählte zahlt in der nächsten Beiz eine Runde. Dort wird getanzt und auch mal eins über den Durst getrunken. In Meisterschwanden etwa im «Speuzli», das für die Meitlitage mit Zelt und Festbänken aufgerüstet hat. Oder im Fahrwanger Multi Pizza Kurier. Dort musizierte ein Alleinunterhalter neben dem Pizzaofen. Die Meitlitage sind eine aussergewöhnliche Tradition, die sich stets der Zeit angepasst hat.

«Tradition ist wichtiger als Geld»

Die Tradition hat allerdings gelitten. Immer weniger Restaurants machen mit – weil sie schliessen mussten oder die Meitlitage nicht rentieren. Wer sich engagiert, tut dies meistens aus Sympathie. So auch Francesca und Luigi Picone von der Fahrwanger Pizzeria Da Luigi («Brüggli»). Das Wirtepaar beteiligt sich seit den Anfängen seines Restaurants vor 25 Jahren an den Meitlitagen. «Wir machen es für das Dorf», sagt Francesca Picone. «Tradition ist wichtiger als Geld.»

Dafür haben sich die Meitli am Donnerstagabend bedankt. Sie übergaben Francesca Picone eine Meitlisonntags-Pizza-Schaufel zum Aufhängen. Ehemann Luigi konnte krankheitshalber nicht dabei sein, er hat diese Woche jedoch Besuch von den Meitli bekommen. «Das Engagement der beiden ist nicht selbstverständlich», sagte Claudia Giampa, Co-Präsidentin der Fahrwanger Meitlisonntagsvereinigung. «Sie machen immer mit - auch wenn der Umsatz nicht immer stimmt.»

Gefeiert wurde am Donnerstag dann bis in alle Nacht. Wem das noch nicht reicht: Die Meitlitage dauern noch bis Sonntagabend. Dann geben die Meitli mit dem traditionellen Eierzopf die Herrschaft wieder ab. Es wird nochmals getanzt. Dann gilt wieder Herrenwahl.