Lenzburg
Für 25 Franken bekommt man eine bunte Bastelbox gegen die Langeweile

Die Druckerei AG Suhr will daheimgebliebene Familien zum kreativen Basteln und Malen animieren.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
Das Geschäftsführer-Ehepaar Esther und Reinhard Niederer in der Druckerei in Suhr.

Das Geschäftsführer-Ehepaar Esther und Reinhard Niederer in der Druckerei in Suhr.

Sandra Ardizzone

In den 40 Jahren, in denen sie die Druckerei AG Suhr führen, haben Reinhard und Esther Niederer schon manches erlebt. Die Coronapandemie stellte aber auch die beiden vor einem Novum. Wegen der reduzierten Anzahl Druckaufträge sind die Maschinen nicht ausgelastet, die Hälfte der rund 20 Mitarbeitenden muss zwangspausieren. Mit den frei gewordenen Ressourcen entschied sich das Paar nun, etwas beizutragen für die Menschen, die zu Hause bleiben müssen.

«Schon vor der Pandemie wurden wir immer wieder angefragt, ob wir Papierreste haben, die wir zum Basteln weitergeben können», sagt Reinhard Niederer. In den letzten Wochen seien diese Anfragen massiv gestiegen, auch über die sozialen Medien. So kam das Geschäftsführer-Paar auf die Idee, ihre Lieferanten anzufragen, ob auch sie Papierreste haben, die sie zur Verfügung stellen könnten. «Prompt standen mehrere Lieferwagen vor unserer Türe», sagt er positiv überrascht.

Dank der grossen Anteilnahme ihrer Lieferanten rief das Paar eine Bastelbox ins Leben: Eine Schachtel mit etwas über 4 Kilogramm Bastel- und Zeichnungspapier, darunter viele farbige, auch glänzende Blätter, vorgedruckte Masken zum Ausschneiden, Malvorlagen für Kinder, teilweise auch Couverts, Stickers oder kleine Bleistifte – und immer auch ein Singbuch als Beilage.

Die Nachfrage ist gross

«So können Kinder und Erwachsene ihre Kreativität auch während der Zeiten von Homeschooling und Homeoffice ausleben», sagt das Paar. An die 150 solche Bastelboxen konnten bisher verschickt werden, zu einem Unkostenbeitrag von 25 Franken inklusive Porto. Bestellung und Bezahlung sind auch online möglich, etwa per Twint. «Dass das Interesse an Bastel- und Zeichnungspapier so gross ist, hätten wir nicht gedacht.» Einige Mitarbeitende helfen derzeit, das viele Material für die Box zurechtzuschneiden und zu verpacken.

Durch die vielen Aufträge, die wegen der Pandemie sistiert wurden, rechnet die Druckerei AG Suhr gemäss Reinhard Niederer mit Umsatzeinbussen von bis zu 30 Prozent. «Wir wollen aber nicht jammern, schliesslich geht es allen gleich», sagt er. Die Druckbranche ist kein einfaches Pflaster, Krisen ist man sich wohl gewohnt. «Wir konnten uns gut behaupten in einem schwierigen Umfeld, wahrscheinlich weil wir früh begonnen haben, unsere Produktfelder zu differenzieren.»

1956 von Walter Theiler gegründet – dem Vater von Esther Niederer –, übernahm das Ehepaar die Firma 1980 und weitete das Geschäft um die Jahrtausendwende aus. Sie gründeten etwa die Werbeagentur Interpunkt oder die Portale Druckprofis.ch und Happyprint, wo man Druckaufträge online aufgeben kann.

Schwinger und Sumoringer in der Fabrik vereint

Vor allem aber investierten sie in die Infrastruktur: In ihrer Produktionsstätte am Postweg in Suhr steht eine 8-Farben-Druckmaschine aus Japan. In einem Durchgang kann diese Vorder- und Rückseite im A1-Format bedrucken, dank LED-UV-Härtungstechnik mit niedrigem Energieverbrauch. Landesweit sei die Druckerei AG Suhr die erste gewesen mit dieser Technologie.

Als Feier wurde damals eine Wand in der Fabrik mit einer grossen Fotomontage gestaltet: Darauf ist links das Matterhorn zu sehen, rechts der Fujiyama, darunter die Hochhäuser von Tokio, daneben ein Sumoringer, ein Schwinger – und in der Mitte der Suhrerchopf und die Kirche von Suhr. Dank der Maschine gehört die Druckerei heute zu den grössten im Kanton. Die Stärke der Firma beruhe aber vor allem auf ihr Netzwerk, zu dem auch die Buchser Firma Printpark gehört, geführt von Sohn Samuel.