Seon
«Funkenflug»: Achter Streich von «Max und Moritz»

Das Musical «Max und Moritz» der Seoner Viertklässler erlebte gestern eine Zugabe. Das klassenübergreifende Projekt war eine von fünf vom Kanton ausgezeichneten Produktionen.

Fritz Thut
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Im Seoner «Max und Moritz» sammeln die Lausbuben Maikäfer für Onkel Fritz. zvg

Im Seoner «Max und Moritz» sammeln die Lausbuben Maikäfer für Onkel Fritz. zvg

«Funkenflug» heisst der Wettbewerb, in dem die Fachstelle Kulturvermittlung des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) jährlich beispielhafte Projekte auszeichnet. Für die gestrige Jubiläumspreisfeier reisten 70 Seoner Viertklässler nach Baden.

Sie hatten im Januar mit vier Vorstellungen des Musicals «Max und Moritz» vor vollen Rängen das Publikum begeistert. Die Schüler, der Klassenlehrer Tobias Bopp, Hans Grunder und Tom Widmer wurden ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend eingesetzt: als Darsteller, Sänger, Bühnenbildner oder Requisiteur.

Organisch gewachsen

Die von Wilhelm Busch ausgeheckten Streiche von «Max und Moritz» wurden vom deutschen Komponisten Günther Kretzschmar vertont. Grunder, ein ehemaliger Berufsmusiker, hatte das Stück als Initiant ausgewählt und während des ganzen Semesters die Lieder mit dem Chor einstudiert.

«Funkenflug»-Auszeichnungen: Musical, Theater, Film und Tanz

In einer von Anna Rossinelli und dem Rapper Greis musikalisch umrahmten Feier im Kurtheater Baden wurden gestern zum zehnten Mal unter dem Titel «Funkenflug» ausgewöhnliche Projekte von Aargauer Klassen im Rahmen von «Kultur macht Schule» ausgezeichnet. Neben den vierten Klassen aus Seon erhielten folgende vier Klassen ebenfalls ein Preisgeld von 5000 Franken und durften einen Einblick in ihre Produktion gewähren: «Du – ein poetisches Theater» der sechsten Klasse der Primarschule Laufenburg; «Mia» ein spannender und berührender Film der Oberstufe Regionalschule Lenzburg; Kanti Wohlen wirft Wellen: «Bünzfischer» und «Epizentrum», zwei Projekte zum Jubiläum; «Heidi, eine Tanzinszenierung» der ganzen Mittelstufe der Schule Untersiggenthal. (tf)

Das Projekt begann nahezu organisch zu wachsen, als Musiklehrerin Hanna Matti Gedanken über eine mögliche szenische Aufführung beisteuerte. Als Autorin, Regisseurin und selbst Sängerin von Operncollagen mit dem bekannten Ensemble «Fledermäuse» erarbeitete Matti in ihren Herbstferien ein altersgerechtes Konzept. Der Aufwand für alle Beteiligten steigerte sich.

Dem ausführlichen Schlussbericht kann entnommen werden, dass die Organisationsstrukturen der nun gross und grösser gewordenen Produktion nicht entsprochen hat: «Was als lockeres wöchentliches Singen in allen drei Klassen begann, steigerte sich zu einer semiprofessionellen Aufführung, wozu sehr viel Engagement und Einsatz aller Beteiligten nötig war», schreibt da Tom Widmer.

Dies gilt auch für Hanna Matti, die als Leiterin des begleitenden Orff-Ensembles, Sprechtechnik-Lehrerin und Regisseurin mehrere Funktionen vereinigte. Gerade im Bereich Sprechtechnik konnten die Kinder auf verschiedenen Ebenen profitieren: «Es war nie mein erklärtes Ziel gewesen, den Kindern ein perfektes Bühnendeutsch beizubringen, jedoch finde ich es wichtig, die Erfahrung zu vermitteln, in Ruhe und mit tragender Stimme einen Text öffentlich vortragen zu können. Das gibt viel Selbstvertrauen.» Auf der andern Seite profitierte auch die Regisseurin: «Die szenische Arbeit mit den Kindern bereitete mir Freude und machte auch Spass.»

Probleme mit der Agenda

Doch auch für Matti gab es innerhalb des Projektes Probleme. Während sie sich von der Arbeit mit Profis ein gewisses Mass an Improvisation während den Proben gewohnt war, war bei einigen jugendlichen Mitwirkenden die Flexibilität an einem kleinen Ort. «Viele Kinder haben heute ein durch und durch organisiertes Freizeitprogramm, sodass ein Projekt wie dieses zur Gratwanderung zwischen andern Freizeitaktivitäten wird.»

Proben zwischen den Reitstunden, Arztbesuchen und Ballettstunden der Schüler zu platzieren, war oft ein schwieriges Unterfangen. Doch Hanna Matti blieb hartnäckig. «Ich habe versucht aufzuzeigen, dass es für solch ein Projekt auch Biss braucht.»

Gelebte Integration

Gerade in einem Ort wie Seon mit einem Ausländeranteil von 26 Prozent, kennen nicht alle Schüler die Geschichten von Wilhelm Busch und die sieben Streiche der Lausbuben Max und Moritz waren für einige neu.

Das Einüben des Musicals war also mehr als eine normale Bühnenproduktion: «Gerade an unserer Schule mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund stand das Projekt auch im Zeichen einer Weitergabe eines kulturellen Gutes, war also auch ein sehr erfolgreiches Integrationsprojekt», so Klassenlehrer Tobias Bopp.

Der Stolz über das gemeinsam Erreichte überragte am Schluss die Gedanken an den riesigen Aufwand. Die gestrige Zugabe wurde damit zum achten Streich von «Max und Moritz», denn in der Seoner Version überleben die beiden Protagonisten.